Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.122
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

scheidung von ausländerin mit befristeten aufenthaltserlaubnis, sorgerecht


16.01.2007 22:55 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Ich bin nicht-EU Ausländerin (habe eine Aufenthaltserlaubnis bis 2007 und Zusicherung von Einbürgerung von deutschen Behörden, muss noch meine staatsangehörigkeit abgeben). Mein mann ein deutscher. Wir sind seit 6 Jahren verheiratet und haben eine 4 Monate altes Kind. Zur zeit ist mein Mann selbständig (arbeitet im Ausland in einem Projekt bis Sommer. Danach hat er noch keinen weiteren Auftrag) und ich in Mutterschaftsurlaub (Vertrag mit meiner Firma ist unbefristet). Ich finde unser gemeinsames Leben einfach unzumutbar für mich und möchte mich gerne scheiden lassen. Mein Mann wird dagegen sein und wird höhstwahrscheinlich die Sorgerecht für unseres Kind fordern. Er weis davon noch nichts.

1. wie kann ich die Scheidung am schnellsten und einfachsten erreichen?
2. gibt es Gefahr, dass der sorgerecht für unseres Kind an meinen Mann gegeben wird (da ich nicht deutsche bin)?
3. gibt es Gefahr, dass meine Aufenthaltserlaubnis nicht mehr verlängert wird oder, dass ich nicht mehr eingebürgert werde und ich ohne mein Kind aus Deutschland rausgeworfen werde?
4. darf ich ins Ausland umziehen und mein Kind problemlos mitnehmen?
5. welche Gründe sind ernsthaft für Gericht um eine Scheidung schnell zu erlauben?
6. Wann wäre der richtige Zeitpunkt überhaupt mit meinem Mann (er ist Jurist) über Trennung und Scheidung zu sprechen um bessere Konditionen (Sorgerecht übers Kind, bessere Unterhalt, etc.) zu erzielen? Könnten Sie mir was raten?

Ich hoffe, dass Sie mir helfen können. Vielen Dank vorab.

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Ratsuchende,

zum besseren Verständnis erlaube ich mir, die Reihenfolge der Beantwortung umzustellen:

1.
nach deutschem Recht ist vom Grundsatz her vor einer Scheidung mindestens ein Jahr der Trennung (von Tisch und Bett) einzuhalten, bevor die Ehe rechtskräftig geschieden werden kann; wenn Ihr Ehemann mit einer Scheidung nicht einverstanden ist, müssen unter Umständen sogar drei Jahre Trennungszeit erfüllt sein.
Anders verhält es sich aber, wenn die Fortsetzung der Ehe für den Antragsteller (hier also Sie) aus Gründen, die in der Person des anderen Ehegatten liegen, eine unzumutbare Härte darstellen würde.
Dies können Sie in den nachfolgend bezeichneten Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) nachlesen:

§ 1564
§ 1565
§ 1566

5.
An die unzumutbare Härte sind nach der Rechtsprechung strenge Anforderungen zu stellen, ein ehetypisches Zerwürfnis ist nicht ausreichend. Es müsste hier also ein beweisbares schwerwiegendes Fehlverhalten Ihres Ehemannes vorliegen, wie z.B. Misshandlungen, schwere Beleidigungen oder Demütigungen, um auf diesem Wege eine schnelle Scheidung erreichen zu können.

2.
Grundsätzlich bleibt mit rechtskräftiger Scheidung das gemeinsame Sorgerecht bestehen, es sei denn, dass einer der Beteiligten im Prozess auch die Übertragung der elterlichen Sorge auf sich allein beantragt.
Dabei kommt es auf Ihre Staatsangehörigkeit nicht an. Ihnen kann also die elterliche Sorge keinesfalls nur aus dem Grund entzogen werden, weil Sie (derzeit) nicht Deutsche sind – siehe aber unten zu 6.

Vielmehr ist im Streitfall entscheidend, wer von Ihnen beiden vom Familiengericht als die verlässlichere und stabilere Bezugsperson angesehen wird, um das Kind zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit erziehen zu können, sowie das Ausmaß der persönlichen Bindung zum jeweiligen Elternteil.

Ein Antrag auf Übertragung der elterlichen Sorge ist übrigens auch bereits während der Trennungszeit möglich (§ 1671 BGB).

3.
Als Ehegattin eines Deutschen genießen Sie das Recht des Ehegattennachzugs gemäß § 30 Abs. 1 des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG).

Im Falle der Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft können Sie dann gemäß § 31 Abs. 1 Nr. 1 AufenthG eine Verlängerung des Aufenthaltsrechts verlangen, dies aber nur für ein Jahr, wenn nicht danach andere Gründe eine weitere Aufenthaltserlaubnis rechtfertigen.

Nach Ablauf dieser Zeit können Sie kein eigenständiges Aufenthaltsrecht mehr aus der geschiedenen Ehe herleiten, sondern nur aus anderen z.B. humanitären Gründen oder wenn Sie eine Niederlassungserlaubnis besitzen.

Insofern besteht dann durchaus die Gefahr einer Ausweisung aus der BRD.

6.
Es erscheint daher empfehlenswert, sich gegenüber Ihrem Ehemann bedeckt zu halten und sich zunächst um die Einbürgerung zu bemühen.
Gelingt Ihnen dies, kann Ihnen den Status als deutsche Staatsangehörige nicht mehr genommen werden.
Dies bedeutet, dass Sie dann Ihre Position deutlich stärken. Als Mutter eines Kleinkindes wird Ihnen bei entsprechender Verlässlichkeit unter Umständen eher die elterliche Sorge zugesprochen werden als dem Ehemann (siehe oben zu 2.)

4.
Dagegen wird das Familiengericht damit zögern, Ihnen die elterliche Sorge und damit auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht zuzusprechen, wenn Sie beabsichtigen, ins Ausland gehen, und sie damit dem Kind den ihm zustehenden Umgang mit dem leiblichen Vater entziehen.


Ich hoffe, Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben. Für Rückfragen zu diesem Thema können Sie sich gerne im Rahmen der Nachfragfunktion erneut an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen


Wolfram Geyer
Rechtsanwalt
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60078 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Ausführlich, verständlich und klar geschrieben. Sehr zufrieden. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Herr RA Vasel erschien mir sehr kompetent, da er auch bei angedachtem weiteren Verfahren meines Steuerberaters fundierte Bedenken, gerade paradoxerweise bezüglich eventuell sich daraus ergebender steuerlicher Nachteile, hatte ... ...
FRAGESTELLER
3,2/5,0
Ohne Paragraphenangabe, alles pi x Daumen, man hätte zb § 850d ZPO oder sowas erwähnen können, Frage wurde obendrein unvollständig beantwortet aber Alles in Allem eine kleine Übersicht, musste im Endeffekt trotzdem alles Nachschlagen ... ...
FRAGESTELLER