1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Autounfall, Kind als Zeuge?

08.05.2009 23:57 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hatte einen Autounfall.
Ich bin mit einem anderen Auto kollidiert, welches einen Spurwechsel vornahm. Ich befand mich schon auf der Abbiegerspur und der andere Fahrer wechselte von der geradeaus Richtungsspur auf meine.
Ich konnte nicht mehr bremsen und so kam es zum Unfall.
Da keiner von uns sich als Verursacher fühlte wurde die Polizei angerufen.

Mein Kind (13 Jahre) befand sich in meinem PKW. Da wir einen wichtigen Arzttermin hatten, schicke ich mein Kind zu diesem Termin und wartete alleine am Unfallsort auf die Polizei.


Die Polizei kam und die Gegenseite verneinte jedliche Zeugen. Ich sagte dazu gar nichts.
Wieder zu hause rief ich bei der Polizei an und sagte ihnen, dass mein Kind beim Unfall dabei war und es nur wegen des Termines vom Unfallort entfernt hatte.

Dann informierte ich meine Versicherung und die Dame am Telefon fragte mich nach Zeugen. Ich sagte mein Kind . Dann fragte mich die Dame nach dem Alter des Kindes.
Als ich ihr sagte es ist 13 Jahre alt interessierte sie sich nicht mehr dafür.

Werden Kinder in dem Alter generell als Unfallzeugen nicht ernst genommen?
Für die Polizei war der Sachlage völlig normal. Sie wiesen mich nur auf das Zeugenverweigerungsrecht hin.

Aber wenn sie davon nicht gebrauch macht wird ihre Aussage aufgenommen.

Durch die Reaktion der Versicherung bin ich etwas verunsichert, ob sich mein Kind zum Unfall äußern soll oder nicht.

Mit freundlichen Grüßen

BarbaraS





Sehr geehrter Fragesteller,

gern möchte ich Ihre Frage anhand der von Ihnen gemachten Angaben zum Sachverhalt und unter Berücksichtigung Ihres Einsatzes wie folgt beantworten:

Ob Kinder von Sachbearbeitern der Versicherungen als Zeugen ernst genommen werden, hängt sicherlich immer ein wenig von dem jeweiligen Sachbearbeiter ab und kann insoweit nicht beantwortet werden. Der Begriff "Zeuge" ist im Grunde ein prozessrechtlicher Begriff - Zeugen sind Beweismittel in einem gerichtlichen Verfahren. Zeuge ist jeder, der in einem nicht gegen ihn gerichteten Verfahren oder in einem Verfahren, an dem er nicht als Partei beteiligt ist, Auskunft über die Wahrnehmung bestimmter Tatsachen gibt (so schon das Reichsgericht, RG 52, 289).

Personen ausserhalb eines gerichtlichen Verfahrens sind aber nicht direkt an die Einhaltung der entsprechenden zivil- oder strafprozessrechtlichen Vorschriften gebunden, da es ja gerade (noch) kein Gerichtsverfahren ist. Daher kann es schon sein, dass Kinder als Zeugen im Einzelfall von Schadenssachbearbeitern nicht ernst genug genommen werden.

Sollte sich die Angelegenheit dann aber zu einem Streitfall entwickeln und die Angelegenheit einer gerichtlichen Klärung zugeführt werden, so sind die entsprechenden Prozessordnungen zu beachten, nach denen Zeugen als Beweismittel herangezogen werden.

Danach können auch Kinder als Zeugen herangezogen werden, wenn von ihnen eine verständliche Aussage zu erwarten ist. Es gibt keine feste Altersgrenze, ab der ein Kind vernommen werden kann. Masstab ist im Einzelfall immer, ob eine verständliche Aussage erwartet werden kann. Dies dürfte bei einem dreijährigen sicherlich fragwürdig sein, bei einem 13-jährigen Kind würde ich dieses Kriterium jedoch bejahen.

Voraussetzung ist natürlich immer, dass Ihr Kind den Unfallhergang auch tatsächlich gesehen und wahrgenommen hat und nicht lediglich wiedergibt, was es von anderen Beteiligten gehört hat. Es macht also für Sie nur Sinn, Ihre Tochter aussagen zu lassen, wenn sie den Unfallhergang tatsächlich selbst wahrgenommen hat. Wenn sie diesen wahrgenommen hat und sich dieser für Sie vorteilhaft gestaltet, dann spricht aber auch nichts gegen eine Aussage.

Auf einem anderen Blatt steht natürlich – auch vor Gericht – immer die Frage der Beweiskraft einer Zeugenaussage. Der Aussage eines unabhängigen Zeugen, der kein eigenes Interesse am Ausgang eines Verfahrens hat, kommt natürlich regelmässig eine höhere Beweiskraft zu als der Aussage eines nahen Angehörigen. Dies gilt um so mehr für Kinder, die natürlich eher beeinflussbar sind oder auch ohne Beeinflussung eine für die Eltern positive Aussage treffen wollen. Das soll nicht heissen, dass nahen Angehörigen nicht geglaubt wird, aber es wird in einer solchen Situation die Aussage natürlich schon mit kritischem Auge betrachtet, um festzustellen, ob die Aussage glaubwürdig ist.

Zusammenfassend ist also zu sagen, dass Ihr Kind durchaus eine Aussage machen kann. Ob dies für Sie inhaltlich vorteilhaft ist, kann ich an dieser Stelle ohne Kenntnis der Aktenlage selbstverständlich nicht beurteilen.

Ich hoffe, Ihnen mit diesen Informationen aber eine erste Orientierung gegeben haben zu können. Es sei der Hinweis erlaubt, dass die Beratung nur anhand der von Ihnen gemachten Angaben erfolgt ist und lediglich eine erste grobe Einschätzung darstellt. Die ausführliche Beratung durch einen Rechtsanwalt vor Ort kann hierdurch nicht ersetzt werden.

Mit freundlichen Grüssen,

J. Lau
Rechtsanwältin

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 90404 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Vielen Dank, hat mir sehr gut weiter geholfen. ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Ausführliche, kompetente und schnelle Antwort, danke schön! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Äußerst kompetente, verlässliche und ausführliche Beantwortung meiner Fragen. Hat mir sehr weitergeholfen - vielen Dank! ...
FRAGESTELLER