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Alter Chef degradiert, neues Chef eine Stufe darunter, neue Aufgaben

| 25.04.2010 01:07 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Guten Tag,

folgender Sachverhalt.
Ich bin seit 14 Jahren im Unternehmen tätig.
Von 2005-2006 war ich Vertriebsassistentin
Aufgaben:
- Unterstützung des Regionalleiters bei allen administrativen Bereichen
- Ansprechpartner für Kunden
- Organisation von Kundenveranstaltungen

2006 wurde mein Chef zum Fachbereichsleiter Vertrieb (2. Ebene) befördert blieb aber auch Regionalleiter (3. Ebene), ich blieb sein Assistentin.
Ich bekam eine neue Stellenbeschreibung mit folgenden Aufgaben:
• Unterstützung GF-Sekretariate
• Terminkoordination und -überwachung
• Aufgabenkoordination und -überwachung
• Korrespondenz
• Reisekosten, Reiseplanung
• Office-Management
• Vorbereitende Buchführung (z. B. Kontierung/Kontrolle von Eingangsrechnungen)
• Organisatorische Unterstützung des Managements
• Vertragsverwaltung
• Koordination, Organisation und Durchführung von Meetings, Konferenzen, Kundenbesuchen
• Protokollführung
und bin seitdem Assistentin im Team Sekretariat und direkt der Fachbereichsleitung Vertrieb unterstellt. Ich bekam mehr Kompetenzen (Personalkontodatenzugriff, Abzeichnen von Rechnungen, Weisungsbefugnis etc.) und führte in meiner Signatur den Titel "Assistenz Fachbereich Vertrieb".
Zusätzlich gestattete mir mein Chef als eine Art Lohnerhöhung künftig grösstenteils im Homeoffice zu arbeiten. Das praktizierte ich dann auch so. Leider habe ich das aber nicht schriftlich sondern nur mündlich mit ihm vereinbart.

Mitte 2009 dann eine Fusion 50/50. Die Gegenseite übernimmt den ganzen Bereich Vertrieb.
Ohne vorher mit uns gesprochen zu haben, erhielten wir und gleichzeitg alle MA der Firma das neue Organigramm. Mein Chef war nun nur noch Regionalleiter.
Der Fachbereich Vertrieb war "abgeschafft" und es gab einen Bereich Vertrieb, der von jemanden anderen besetzt wurde. Keiner hat vorher mit meinem Chef gesprochen. Trotz mehrmaliger Anfragen wurden Gespräche mit meinem Chef und der GF rausgezögert und verschoben. Und so haben wir fast ein halbes Jahr nichts mehr gearbeitet. Sein Vertrag wurde auch nicht geändert.
Im Januar hat mein Chef dann die Kündigung erhalten, er reichte Kündigungschutzklage ein und bekam einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung.
Im Februar stellte sich ein Regionalleiter als mein neuer Chef vor. Es sagt ich darf nicht mehr im Homeoffice arbeiten und solle in Zukunft für ihn Angebote schreiben (das machte ich bislang für meinen alten Chef nicht, da er ja Vertriebsleiter war und keine eigenen Kunden Angebote schicken musste). Außerdem schikanierte mich der Neue... Alles was ich früher so gemacht habe, mache inzwischen nicht mehr, da ich ja seit der Fusion ausgegrenzt wurde und keine Arbeit mehr bekam.

Nun meine Fragen:

Ist der Regionalleiter überhaupt mein neuer Vorgesetzter?
Muss ich mein Homeoffice aufgeben?
Können mir einfach meine Kompetenzen der Assistenz für Fachbereich Vertrieb entzogen werden und muss ich nun Angebote schrieben?

Da die Stimmung im Unternehmen mittlerweile so schlecht ist, denke ich auch darüber nach das Unternehmen zu verlassen. Soll ich kündigen? Oder muss die Firma kündigen?

Sehr geehrter Fragesteller,

ich möchte Ihre Frage anhand des geschilderten Sachverhaltes und der Auslobung des Einsatzes wie folgt beantworten:

Da Sie von Beginn Ihrer Tätigkeit an entsprechend Ihrer Schilderung dem Regionalleiter jeweils unterstellt waren und dies jetzt auch noch sind, wird natürlich auch Ihr neuer Regionalleiter als Ihr Chef anzusehen sein. Ihr Arbeitsverhältnis ist offensichtlich dahingehend geprägt, als dass Sie in erster Linie zur Unterstützung des Regionalleiters im administrativen Bereich tätig sind und vertraglich tätig sein sollen. Insoweit müssen Sie davon ausgehen, dass Sie entsprechend der Ausgestaltung Ihres Vertrages diesem unabhängig von der Person des jeweiligen Regionalleiters unterstellt sind, so dass im Ergebnis dieser natürlich auch jetzt weiterhin Ihr (neuer) Vorgesetzter ist bzw. bleibt.

Als Arbeitnehmer sind Sie grundsätzlich Ihrem Chef gegenüber weisungsgebunden, so dass ich davon ausgehen muss, dass in Einklang mit den vertraglichen Regelungen Ihres Arbeitsvertrages auch Ihnen gegenüber die Möglichkeit der Ausübung des so genannten Delegationsrechts besteht. Das heißt, Sie können sicher seitens des Arbeitsgebers jederzeit ortsmäßig versetzt werden, soweit die Ausübung Ihrer vertraglich festgelegten Tätigkeit beibehalten wird. Folglich kann Ihnen der neue Chef auch das früher gewährte Homeoffice wieder entziehen und Ihnen quasi einen anderen, hier den ursprünglichen Arbeitsort zuweisen. Einen Anspruch auf Beibehaltung des Homeoffice aus betrieblicher Übung oder Vertrag wird man demgegenüber nicht annehmen können, zumal Ihre jeweiligen Einsatzorte und –arten einzelfallbezogene Entscheidungen sind und von Ihren Vorgesetzen rechtmäßig festgelegt werden können. Insoweit gehe ich entsprechend Ihrer Schilderung davon aus, dass auch ein eventuell möglicher Weg über eine Auslegung als Änderungskündigung nicht als erfolgsversprechend angesehen werden kann.

