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st Erkrankung meines Angehörigen ausreichend, um die Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen

15.07.2009 11:06 |
Preis: ***,00 € |

Versicherungsrecht, Privatversicherungsrecht


Sehr geehrte Dame oder Herr,

ich wollte mit meiner Tochter in zwei Wochen in einen teuren Urlaub fahren und habe eine Reiserücktrittskostenversicherung abgeschlossen.

Vor zwei Wochen hat mein Vater einen Herzinfarkt bekommen und liegt noch immer in der Intensivstation. Meine Mutter ist ebenfalls zusammengebrochen. Mein Vater ist in einem Krankenhaus weiter weg von unserem Wohnort und ich bin die einzige, die ihn besuchen kann. Eventuell könnte mein Vater mit viel Glück in zwei Wochen auf der "normalen" Station liegen, was jedoch noch nicht sicher ist.

Ist die starke Erkrankung meines Angehörigen ausreichend, um die Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen zu können? Wer muss mir dann die Bescheinigung ausstellen?

Da ich selber schon einen Schwächeanfall hatte, ist es kein Problem für mich ein Attest vom Arzt zu erhalten. Wie sollte das Attest dann aussehen?

Worauf sollte ich achten, damit die Reiserücktrittsversicherung zahlt?

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsangaben und des ausgelobten Einsatzes gerne wie folgt beantworten möchte.

Unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe die Versicherung eintritt, richtet sich nach den jeweils zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen. Für die Beantwortung Ihrer Frage greife ich auf die Musterbedingungen für die Reiserückstrittsversicherung (AVB RR 09) zurück, die von den meisten Versicherungsunternehmen verwendet oder zugrunde gelegt werden. Vorsorglich sollten Sie aber in Ihren Versicherungsunterlagen auch selbst noch einmal genau prüfen, was dort für den Schadensfall geregelt ist, insbesondere, ob es irgend welche Ausschlüsse für die Versicherungsleistung gibt, die in Ihrem Fall gegeben sein könnten.

Grundsätzlich ist in den Versicherungsbedingungen geregelt, dass die Reiserücktrittsversicherung dann eintritt, wenn der Reisende die Reise nicht antreten kann, weil er selbst oder ein naher Angehöriger plötzlich schwer erkrankt ist. Zu den nahen Angehörigen gehören nach § 2 II a AVB RR 09 auch die Eltern des reisenden Versicherungsnehmers.

Insoweit ist mindestens die unerwartete Erkrankung Ihres Vaters - und ggf. auch der Mutter - mit im Versicherungsschutz umfasst. Daneben könnten auch Sie selbst aufgrund der erheblichen psychischen Belastung und des bereits erlittenen Schwächeanfalls reiseunfähig sein.

Da ich davon ausgehe, dass der Herzinfarkt Ihres Vaters nicht vorhersehbar war, sondern es sich um ein Akutereignis handelte und Gleiches auch für den Zusammenbruch Ihrer Mutter und Ihren Schwächeanfall gilt, sehe ich die Eintrittspflicht der Versicherung als grundsätzlich gegeben an. Die Reiserückstrittsversicherung sollte daher die Stornokosten entsprechend übernehmen.

Nach den Versicherungsbedingungen sind Sie ferner verpflichtet, die Stornokosten so gering wie möglich zu halten und daher die Reise so früh wie möglich nach Eintritt des Versicherungsfalls zu stornieren. Falls noch nicht geschehen, sollten Sie die Reise daher schnellstens stornieren, wenn Sie sie nicht antreten möchten/können.

Damit die Versicherung die Einstandspflicht prüfen und die Leistungen nach Bejahung aller Voraussetzungen erbringen kann, müssen Sie neben den Versicherungsunterlagen den Stornonachweis inkl. der Stornokostenrechnung sowie die ärztlichen Atteste vorlegen. Die ärztlichen Atteste werden von den behandelnden Ärzten ausgestellt. Für ein Attest Ihres Vaters, das neben der Diagnose sich insbesondere auch darauf beziehen muss, dass Ihnen als betreuende Angehörige die Reise unzumutbar geworden ist, sind daher die behandelnden Ärzte im Krankenhaus zuständig.

Für Ihre Erkrankung ist dementsprechend der behandelnde Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Neben der Diagnose sollte natürlich auch hier ausdrücklich die Reiseunfähigkeit für die geplante Reise attestiert werden.

Es ist sicherlich ratsam, vorsorglich auf beide Ereignisse einzugehen (also Erkrankung des Vaters und Ihre Erkrankung) um die Reiseunfähigkeit zu begründen und dementsprechend auch beide Atteste vorzulegen.

Falls die Versicherung weitere Informationen benötigt oder eine Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht fordert (das ist nicht unüblich) wird Ihnen das nach Meldung des Schadensfalls und Vorlage der Unterlagen mitgeteilt.

Bitte beachten Sie, dass eine verspätete Stornierung und/oder verspätete Vorlage der Unterlagen schlimmstenfalls dazu führen kann, dass der Anspruch auf die Versicherungsleistung nicht mehr gegeben ist und die Versicherung von Ihrer Leistungspflicht befreit wird. Ferner ist in den Versicherungsbedingungen ein Selbstbehalt des Versicherungsnehmers vorgesehen.

Viele Versicherungen bieten auch eine Art Notfallberatung an, mit der sich der Versicherte im Falle eines Falles unverzüglich in Verbindung setzen kann und soll, um sich über das weitere Vorgehen (liegt ein Versicherungsfall vor, Stornierung ja oder nein, weiteres Prozedere nach der Stornierung) informieren und beraten lassen kann. Wenn Ihre Versicherung einen solchen Dienst anbietet, empfiehlt es sich dringend, sich dort zu erkundigen, da dadurch u. U. die Schadensmeldung erleichert wird, indem sofort die notwendigen Formulare zugeschickt werden etc.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen konnte und wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

Silke Jacobi
Rechtsanwältin

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