Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

fragwürdige fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses wegen Fernbleiben

24.06.2010 16:21 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Sachverhalt:

Ich und viele Kollegen sind u.a. wegen der Kolerika eines Chefs sehr unzufrieden in der Firma.
Da ich deshalb sehr nahe am Nervenzusammenbruch war, schrieb ich am Sonntag eine E-Mail an meine Chefs, in der ich erklärte, dass ich unzufrieden bin, nervlich am Ende, Ruhe brauche und deshalb die kommende Woche (5 Tage) nicht arbeiten kommen kann.
Da ich Ruhe brauchte, hatte ich auch das Handy ausgeschaltet.
Am Dienstag erhielt ich eine Email, in der mir bis Mittwochabend Zeit gegeben wurde, mich zu melden, und angeboten wurde, mit ihm einen Kaffee zu trinken. Falls ich das nicht machen würde, Zitat: „dann gehe ich davon aus, dass dein Email eine fristlose Kündigung war mit allen Konsequenzen für beide Parteien".

Daraufhin antwortete ich am Mittwochnachmittag, dass ich erneut bei meiner Ärztin war, sie auch der Meinung ist, ich brauche Ruhe, ich krankgeschrieben bin (von Mi-einschl. Fr.) und ich gerne bereit bin, Anfang nächster Woche mit ihm zu reden.
2 Stunden später erhielt ich (per Email) die fristlose Kündigung wegen Arbeitsverweigerung. Zitat: „aufgrund Ihres an den Tag gelegten Verhaltens sehen wir das Vertrauensverhältnis zwischen unseren Parteien als zerrüttet. Da uns bis Dienstag 18 Uhr keine Krankmeldung vorgelegen hat, sind Sie unbegründet und unentschuldigt von der Arbeit ferngeblieben. Nach Rücksprache mit unserem Justiziar handelt es sich bei Ihrer Entschuldigungsemail um keine Krankmeldung."

Es sei vielleicht noch erwähnt, dass ich 40 Überstunden habe, keinen Sommerurlaub und erst 4 Tage Urlaub hatte.


Meine Fragen:
a) Ist die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber hier gerechtfertigt (ich hatte ja Bescheid gegeben, dass ich die Woche nicht kommen werde)?
b) War meine 1. Email keine „Entschuldigung" für das Fernbleiben der Arbeit?
c) Hätte ich erst eine Abmahnung bekommen müssen?
d) stimmt es, dass man bei 2 Krankheitstagen nicht zwingend eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigt?




Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich Ihnen aufgrund des geschilderten Sachverhalts und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt beantworte:

Ist die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber hier gerechtfertigt (ich hatte ja Bescheid gegeben, dass ich die Woche nicht kommen werde)?

Eine fristlose Kündigung ist bei unentschuldigtem Fehlen grundsätzlich nur dann ohne vorherige Abmahnung gerechtfertigt, wenn das unentschuldigte Fehlen trotz Abmahnung wiederholt vorkommt. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer dann mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Hier ist jedoch davon auszugehen, dass ein unentschuldigtes Fehlen gar nicht vorlag, da Sie dem Arbeitgeber per E-Mail mitgeteilt haben, diese Woche nicht zu arbeiten und Sie auch die Gründe dafür genannt haben. Da mir der genaue Wortlaut Ihrer E-Mail nicht bekannt ist, ist es natürlich schwer zu beurteilen, ob Sie sich tatsächlich krank gemeldet haben oder ob Sie nur angekündigt haben, dass Sie krank sein werden. Hier wird es darauf ankommen, wie ein objektiver Empfänger aus Sicht des Arbeitgebers die E-Mail verstehen durfte. Mir war z.B. beim ersten Durchlesen des Textes nicht sofort klar, dass Sie sich arbeitsunfähig melden wollten. Natürlich ist aber auch eine Auslegung dahin möglich, dass Sie Ihre Arbeitsunfähigkeit angezeigt haben. Sollte man den Text als Ankündigung einer Krankheit verstehen, kann dies grundsätzlich eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Allerdings besteht kein Rechtfertigungsgrund für eine fristlose Kündigung, wenn die Möglichkeit besteht, dass der Mitarbeiter tatsächlich erkrankt ist (LAG Köln, Urteil vom 26.02.1999, Aktenzeichen: 11 Sa 1216/98 ).

War meine 1. Email keine „Entschuldigung" für das Fernbleiben der Arbeit?

Es besteht die Pflicht, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen, § 5 I 1 EFZG . Ob Sie dies mit der E-Mail getan haben, kann man durchaus anzweifeln. Es kommt darauf an, wie man die E-Mail aus Sicht eines objektiven Empfängers verstehen durfte.

Hätte ich erst eine Abmahnung bekommen müssen?

s.o.

stimmt es, dass man bei 2 Krankheitstagen nicht zwingend eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigt?

