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Interpretation eines Satzes im Arbeitszeugnis

| 07.07.2008 14:13 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


ich war von 2000 - 09/2006 bei der XXX bank beschäftigt.
man arbeitsweise wurde nie abgemahnt.
ich habe gekündigt.
mein ausgestelltes arbeitszeugnis erschien mir bis freitag ok.
bei vorstellungen wurde seitens anderer banken nie wegen dem zeugnis nachgefragt oder negative fragen gestellt.

um so mehr hat mich die folge negative interpretation eines personalberater zu folgendem satz schockiert :

"""VERTRAULICHE UND INTERNE THEMEN BEHANDELTE ER MIT DER ERFORDERLICHEN DISKRETION"""

die aussge des personalberaters war, dieser satz hätte in meinem Zeugnis nicht gestanden , wenn es tatsächlich so gewesen wäre. im umkehrschluss soll dieser satz also bedeuten, dass ich interne daten nicht mit der erforderlichen diskretion behandelt hätte !!!

meine fragen :

1. wie interpretieren sie diesen einen satz im detail

2. habe ich heute noch einige chance auf eine berichtigung.
gelten dafür 3 jahre oder nur 10 monate?

Sehr geehrter Fregesteller,

Ihre Frage lässt sich nicht ganz einfach beantworten, da
man natürlich in jeden einzelnen Satz eines Zeugnisses etwas "hineingeheimnissen" kann, was möglicherweise so gar nicht intendiert war, und dem Zeugnis auf diese Weise eine völlig andere Bedeutung geben kann.

Aus einem einzigen Satz lassen sich allerdings nur schwer die intendierten Bedeutungen "herauslesen". Hierzu ist vielmehr ein Blick auf das Zeugnis als Ganzes erforderlich, wo und an welcher Stelle dieser Satz auftaucht, wie die Wortwahl und die Ausführlichkeit der übrigen Beschreibungen aussieht und welchen Gesamteindruck der Leser des Zeugnisses von Ihnen gewinnt: Das Zeugnis muss nämlich in sich schlüssig sein. Ist es dass, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer versteckten "Geheimbotschaft".

Wird z.B. branchenüblich die Erwähnung einer bestimmte Eigenschaft verlangt, muss der Arbeitgeber zu dieser Stellung nehmen. Umgekehrt lassen sich auch Rückschlüsse daraus ziehen, wenn Eigenschaften besonders hervorgehoben werden, die in dieser Branche eher eine untergeordnete Rolle spielen.

So ist z.B. Ehrlichkeit einem Arbeitnehmer dann zu bescheinigen, wenn dieser einer Berufsgruppe angehört, die eine besondere Vertrauensstellung voraussetzt (z.B. Kassierer). Etwas anderes gilt vielleicht für einen Call-Center-Agent, wo es nicht in erster Linie auf Ehrlichkeit in Geldangelegenheiten ankommt - dort würde der Leser einer solchen Zeile möglicherweise zu Recht die Stirne runzeln und sich fragen, warum dies eine besondere Erwähnung findet.

"Diskretion" ist allerdings eine Eigenschaft, die einem Mitarbeiter einer Bank (in bestimmten Geschäftsbereichen jedenfalls) sicherlich gut zu Gesicht steht, weswegen ich a priori annehmen würde, dass die Erwähnung dieser Eigenschaft jedenfalls nicht negativ gemeint sein soll.

Aber erst in einer Gesamtschau des Zeugnisses und dem Vergleich mit der ausgeübten Tätigkeit sind genauere Rückschlüsse darauf möglich, wie ein Satz eigentlich gemeint sein könnte und wahrscheinlich richtig zu verstehen ist.

Ohne diese Gesamtschau kann man nur die allgemeinen Möglichkeiten "abklappern", ohne deswegen mit Bestimmtheit sagen zu können, was wirklich intendiert war:

Entweder ist der Satz genau so gemeint, wie er da steht. Oder er sagt aus, dass sie nur vertrauliche und interne Themen mit der erforderlichen Diskretion behandelt haben, andere Informationen hingegen nicht. Oder es soll angedeutet werden, dass Sie nur die allerunterste From der Diskretion wahrten, aber eigentlich wesentlich diskreter hätten sein sollen.

Der Anspruch auf Zeugniserteilung verjährt grundsätzlich erst in 30 Jahren. Er kann aber bereits vorher verwirkt werden, und zwar dann, wenn eine besonderes Zeitmoment sowie ein besonderes Umstandsmoment verwirkt sind - das gilt auch für den Anspruch auf Korrektur eines Zeugnisses: Der Arbeitnehmer hat bspw. sein Recht längere Zeit nicht ausgeübt und beim Arbeitgeber dadurch den Eindruck hervorgerufen, das Recht werde auch in Zukunft nicht mehr geltend gemacht werden.

Bei Zeugnissen kommt hinzu, dass sie grundsätzlich auch der Wahrheit entsprechen müssen. Nach Ablauf eines längeren Zeitablaufs ist allerdings nicht immer gewährleistet, dass es inhaltlich zutrifft, da das menschliche Erinnerungsvermögen nachlässt und der Eindruck, den der Arbeitnehmer hinterlassen hat, verblasst oder verklärt wird. Die Frage, wann nun genau Verwirkung eintritt, hängt entscheidend von den Umständen des Einzelfalls ab. Es lässt sich daher an dieser Stelle nicht mit Sicherheit sagen, ob in Ihrem Fall bereits Verwirkung eingetreten ist oder nicht.

(Hinweis: Im Bankgewerbe könnten u.U. auch tarifliche Ausschlussfristen den Anspruch auf Erteilung oder Korrektur eines Zeugnisses erfassen. Mangels näherer informationen rate ich daher dazu, dass Sie vorsorglich auch einen Blick in den für Sie einschlägigen Tarifvertrag werfen, so es denn einen für Sie gibt.)

Mit freundlichen Grüßen
Fenimore v. Bredow
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

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