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Außergewöhnliche Belastungen - Einzug der Tochter + Dusche absetzbar?

09.10.2020 22:06 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte die Kosten für die beiden nachfolgenden Punkte als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen und nach ersten Informationen scheint dies jedoch nicht einfach zu sein:

1. Einzug der Tochter

Aufgrund einer komplizierten Familiengeschichte hatte ich zu meiner Tochter stets ein gutes, enges Verhältnis, war jedoch offziell nie der Vater und meine Tochter wuchs bei der Oma auf. Als diese verstarb, nahm die Tante meine Tochter (14 Jahre alt) bei sich auf. Dort konnte man ihr jedoch keine Stabilität bieten, u.a. hatte sie kein eigenes Zimmer und es ging ihr einfach nicht gut. Ich sah mich in der Pflicht, auch offiziell Vater zu werden, um meine Tochter zu mir holen zu können, was in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt auch gelang.

Nun möchte ich alle Kosten absetzen, die im Zusammenhang mit dem Einzug meiner Tochter entstanden sind, wie z.B. Umgestaltung (Renovierung & Neu-Möblierung) meines ehem. Schlafzimmers in ein Jugendzimmer, Kauf einer Schlafcouch für das Wohnzimmer, etc.

Grundsätzlich müssen Kosten für eine Absetzbarkeit außergewöhnlich sein und zwangsweise entstanden sein (den zumutbaren Eigenanteil betrachten wir mal nicht). Ich habe bislang stets die Info bekommen, daß die "Außergewöhnlichkeit" hierbei wohl nicht die Hürde sei, wohl aber die Zwangsläufigkeit, da einem Einzug eines Familienmitgliedes stets Freiwilligkeit unterstellt wird. Außerdem seien solche Ausgaben durch das Kindergeld gedeckelt.

Mal abgesehen davon, daß ich erst nach ihrem Einzug Kindergeld erhalten habe, würde ich gern verstehen, ob ich aufgrund dieser besonderen Situation nicht moralisch/ethisch dazu verpflichtet war, so zu handeln. Kann man argumentieren, daß die Kosten unvermeidbar waren, weil sie aus sittlichen Gründen entstanden sind? Das Jugendamt kann im Zweifel bestätigen, daß es meiner Tochter bei der Tante nicht gut ging. Gab es diesen konkreten Fall schon mal irgendwo bzw. gibt es Urteile/Aktenzeichen für vergleichbare Fälle?

2. Einbau einer Dusche

Mein Vermieter hat eine Strangsanierung durchgeführt, wodurch die vorher bereits knappen Platzverhältnisse weiter beschnitten wurden. Die Toilette befand sich zwischen Badewanne und der Wand, die durch den neuen Strang weiter in den Raum gewandert ist. Die Toilette mußte also ebenfalls versetzt werden, quasi bis an den Rand der Badewanne. Ergo mußte diese auch weichen und durch eine faltbare Duschkabine ersetzt werden, die ausgefaltet bis zum Toilettenrand reicht und zum Benutzen der Toilette zurückgefaltet wird.

Diese Lösung war jedoch sehr kostenintensiv (Material 2000,- €, Einbau 600,- €, Lieferung 75,- €). Kann das Gesamtpaket als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden?

Ich danke vorab für eine Antwort. Ich gehe davon aus, daß das Finanzamt beide Punkte ablehnen wird und würde gern einschätzen können, ob ggf. eine gerichtliche Klärung anstrebenswert scheint.

Beste Grüße
Carsten W.

11.10.2020 | 02:23

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Antwort

1.) Außergewöhnliche Belastung

Gem. § 33 Abs. II EStG ist ein finanzieller Aufwand dann als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd absetzbar, wenn er zwangsläufig aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen unvermeidlich ist.

Ihrer leiblichen Tochter gegenüber sind Sie gem. § 1612 BGB unterhaltspflichtig, solange sie nicht in Ihrem Haushalt lebt und gem. § 1601 BGB entsprechend Ihrer Leistungsfähigkeit, soweit sie bedürftig ist
(§ 1602 BGB ).

Als Kinder-Freibeträge sind im Jahr 2020 vorgesehen 5.172€ und weitere 2.640€ Ausbildungsbedarf. Dadurch soll das Existenzminimum von Kindern steuerfrei gestellt werden.

Anstelle dieser Freibeträge kann das Kindergeld die Eltern finanziell besser stellen, was vom Finanzamt geprüft und
automatisch berücksichtigt wird.

Damit ist der übliche finanzielle Aufwand für Kinder abgegolten.

Die Ihnen jetzt entstandenen Kosten sind nicht deshalb außergewöhnlich, weil Sie ihnen nach 14 Jahren erstmals entstehen.
Hätte Ihre Tochter schon immer bei Ihnen gelebt, wäre eine neue Couch nichts Besonderes und deshalb Privatausgabe.

2.) Duschumbau

Renovierungskosten können vom Vermieter in voller Höhe von der Steuer abgesetzt werden, solange die Ausgaben für die Bewohnbarkeit der Immobilie erforderlich sind, als Erhaltungsaufwand in Anlage V sind das Werbungskosten.

Privat geht das nicht. Den Umbau müßte eigentlich Ihr Vermieter bezahlen, wenn die Wohnung unbewohnbar war.

Ich hoffe, Ihre Fragen verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Helge Müller-Roden
Fachanwalt für Arbeitsrecht

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