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fristlose Kündigung Azubi?


12.05.2006 14:18 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht



Mein Sohn fehlt seit 3 oder 4 Wochen in der Lehre, da er Probleme mit Kollegen hat. Für eine Woche davon hat er eine Arbeitsbefreiung. Jetzt fliegt alles auf, die Sekretärin meinte, wenn er keine Krankenscheine hat, bekommt er die fristlose Kündigung. Nun hatte er keine vollständigen Krankenscheine und schwindelte, die anderen Scheine reicht er nach. Aber er wird um die Wahrheit nicht herum kommen. Bis jetzt steht eine Abmahnung im Raum, weil er sich zwar telefonisch krank gemeldet hatte, aber keine Krankenscheine eingereicht. Wie auch, wenn er keine hatte, außer für eine Woche.
Mein Sohn hat bei seinem Problem mit den Kollegen einfach den Kopf in den Sand gesteckt und nun ist das Problem riesengroß geworden.
Die Lehre ist in einer Firma, wo es Betriebsrat usw. gibt. Er hat die Lehre außerhalb von zu Hause, also auch noch eine eigene Wohnung, wodurch wir es in der Familie nicht mitbekommen haben.
Was ist noch zu retten? Wie ist die Rechtslage? Er ist nicht in der Gewerkschaft, aber ich denke, noch über unsere Rechtschutzversicherung abgesichert.

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Guten Tag,

das ist wirklich eine sehr ernste Situation. Der Arbeitgeber ist berechtigt, das Ausbildungsverhältnis fristlos zu kündigen, wenn hierfür ein wichtiger Grund besteht. Ich habe eigentlich anhand Ihrer Schilderung keinen Zweifel daran, daß eine fristlose Kündigung begründet wäre. Wenn Ihr Sohn, aus welchem Grund auch immer, sich telefonisch krankmeldet, ohne krank zu sein, noch dazu für einen derartig langen Zeitraum, rechtfertigt dies eine fristlose Kündigung.

Ihr Sohn sollte deshalb jetzt die Flucht nach vorne antreten. Er sollte gegenüber dem Arbeitgeber mit offenen Karten spielen und in einem persönlichen Gespräch die Gründe für sein Verhalten darlegen. GGf. sollte Ihr Sohn auch den Betriebsrat einschalten, um die eigentlichen Ursachen für sein Fernbleiben in den Griff zu bekommen. In einem derartigen Verhalten sehe ich noch am ehesten die Möglichkeit, daß Ihr Sohn ohne eine Kündigung aus der Angelegenheit herauskommt.

Ich hoffe, ich habe Ihnen weitergeholfen. Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Esenser Straße 19
26603 Aurich
Tel. 04941 60 53 47
Fax 04941 60 53 48
e-mail: info@fachanwalt-aurich.de

Nachfrage vom Fragesteller 12.05.2006 | 17:07

Soweit so schlecht. Ich werde nun mit zur Arbeit fahren und als seelischer Bestand für meinen Sohn da sein und das psychische Tief erklären. Mein Sohn war bis Weihnachten letzten Jahres ernsthaft 9 Wochen krank (OP mit Komplikationen - Lebensgefahr) und versäumte Einiges und konnte so auch die Zwischenprüfung nicht mit abschließen, sie wurde um ein Jahr verschoben. Seit der Krankheit kam er nicht wieder richtig in Tritt. Notfalls macht es sicher noch Sinn, die fristlose Kündigung in einen Aufhebungsvertrag zu ändern für weitere Lehrstellensuche?
Ich habe aber noch gefunden, daß die Sache bei Azubi anders ist als bei normalen Arbeitnehmer, zuvor müssen alle erzieherischen Maßnahmen ausgenutzt werden. Mein Sohn hat noch keine Abmahnung. Hier ist der Text: In Anlehnung an die Definition in § 626 Abs. 1 BGB ist ein wichtiger Grund immer dann gegeben, wenn Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände, des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Berufsausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit nicht mehr zugemutet werden kann. Ein wichtiger Grund besteht bei erheblichen Vertragsverletzungen, wozu ein einzelner Akt wie auch ein dauerhaftes Verhalten zählen kann. Bei der Beurteilung des wichtigen Grundes kann nicht von den Maßstäben ausgegangen werden, die bei einem Arbeitsverhältnis eines erwachsenen Arbeitnehmers anzulehnen sind. Vielmehr muss der Zweck des Berufsausbildungsverhältnisses, nämlich die Ausbildung des Auszubildenden, in erster Linie berücksichtigt werden. Nicht jeder Vorfall, der zur Kündigung eines Arbeitnehmers berechtigt, kann als wichtiger Grund zur fristlosen Entlassung eines Auszubildenden dienen. Es sollte vornehmlich darauf abgestellt werden, inwieweit eine Verfehlung einer der Parteien die Fortsetzung des Berufsausbildungsvertrages von dessen Sinn und Zweck her unzumutbar macht. Dabei sind die Interessen der beiden Vertragspartner gegenüberzustellen und gegeneinander abzuwägen. Insbesondere gewinnen die Interessen des Auszubildenden in dem Ausmaß an Bedeutung, wie das Berufsausbildungsverhältnis fortschreitet. Daneben sind an das Vorliegen eines wichtigen Grundes strengere Anforderungen zu stellen, weil es sich beim Auszubildenden in der Regel um einen in der geistigen, charakterlichen und körperlichen Entwicklung befindlichen Jugendlichen handelt. Demnach können Pflichtverletzungen und Fehlverhalten nicht zur fristlosen Kündigung berechtigen, solange der Ausbildende nicht alle ihm zur Verfügung stehenden und zumutbaren Erziehungsmittel erschöpfend angewendet hat. Erst nach dem Scheitern aller möglichen pädagogischen Maßnahmen sowie der erfolglosen Einschaltung des gesetzlichen Vertreters kommt eine fristlose Kündigung als ultima ratio in Frage (vgl. Weigand, 5. Aufl., § 14, § 15 BBiG, RdZiff. 45, RdZitf. 46 m. w. N).
Es ist die erste Lehre meines Sohnes, weit von zu Hause weg und mein Sohn ist am Ende des 2. Lehrjahres (fortgeschrittene Lehre?).
Wenn alles nichts fruchtet, wie legt man dann Rechtsmittel ein?
Natürlich fahre ich erst mal mit hin und leg mich mit in die Waagschale und bitte und bettle. Aber man sollte schon wissen, was man noch alles tun kann. Es ist wirklich ein Großbetrieb, was mir noch etwas Hoffnung macht, denn Zumutung der Fortsetzung der Ausbildung im Großbetrieb ist sicher anders. Sie haben sogar eine große Ausbildungsabteilung.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 13.05.2006 | 11:27

Guten Morgen,

die soziale Rechtfertigung einer Kündigung ist immer eine Ermessensabwägung. Wenn der Arbeitgeber tatsächlich eine fristlose Kündigung aussprechen sollte, haben Sie die Möglichkeit, binnen drei Wochen Kündigungsschutzklage einreichen. Möglicherweise besteht auch die Möglichkeit, binnen gleicher Frist eine Schlichtungsstelle bei der IHK oder der Handwerkskammer anzurufen. Dies hängt von der Art des Ausbildungsverhältnisses und des ausbildenden Betriebes ab, die ich Ihrer Schilderung nicht entnehmen konnte. Kontaktieren Sie mich gerne per e-mail, wenn tatsächlich eine Kündigung ausgesprochen werden sollte.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Weiß

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