Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

meine kinder


24.06.2006 11:04 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Stephan Bartels



ich habe einen sohn 4 monate alt.am pfingst sonntag so gegen 10..00 uhr habe ich meinen sohn pampers gewechselt und wollte ihm essen geben aber er wollte nicht also habe ich gedacht versuche ich es später noch mal vielleicht hat er jetzt noch kein hunger,ich stellte die flasche auf den wohnzimmertisch und legte ihn in die wippe und schnallte ihn an.dann brachte ich meine große tochter 1 jahr und 18 monate ins bett weil sie müde war,dann ging ich ins schlafzimmer weil ich da den boden wischen wollte auf einmal höre ich wie mein sohn laut anfing zu schreien ich ließ alles liegen und rannte ins wohnzimmer zu meinem sohn.er lag da und verkrampfte seinen ganzen körper nach hinten,die augen vielen auf und zu und war nicht ansprechbar.ich nahm ihn und ging eine etage tiefer zu den nachbarn aber die waren nicht da,also nahm ich ihn mit zur telefonzelle gegenüber und rief den krankenwagen.der kam 5 minuten später und wir nahmen meinen sohn ins krankenhaus.dort stellte man nach ein paar tagen fest das er ein schütteltrauma habe obwohl ich ihn gar nicht geschüttelt habe,das krankenhaus imformierte das jugendamt.am 22.6.06 kam das jugendamt und nahm meine große tochter wegen gefahr invollzug mit der polizei ohne gerichtsbeschluss aus meiner wohnung raus.ein tag später nahmen sie meinen sohn der immer noch im krankenhaus lag auch mit.nun meine frage:was kann ich machen das ich meine kinder wiederbekomme,da ich mein kind sowas nie antun würde da ich mir ja schon so lange einen sohn gewünscht habe und dann bringe ich doch nicht halb um.ich bi unschuldig.bitte helfen sie mir.was kann ich tun?

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich vor dem Hintergrund Ihres Einsatzes und aufgrund der von Ihnen mitgeteilten Informationen im Rahmen einer Erstberatung wie folgt beantworte:

Nach § 42 Abs. 1 Nr. 2 b.) SGB VIII ist das Jugendamt verpflichtet, ein Kind in seine Obhut zu nehmen, wenn eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes dies erfordert und eine familiengerichtliche Entscheidung nicht rechtzeitig eingeholt werden. Die Vorschrift ist Ausdruck des sogenannten Wächteramtes des Staates für das Wohl der Kinder. Danach ist der Staat in akuten Gefahrenfällen befugt die Kinder zu deren Schutz in seine Obhut zu nehmen und in geeigneten Einrichtungen unterzubringen.

Offenbar ist in Ihrem Fall das Jugendamt nach der Mitteilung durch das Krankenhaus über die Verletzungen bei Ihrem Sohn davon ausgegangen, dass eine Gefährdung Ihrer Kinder vorliegt. Da das Wohl der Kinder und damit die Schutzpflicht des Staates in jedem Fall Vorrang vor den Interessen der sorgeberechtigten Eltern hat, durfte und musste das Jugendamt dann auch tätig werden. Hierbei musste das Jugendamt auch nicht zuerst mit Ihnen sprechen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass Eltern, die eine Gefahr für Ihre Kinder darstellen, dies auf Nachfrage nicht bestätigen werden. Dies mag in Ihrem Fall, da Sie Ihrem Sohn tatsächlich nicht, jedenfalls nicht vorsätzlich verletzt haben (die Verletzungen kann zum Beispiel entstanden sein, als Sie in Panik, besorgt um die Gesundheit Ihres Sohnes, die Treppe hinunter zur Telefonzelle gelaufen sind), eine besondere Härte für Sie darstellen. Der Staat, in diesem Fall das Jugendamt, kann aber bei Anzeichen für eine akute Gefährdung des Kindeswohls nicht abwarten, bis ein Sachverhalt vollständig aufgeklärt ist, bevor er Maßnahmen zum Schutz der Kinder ergreift. Anderenfalls bestünde die Gefahr, dass sich zwischenzeitlich die Gefahren für die Kinder realisieren, sprich die Kinder Verletzungen erleiden. Aufgrund der objektiven Anzeichen, Verletzungen des Kindes durch zu kräftiges Schütteln, lagen derartige Anzeichen, die ein sofortiges Einschreiten erforderlich machten, für das Jugendamt hier offensichtlich vor.

Für Sie stellt sich nun die Frage, wie die Angelegenheit weitergeht, bzw. wie Sie schnellstmöglich Ihre Kinder wieder in Ihre Obhut bekommen. Wenn, wovon ich ausgehe, Sie der Inobhutnahme Ihrer Kinder durch das Jugendamt widersprochen haben, dann ist das Jugendamt verpflichtet, eine Entscheidung des Familiengerichts über die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Jugendlichen unverzüglich herbeizuführen, § 42 Abs. 3 Ziff. 2. Die Wegnahme Ihrer Kinder ist staatlicher Eingriff, der unverzüglich durch ein Gericht zu überprüfen ist. Die Entscheidung des Gerichts richtet sich nach der Vorschrift des § 1666 BGB. Der hier einschlägige Abs. 1 der Norm lautet:

§ 1666
Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls
(1) Wird das körperliche, geistige oder seelische Wohl des Kindes oder sein Vermögen durch missbräuchliche Ausübung der elterlichen Sorge, durch Vernachlässigung des Kindes, durch unverschuldetes Versagen der Eltern oder durch das Verhalten eines Dritten gefährdet, so hat das Familiengericht, wenn die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden, die zur Abwendung der Gefahr erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
Das Gericht hat bei seiner Entscheidung, ob die Entziehung Ihrer Kinder aufrechterhalten werden soll, also alle erdenklichen Umstände zu prüfen, insbesondere auch die Frage, ob überhaupt eine Gefährdung Ihrer Kinder durch Ihr Verhalten vorliegt. Zwar könnte die erlittene Verletzung hierfür sprechen, die weiteren Umstände, insbesondere Ihre Panik aufgrund der auffälligen Verhaltensweisen Ihres Sohnes, sprechen aber gegen eine anhaltende Gefahr für Ihre Kinder durch Sie.

Darüber hinaus darf das Gericht die Trennung Ihrer Kinder von Ihnen nur unter ganz besonderen Umständen aufrechterhalten, dies folgt aus § 1666 a BGB. Die Vorschrift lautet:

§ 1666a
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit; Vorrang öffentlicher Hilfen
(1) Maßnahmen, mit denen eine Trennung des Kindes von der elterlichen Familie verbunden ist, sind nur zulässig, wenn der Gefahr nicht auf andere Weise, auch nicht durch öffentliche Hilfen, begegnet werden kann. Dies gilt auch, wenn einem Elternteil vorübergehend oder auf unbestimmte Zeit die Nutzung der Familienwohnung untersagt werden soll. Wird einem Elternteil oder einem Dritten die Nutzung der vom Kind mitbewohnten oder einer anderen Wohnung untersagt, ist bei der Bemessung der Dauer der Maßnahme auch zu berücksichtigen, ob diesem das Eigentum, das Erbbaurecht oder der Nießbrauch an dem Grundstück zusteht, auf dem sich die Wohnung befindet; Entsprechendes gilt für das Wohnungseigentum, das Dauerwohnrecht, das dingliche Wohnrecht oder wenn der Elternteil oder Dritte Mieter der Wohnung ist.
(2) Die gesamte Personensorge darf nur entzogen werden, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind oder wenn anzunehmen ist, dass sie zur Abwendung der Gefahr nicht ausreichen.

In dem gerichtlichen Verfahren über die Inobhutnahme Ihrer Kinder ist dass Gericht grds. verpflichtet die Kinder anzuhören, da es um deren Wohl geht. Aufgrund des Alters Ihrer Kinder kommt ein Anhörung der beiden hier nicht in Betracht. Das Gericht wird aber einen sog. Verfahrenspfleger bestellen, dessen Aufgabe es ist, die Interessen Ihrer Kinder zu vertreten. Das Gericht wird eine geeignete Person mit der Wahrnehmung der Interessen Ihrer Kinder bestellen. Dies Person wird darum bemüht sein, die Hintergründe der Inobhutnahme zu erforschen und insbesondere auch Kontakt mit Ihnen aufnehmen.
Haben Sie der Inobhutnahme bislang nicht widersprochen, dann sollten Sie dies schnellstmöglich nachholen, zwecks Einleitung des gerichtlichen Verfahrens. Ihren Widerspruch können Sie auch persönlich, zu Protokoll beim Jugendamt abgeben. Gleichzeitig sollten Sie unverzüglich das Gespräch mit der für Ihren Fall zuständigen Fachkraft des Jugendamtes suchen. Das Jugendamt hat nicht nur die Pflicht, die Kinder zu schützen, sondern ist auch dafür verantwortlich, die betroffenen Eltern bei der Erziehung der Kinder zu beraten und zu unterstützen. Selbst wenn das Jugendamt also weiterhin davon ausgehen sollte, dass Sie eine Gefährdung für Ihre Kinder darstellen, ist man dort verpflichtet, Ihnen alle erdenkliche Hilfe zukommen zu lassen, damit eine Rückkehr Ihrer Kinder in Ihre Obhut erfolgen kann. Ich empfehle Ihnen dringend, sich bei diesen Gesprächen von einer Person Ihres Vertrauens begleiten zu lassen. Zum einen für Ihre moralische Unterstützung, zum anderen aber auch um den Inhalt der Gespräche später, für ein evtl. erforderliches gerichtliches Verfahren, nachvollziehen und beweisen zu können. Leider ist es so, dass Ihnen selbst gegen die Entscheidung des Jugendamtes kein eigenes Rechtsmittel zur Verfügung steht. Sie sind also darauf angewiesen, mit dem Jugendamt zu kooperieren und den zuständigen Mitarbeitern gegenüber deutlich zu machen, dass Sie keine Gefahr für Ihre Kinder darstellen. Hierzu kommt es auch darauf an, dass Sie trotz der nachvollziehbaren emotionalen Belastung mit einem hohen Maß an Besonnenheit in die Gespräche mit dem Jugendamt gehen. Auch deswegen empfiehlt sich die Begleitung durch eine Ihnen nahestehende Person.
Ich hoffe die Frage zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

S. Bartels
Rechtsanwalt, Hamburg




FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER