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körperliche und seelische Gewalt in der Ehe / Trennungsphase

| 20.06.2005 14:58 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Sylvia True-Bohle


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin mit meinem (noch)Mann seit 20 Jahren verheiratet und die Ehe ist schon seit mehreren Jahren am Ende und erfährt jetzt ihren traurigen Höhepunkt. Wie haben 2 gemeinsame Kinder(ca. 14 ½ Jahre alt) , die mit in unserem gemeinsamen Haus wohnen.

Die Situation spitzt sich immer mehr zu, das heißt, aus Streitereien werden immer mehr Handgreiflichkeiten (schubsen, vom Stuhl zerren), gelegentlich Ohrfeigen gegen eines der Kinder, Beschimpfungen / Beleidigungen (...mit eurer dämlichen Fresse, ihr verlogenen Miststücke usw.) aber auch Drohungen (....ich könnte dich umbringen (im Beisein der Kinder))

Ich fürchte immer mehr um unsere Sicherheit und hoffe natürlich, das er endlich auszieht und wir getrennt wohnen können. Aber er wechselt ständig seine Meinung, mal soll ich ausziehen, mal packt er seine Sachen usw. Es wäre mir lieber, er zieht aus und das Trennungsjahr beginnt, als das ich mit den beiden Kindern (welche auf keinen Fall bei ihm bleiben wollen) eine Wohnung suchen muss.

Jetzt die Frage: Was kann ich tun, um weitere Übergriffe, welche intensiver werden, zu verhindern. Ach können die Kinder diese Beschimpfungen nicht länger ertragen und verkraften. Kann er per Verfügung o.ä. aus dem Haus „ausgewiesen“ werden, oder muss erst etwas ganz schlimmes passieren.

Schon vor vielen Jahren hat er mal angedroht, mit uns allen im Auto absichtlich einen Unfall zu machen. Meine Mutter kann dies bezeugen. Er hat sich seit Wochen nicht mehr im Griff, rastet regelrecht aus. Dann plötzlich zeigt (oder spielt?) er Reue und bittet um Vergebung. Insbesondere vor den Kindern, die davon immer zwischen Haß und Mitleid hin- und hergerissen werden.

Sollte er nicht freiwillig gehen wollen und ich doch eine Wohnung suchen müssen, verliere ich da das Wohnrecht in diesem Haus? (wir sind beide im Grundbuch eingetragen) Ist unter diesen Umständen das Trennungsjahr nötig?

Vielen Dank im voraus für Ihre Bemühungen. Bitte lassen mich / uns nicht solange auf eine Antwort warten.

Sehr geehrte Ratsuchende,

a)
die Übergriffe brauchen Sie nicht hinnehmen. Sofern Sie die Polizei noch nicht eingeschaltet haben, rate ich Ihnen dazu dringend. Sogar die Polizei kann Ihrem Mann eine sogenannte Platzsperre aussprechen, so dass er das Haus dann nicht mehr betreten darf.

b)
Gleichzeitig sollten Sie SOFORT einen Kollegen vor Ort aufsuchen und mit der weiteren Wahrnehmung Ihrer Interesen beauftragen. So wie Sie es schildern, kann hier im Eiltverfahren ein Wohnungszuweisungsverfahren bei Gericht eingeleitet werden.

Das sollte auch gemacht werden, um Sie und auch die Kinder vor den Übergriffen zu schützen. Für dieses Verfahren können Sie auch - sofern die finanzielle Situation gegeben ist - über den Kollegen Prozesskostenhilfe beantragen.

Noch Schlimmeres braucht nicht mehr passieren; dass, was Sie schildern ist schon schlimm genüg.

c)
Sollten Sie mit den Kindern ausziehen, verlieren Sie Ihre Rechte NICHT. Auch dann können Sie die Wohnungszuweisung noch beantragen, wobei Sie sich dabei aber beraten lassen sollten.


d)
Wenn die räumliche Trennung vollzogen ist, werden Sie aber mit einer beabsichtigten Härtescheidung (Abkürzung/Entfallen des Trennungsjahres) ev. Probleme bekommen, da Ihnen dann vielleicht zugemutet werden kann (wenn es aufgrund der räumlichen Trennung nicht mehr zu Übergriffen kommen kann), das Trennungsjahr abzuwarten.

Dieses beurteilen die Familiengerichte unterschiedlich, so dass insoweit keine verlässliche Prognose erstellt werden kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwältin
Sylvia True-Bohle

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