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Habe ich da jetzt noch was zu erwarten bei Ladendiebstahl und ?

20.09.2009 10:59 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Guten Tag!
Ich war vergangene Woche in einem Textilladen und wollte eine Hose kaufen. Ich probierte ein paar an und entschied mich für eine. Da ich mit dem Zweirad unterwegs war hatte ich zeimlich viel Gepäck dabei. (Helm Rucksack und noch eine Tasche) Ich steckte die Hose die ich kaufen wollte in meinen Rucksack da ich die Hände voll hatte. Da kam schon die Verkäuferin und rief direkt einen Kollegen. Ich hatte ihnen mehrmals erklärt dass ich die Hose kaufen wollte. Aber ihnen war es egal. Sie ruften die Polizei. Dann machte der eine Verkäufer mit seinem Handy von der seite ein Bild von mir. Ich hatte aber meine Hand vor dem Gesicht. Mir war das alles echt zu blöd. Ich rannte weg. Personalien hatte keiner von mir. Mir rannte auch keiner hinterher. Jetzt habe ich bedenken, dass einer der Verkäufer mein Nummernschild gesehen hat und sie somit an mich heran kommen. Das Zweirad ist aber nich auf mich sondern auf meine Mutter zugelassen. Habe ich da jetzt noch was zu erwarten??

Vielen Dank schon einmal für Ihre Hilfe!

Sehr geehrte(r) Rechtssuchende(r),

Ihre Anfrage möchte ich anhand Ihrer Sachverhaltsdarstellung wie folgt beantworten und vorab darauf hinweisen, dass dieses Forum nur geeignet ist, einen groben Abriss über die rechtliche Lage zu erteilen und kein tiefgründiges Mandantengespräch ersetzen kann, insbesondere das Weglassen wesentlicher Angaben kann das Ergebnis der Beantwortung beeinflussen.

Ein weiteres Vorgehen gegen Sie würde zunächst voraussetzen, dass Sie sich strafbar gemacht haben. Soweit Sie schildern eine Hose anprobiert und anschließend in den Rucksack gesteckt zu haben, so ist leider unter Gesamtabwägung der hier gegeben Sachverhaltsangaben zu würdigen, dass der objektive Tatbestand des Diebstahls, §242 StGB, erfüllt wurde. Durch das Einstecken der Hose in den Rucksack noch im Geschäft haben Sie nach herrschender Meinung die Sache als fremde bewegliche Sache dem Berechtigten weggenommen, in dem Sie fremden Gewahrsam gebrochen und neuen, vorliegend eigenen Gewahrsam begründet haben. Bei handlichen, leicht transportablen Gegenständen wie einer Hose wird nach der Verkehrsauffassung in der Regel auch innerhalb des fremden Herrschaftsbereiches, vorliegend dem Kaufhaus, bereits dann neuer Gewahrsam begründet, wenn die Sache ergriffen und in eine Tasche verbracht wird. Zur Begründung wird hierbei ausgeführt, dass es dem eigentlich Berechtigten damit nicht mehr möglich ist, auf die Sache zu zugreifen ohne in die Körpersphäre eines Menschen, dem Täter, einzugreifen oder aber ohne Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Bereits in diesem Zeitpunkt, als Sie also die Hose in Ihre Tasche gesteckt haben, haben Sie bereits den Straftatbestand des Diebstahls vollendet.
Teilweise wird hierbei sogar ein Sicherungsbetrug angenommen, wenn der Täter an der Kasse vortäuscht keine Gegenstände weiter zu haben. Bei Ihnen würde hinsichtlich eines Betruges maximal ein Versuch in Frage kommen, da Sie wohl gar nicht erst bis zur Kasse gekommen sind.

Der objektive Tatbestand ist also erfüllt. Fraglich könnte jedoch sein, inwieweit auch der subjektive Tatbestand durch Sie verwirklicht wurde. Subjektiv wäre erforderlich, dass Sie hinsichtlich der Wegnahme vorsätzlich und in der Absicht gehandelt haben, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zu zueignen. Der bedingte Vorsatz muss sich auf die Wegnahme beziehen. Der bedingte Vorsatz liegt bereits dann vor, wenn der Täter den Taterfolg, also die Wegnahme, für ernsthaft möglich hält und dies billigend in Kauf nimmt. Hierbei ist auszuführen, dass es allgemeinen Lebensgrundsätzen entspricht, dass ein potentieller Käufer zunächst die Ware bezahlt und dann erst in die Tasche steckt. Dies ist einem verständigen Menschen auch ersichtlich. Insoweit kann man durch aus den Vorsatz hinsichtlich der Wegnahme der Hosen durch Einstecken in Ihre Tasche erkennen.
Soweit Sie jedoch schildern, dies nur getan zu haben, da Sie die Hände weitestgehend voll hatten, so wäre allenfalls die Zueignungsabsicht fraglich. Hier wird es aber darauf ankommen, inwieweit Ihre Einlassung als glaubwürdig anzusehen ist oder aber eine bloße Schutzbehauptung darstellt. Erfahrungsgemäß ist hierbei auszuführen, dass Ihnen solch ein Einwand im Zweifel nicht geglaubt werden wird. Die Strafverfolgungsbehörden werden diese Einlassung als Schutzbehauptung zurückweisen. Sie hätten die Hose beispielsweise über den Arm legen und so zur Kasse gehen können oder aber Ihren Helm in den Rucksack geben und diesen auf den Rücken setzen können. Negativ ist selbstverständlich auch, dass Sie weggerannt sind. Insoweit ist davon auszugehen, dass Ihr Einwand den subjektiven Tatbestand nicht beseitigen würde und dieser erfüllt wäre, so dass eine Strafbarkeit wegen Diebstahls in Betracht kommt.

Soweit Ihre Personalien noch nicht festgestellt wurden, ist fraglich inwieweit die Ermittlungsbehörden weiter ermitteln. Diese sind bei Vorliegens eines Anfangsverdachtes dazu verpflichtet und würden notfalls auch über das zugelassene Zweirad ermitteln. Ihrer Mutter stünde dann aber ein Zeugnisverweigerungsrecht zu und Sie müsste keine Angaben machen. Dies würde jedoch dazu führen, dass der Kreis der möglichen Täter eingeschränkt wird. Ihre Mutter hätte nur ein Zeugnisverweigerungsrecht, wenn Sie sich selbst belasten würde oder sich bei dem Täter um einen Familienangehörigen handelt.

Eine pauschale Einschätzung, inwieweit weiter in der Sache ermittelt wird und Sie dann tatsächlich als Täter ermittelt werden, kann daher pauschal nicht erfolgen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber als erhöht zu beurteilen, da bei Vorliegen eines Anfangsverdachtes ein Einschreiten von Amts wegen geboten ist.

Unterstellt es wird zu einem Strafverfahren gegen Sie kommen, so sieht §242 StGB ein Strafmaß von Geldstrafe bis zu Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren vor. Soweit Sie zu dem, um das Weglaufen zu ermöglichen, Gewalt angewandt haben, würde auch ein räuberischer Diebstahl in Betracht kommen.

Sie sollten sich in jedem Fall, soweit Sie zum Beschuldigten werden, sich eines Anwalts bedienen.

Ich bedaure, Ihnen keine andere Antwort geben zu können, bitte aber zu berücksichtigen, dass meine Antwort auf einer objektiven Würdigung Ihres Sachverhaltes beruht, auch wenn dies zunächst negativ für Sie sein wird. Nur bringt Ihnen Schönrederei nicht viel.

Trotzallem hoffe ich, dass ich Ihnen zunächst behilflich sein konnte und verbleibe

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