Dies ist grundsätzlich richtig. Das Gesetz verlangt in § 5 I 2 EFZG erst ab dem 4. Tag der Arbeitsunfähigkeit die Vorlage einer AU-Bescheinigung. Tarif- oder arbeitsvertraglich kann die Vorlage jedoch bereits am 1. Tag der Arbeitsunfähigkeit verlangt werden. Hierzu sollten Sie einmal Ihren Arbeitsvertrag durchsehen.

Zusammenfassend kann ich Sie aber beruhigen: Unabhängig von den vorstehenden Ausführungen ist eine Kündigung per E-Mail unwirksam, da alle Kündigungen der Schriftform bedürfen, § 623 BGB . Die Schriftform wird mittels E-Mail nicht gewahrt. Eine schriftliche Wiederholung der Kündigungserklärung durch den Arbeitgeber wäre jedoch möglich, vorliegend müsste dies aber innerhalb der 2-Wochen-Frist nach Bekanntwerden des wichtigen Grunds für eine außerordentliche Kündigung erfolgen. Sollten Sie die Kündigungserklärung in den nächsten Tagen noch schriftlich erhalten, ist es empfehlenswert hiergegen Kündigungsschutzklage nach den §§ 4,7 KSchG zu erheben. Bitte beachten Sie, dass eine Klage innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung erhoben werden muss, da die Kündigung ansonsten als wirksam gilt. Insgesamt sehe ich die Chancen, dass eine (noch zu erfolgende schriftliche) fristlose Kündigung vorliegend von einem Gericht als gerechtfertigt angesehen wird, hier nicht besonders hoch an.

Ich hoffe, dass ich Ihnen zunächst weiterhelfen konnte.

Marion Deinzer
Rechtsanwältin

---------------------------------------------------------------------------------------------------
Bitte nutzen Sie bei Unklarheiten die kostenlose Nachfragefunktion. Wenn Sie eine weitere Vertretung über die hier erteilte Erstberatung hinaus wünschen, bitte ich Sie, mich zunächst per E-Mail zu kontaktieren.

Ich weise Sie darauf hin, dass diese Plattform lediglich zur ersten rechtlichen Orientierung dient und eine ausführliche Rechtsberatung nicht ersetzen kann. Es ist nur eine überschlägige Einschätzung Ihres Rechtsproblems aufgrund Ihrer Angaben zum Sachverhalt möglich. Durch Hinzufügen oder Weglassen von Angaben zum Sachverhalt kann sich eine abweichende rechtliche Bewertung ergeben.

Rückfrage vom Fragesteller 25.06.2010 | 13:00

Sehr geehrte Frau Deinzer,

vielen Dank für Ihre rasche und hilfreiche Antwort.

##Da mir der genaue Wortlaut Ihrer E-Mail nicht bekannt ist, ist es natürlich schwer zu beurteilen, ob Sie sich tatsächlich krank gemeldet haben oder ob Sie nur angekündigt haben, dass Sie krank sein werden.##

--> aus meiner ersten Email:
"(...)es tut mir leid, aber leider kann ich diese Woche nicht arbeiten kommen.(...)"

Ich ging außerdem noch auf meine Beschwerden (z.B.dass ich es als alarmierendes Zeichen deute, wenn ich mir Kleinigkeiten nicht mehr merken kann) und meine Unzufriedenheit ein.


Und kann die Email des Chefs also als Abmahnung gedeutet werden?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 25.06.2010 | 13:18

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Wenn Sie in Ihrer E-Mail tatsächlich Beschwerden zu Ihrem Gesundheitszustand geschildert haben, dann kann man diese E-Mail durchaus als Anzeige der Arbeitsunfähigkeit verstehen.

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, eine Kündigung, die aus formellen Gründen unwirksam ist in eine Abmahnung umzudeuten, wenn der Sachverhalt feststeht. Eine andere Frage wäre dann, ob die Abmahnung an sich wirksam wäre. Die pauschale Formulierung "aufgrund des an Tag gelegten Verhaltens" reicht im Allgemeinen nicht aus, um den Sachverhalt, aufgrund dessen die Abmahung etfolgte, konkret darzulegen. Letzteres ist aber Voraussetzung für die Wirksamkeit einer Abmahnung.

Mit freundlichen Grüßen,

Marion Deinzer
Rechtsanwältin

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 78896 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Sehr schnelle und kompetente Beratung. Empfehlenswert. ☆☆☆☆☆ ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ich bin mit dem Ergebnis erstmal zufrieden. Meine Frage und Nachfrage wurden ausführlich beantwortet. Ich hatte das Gefühl das sich Frau RA v. Dorrien viel Mühe gegeben hat um mir weiterzuhelfen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Mit der Antwort auf meine Nachfrage war meine Frage vollumfänglich beantwortet. Ich habe nun Klarheit über die aktuelle Rechtslage und mehr Sichherheit in Bezug auf mein weiteres Vorgehen. ...
FRAGESTELLER