Für die von Ihnen erwähnte „Kompetenzentziehung“ gilt dies in ähnlicher Form. Maßgeblich ist insoweit, was in Ihrem Vertrag als Tätigkeitsschwerpunkt festgelegt wurde bzw. für welche Arbeiten Sie konkret eingestellt wurden. Entsprechend Ihrer Schilderung und mangels genauer Kenntnis der einzelnen Regelungen Ihres Arbeitsvertrages gehe ich davon aus, dass Sie rein administrativ zur Unterstützung des Vertriebs und des Regionalleiters eingestellt sind ohne dass die Art und Weise Ihrer einzelnen Tätigkeiten genau festgelegt ist. Insoweit haben Sie die Ihnen obliegende administrative Unterstützung entsprechend Ihrer Schilderung auch durchweg so ausgeübt, wobei die konkrete, sich geänderte Festlegung Ihrer einzelnen Tätigkeitsarten wiederum dem Delegationsrecht des Arbeitgebers unterliegen dürfte. Nur dann, wenn in Ihrem Vertrag konkrete Festlegungen zur Art Ihrer Tätigkeit in der ursprünglichen Form enthalten sind, könnte man die erfolgten Wechsel eventuell als Änderung Ihrer Arbeitsbedingungen und damit als Änderungskündigung ansehen und entsprechend angreifen. Selbst wenn dies sogar der Fall sein sollte, würde aber eine darauf basierende Kündigungsschutzklage mit dem Ziel der Wiederherstellung Ihrer ursprünglichen Arbeitsbedingungen bzw. Kompetenzen inzwischen wegen bereits eingetretener Verfristung nicht mehr zum Erfolg führen. Folglich werden Sie wohl (leider) auch an der aktuellen Tätigkeitsart bzw. dem Schreiben von Angeboten inzwischen nichts mehr ändern können.

Die Entscheidung, ob Sie die Firma verlasen und insoweit eine Eigenkündigung aussprechen wollen, müssen Sie letztlich selbst treffen. Hier kann ich Ihnen auch keinen konkreten Rat erteilen, in jedem Fall kann natürlich eine Kündigung aber auch immer von Ihnen selbst ausgehen. Der Nachteil besteht lediglich darin, dass Sie bei einer Eigenkündigung in jedem Fall einer Sperrzeit seitens des Arbeitsamtes unterliegen würden. Bei einer anderenfalls vom Arbeitgeber ausgehenden Kündigung wäre dies hingegen nicht der Fall. Es gibt aber natürlich keine gesetzliche Regelung dahingehend, dass Sie die Firma kündigen muss. Vielmehr steht es auch dieser frei, Sie weiterhin zu den aktuellen Bedingungen weiterzubeschäftigen. Wenn Sie also die Firma verlassen wollen, empfiehlt es sich, mit Ihrem Chef möglichst dahingehend übereinzukommen, dass dieser Ihnen kündigt, anderenfalls besteht daneben natürlich noch die Möglichkeit des Abschlusses eines Aufhebungsvertrages. Dies ist und bleibt im Ergebnis aber letztlich alles Verhandlungssache.

Bitte beachten Sie, dass es sich bei dieser Online-Beratung lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung auf Grund der von Ihnen geschilderten Sachverhaltsumstände handelt. Eine persönliche Beratung/Vertretung kann hierdurch nicht ersetzt werden. Das Weglassen oder Hinzufügen von Umständen kann die rechtliche Beurteilung nicht nur unerheblich verändern.

Abschließend hoffe ich, Ihnen weitergeholfen zu haben und würde mich über eine positive Bewertung durch Sie freuen.

Mit freundlichen Grüßen


Thomas Joschko
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 25.04.2010 | 10:49

Sehr geehrter Herr Joschko,

zunächst vielen Dank für Ihre Antwort.

Ich habe noch eine Nachfrage zu meinem Vorgesetzten.
In meiner letzten Stellenbeschreibung steht als direkter Vorgesetzter:

Fachbereichsleiter Vertrieb (2. Ebene)

Also nicht mehr wie im ursprgl. Vertrag Regionalleiter (3 Ebene) und ich war ja faktisch auch die letzen 3 Jahre als Assistentin der Fachbereichsleitung tätig. Ist die Stellenbeschreibung hier nicht maßgeblich?
Diese Frage ist für meine weitere Strategie sehr wichtig!

Der Zuweisung des neuen Arbeitsort und dem Angebote schreiben habe ich vorsorglich sofort schriftlich widersprochen.

Es wäre sehr nett, wenn Sie auf obige Frage noch beantworten können.

Viele Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.04.2010 | 11:19

Sehr geehrter Fragesteller,

soweit Ihr Vertrag im Einklang mit der Stellenausschreibung und den tatsächlichen Abläufen in den letzten 3 Jahren vorsieht, dass Sie direkt dem Fachbereichsleiter Vertrieb unterstellt und damit diesem gegenüber weisungsgebunden sind, ist selbstverständlich dies für Sie auch maßgeblich.

Mit freundlichen Grüßen

RA Thomas Joschko

Bewertung des Fragestellers 25.04.2010 | 11:25

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