Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

schimmelbefall in der Wohnung


24.02.2005 17:39 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von

Rechtsanwalt Arnd-Martin Alpers



Habe seid langer Zeit schon schimmelbefall in der Wohnung , habe es auch dem Vermieter mitgeteilt der dann nur sagte wir sollen einfach neu dadrüber renovieren und dann ist gut .
Wir haben 3 Kinder und wissen nun nicht ob das giftig ist und wie wir uns weiter verhalten sollen , unterdessen haben wir festgestellt das es nur da schimmelt wo keiner unter uns wohnt oder eben die aussenwand .
Vor 2 Tagen haben wir dann festgestellt das auch der schimmel durch den Teppich kommt , bitte was können wir dagegen tun ? mfg
Sehr geehrte Familie *****,

ein Schimmelbefall in einer Mietwohnung in dem von Ihnen beschriebenen Ausmaß stellt einen Mangel an der Mietsache dar.

Sie haben daher unter anderem das Recht, die Beseitigung des Mangels zu fordern und die Miete zu mindern. Dies gilt aber nicht, wenn Sie den Mangel selbst verschuldet haben. An diesem Punkt gibt es letztendlich immer wieder Streit, da die von Ihnen beschriebene Schimmelbildung im wesentlichen aufgrund von zwei Ursachen entstehen kann: Entweder bestehen Schäden an der Bausubstanz (oft schlechte Isolierung) oder der Mieter lüftet bzw. heizt zu wenig. In beiden Fällen bildet sich sogenanntes Schwitzwasser: Bei Mängeln an der Bausubstanz, weil die Wände zu kalt sind - bei mangelhafter Belüftung/Heizung, weil die Luft zu feucht ist. Oft sind auch beide Ursachen für den Mangel mitursächlich.
Von Gerichten wurde es als z.B. ausreichend erachtet, wenn der Mieter 3-4 Mal am Tag für einige Minuten "stoßlüftet". In der Regel müssen Sie aber nur darlegen, dass Schimmel in der Wohnung vorhanden ist - es ist dann Sache des Vermieters zu beweisen, dass alle möglichen Ursachen aus seinem Verantwortungsbereich ausgeschlossen werden können und nur das schlechte Lüftungsverhalten für den Mangel verantwortlich gemacht werden kann.

Da hier die Vermutung naheliegt, dass der Schimmelpilz aufgrund der schlechten Bausubstanz verursacht wurde. Daher sollten Sie dem Vermieter nochmals schriftlich (am besten per Einschreiben) auf den Schimmelbefall hinweisen und genau bezeichnen, in welchen Räumen dieser auftritt. Sie sollten dem Vermieter eine angemessene konkrete Frist (bis zum xx.xx.2005) setzen, innerhalb der der Vermieter den Schimmel beseitigen muss. Gleichzeitig sollten Sie dem Vermieter mitteilen, dass Sie ab sofort die Miete mindern. Um wie viel, hängt vom Umfang des Schimmelbefalls (welche Zimmer befallen, wie viel Schimmel, Geruchsbildung, etc.) und reicht von 10 % bei leichterem Befall bis hin zu 100 % bei praktischer Unbewohnbarkeit aufgrund des Schimmels. 20 % dürften Nach Ihrer Schilderung in jedem Fall angemessen sein - möglicherweise auch wesentlich mehr.

Wenn Sie nachweislich dem Vermieter den Mangel bereits angezeigt haben, können Sie auch für die Vergangenheit eine Mietminderung geltend machen und dies dem Vermieter anzeigen und dann diese Rückforderungsansprüche mit Ihrer normalen Mietzahlung aufrechnen (also abziehen).

Um Druck auf den Vermieter auszuüben, erkennen die meisten Gerichte auch ein Zurückbehaltungsrecht an (etwa das 3-5fache des Minderungsbetrags). Dieser Betrag wird so lange nicht an den Vermieter bezahlt, bis der Schaden beseitigt ist. Danach ist dieser Betrag dann aber komplett an den Vermieter auszuzahlen.

Rührt sich der Vermieter innerhalb der gesetzten Frist nicht, haben Sie auch das Recht, den Schaden selbst beseitigen zu lassen und die Kosten dann vom Vermieter erstattet zu verlangen bzw. mit der Mietzahlung zu verrechnen. Da bei Schäden an der Bausubstanz aber zumeist umfangreiche Baumaßnahmen notwendig sind, ist in der Regel nicht zu empfehlen, selbst die Schimmelbeseitigung vornehmen zu lassen.

Zudem haben Sie nach erfolglos verstrichener Frist auch das Recht, den Vermieter auf Beseitigung der Mängel zu verklagen.

Bei einer erheblichen Gesundheitsgefährdung haben Sie auch das Recht zur fristlosen Kündigung. Hier komme ich auf Ihre Frage zurück, ob der Schimmel giftig ist. Ich würde Ihnen empfehlen, den Schimmel selbst untersuchen zu lassen. Erster Ansprechpartner wäre hier das Gesundheitsamt. In vielen Städten bieten diese kostengünstig eine Untersuchung des Schimmels an, so dass Sie danach evtl. auch genauer wissen, wodurch dieser Schimmel entstanden ist. Wenn Ihr Gesundheitsamt diesen Service nicht anbietet, kann es Ihnen aber mit anderen Ansprechpartnern weiterhelfen.

Bei allem sollten Sie sich nicht zu viel Zeit lassen, da teilweise auch angenommen wird, dass der Mieter das Recht auf Minderung verwirkt, wenn der Mieter lange Zeit in Kenntnis des Mangels die Miete ungekürzt weiterzahlt.

Ich hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben. Auf das "neu drüber renovieren und dann ist gut" sollten Sie jedenfalls nichts geben, weil dies den Schimmel in der Regel kaum beseitigt.

Mit freundlichen Grüßen

Arnd-Martin Alpers
Rechtsanwalt
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER