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griechische Erbfolge und Erbrecht


20.12.2005 08:42 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA



Hallo,
meine Situation: Mein Vater und meine Mutter haben in Deutschland ein Grundstück erworben. Nun ist mein Vater verstorben, meine Mutter wieder zurück nach Griechenland gezogen. Ich habe mit meiner Mutter und meinen zwei Brüdern ausgemacht, dass ich das Grundstück überschrieben bekomme. Nun war ich bei einem Notar in unserer Stadt, der die griechische Erbfolge nicht kennt. Wie lautet diese nun, und was muss ich beachten? Was ist anders an dem griechischen Erbrecht?

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Sehr geehrter Ratsuchender,

Ihre Anfrage beantworte ich wie folgt:

1. Gemäß Art 28 ZGB richten sich die erbrechtlichen Verhältnisse nach dem Recht des Staates, dem der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes angehört. Insoweit gehe ich davon aus, dass Ihr Vater Grieche war und somit griechisches Erbrecht Anwendung findet.

Hinsichtlich der Vererbung besteht, wie auch im deutschen Recht die Möglichkeit, dass Ihr Vater

- ein Testament errichtet hat,
- für einzelne Gegenstände (z.B. das Grundstück) eine Verfügung
von Todes wegen getroffen hat oder
- keine Regelung getroffen hat.

Im letzten Fall richtet sich die erbrechtlichen Verhältnisse nach griechischem Erbrecht.

Soweit ein Testament geschlossen wurde, gilt hier die Besonderheit, dass gemeinschaftliche Testament (z.B. bei Ehegatten) nach Art. 1717 ZGB unwirksam sind. D.h. ein nach deutschen recht wirksames gemeinschaftliche Testament ist nach griechischem Recht unwirksam.

Hinsichtlich einzelner Vermögenswerte richtet sich der Erwerb und die Ausschlagung der Erbschaft nach griechischem Recht, der Besitz und die Übertragung eines Grundstückes nach deutschem Recht. D.h. die Erbfolge und die Ausstellung des Erbscheines richten sich nach griechischem Erbrecht, die Übertragung (von Miteigentumsanteilen) der Immobilie nach deutschem Recht.

2. Der griechische Richter ist auch für die Vererbung von außerhalb Griechenlands befindlicher Erbschaftsgegenstände zuständig.

3. Hinsichtlich der Ordnung/Erbfolge im griechischen Recht gibt es wie im deutschen Recht 5 Ordnungen. Danach wird der Erblasser in der 1. Ordnung von seinen Abkömmlingen beerbt. Der überlebende Ehegatte erbt neben den Abkömmlingen der 1. Ordnung ohne Rücksicht auf die Zahl der Abkömmlinge zu ¼ (ein Viertel). Zudem erhält der Ehegatte als Voraus die zum Haushalt gehörenden Gegenstände (Art. 1820 ZGB).

Eine große Besonderheit, die insbesondere für Ihren Fall wichtig ist, ist dass nicht wie im deutschen Recht eine Gesamthandsgemeinschaft am gesamten Erbe entsteht, sondern eine Bruchteilsgemeinschaft an den Nachlassgegenständen (Art. 1884 ZGB).

D.h. die Erben haben entsprechend ihre Erbquote jeweils einen Bruchteil an den einzelnen Nachlassgegenständen und bilden keine Miterbengemeinschaft am gesamten Nachlaß.

Jeder Miterbe ist dann berechtigt, sowohl über seine Erbquote als auch über seinen Anteil an den einzelnen Nachlassgegenständen zu verfügen. (Art. 1886 ZGB)

Auf Ihren Fall übertragen bedeutet dies, dass die Miterben Ihren Anteil an der in Deutschland belegenen Immobilie übertragen müssen, damit Sie Alleineigentümer werden. Soweit nur Ihre Mutter Miterbin ist und es keine weiteren Erben (Kinder Ihres Vaters) vorhanden sind, kann ihre Mutter ihren Bruchteil an der Immobilie an Sie übertragen. Hierfür ist dann ein notarieller Vertrag nach deutschem Recht erforderlich.

Vorher hat aber der griechische Richter über die Erbangelegenheit zu befinden und wird dann entsprechende Erbscheine ausstellen. Im Anschluß kann dann die Übertragung des Anteils ihrer Mutter an der Immobilie auf Sie erfolgen. Zur Vereinfachung für den deutschen Notar sollten Sie sich nach Ausfertigung des Erbscheines durch das griechische Gericht eine beglaubigte Übersetzung des Erbscheines anfertigen lassen.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen für die Erbschaftssache helfen und stehe im Rahmen der Nachfragefunktion gerne zur Verfügung.


Mit besten Grüßen

RA Schröter
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