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Future Trading im Ausland mit deutschem Arbeitgeber

| 12.09.2020 20:49 |
Preis: 100,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Nils Hoefer


Hallo,
ich handle Futures an der Börse und wäre ab nächstem Jahr von der Verlustabzugsbeschränkung betroffen. Diese besagt das leider nur noch 10.000€ Verlust steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Alle weiteren Verluste müssen versteuert und können nicht mit den Gewinnen verrechnet werden. Dies gilt allerdings nur für den Privatanleger. Da ich nicht vorhabe über eine Körperschaft zu traden, bleibt für mich nur der Wegzug aus Deutschland. Für mich kommen hier Tschechien oder Ungarn in Frage. Trotzdem würde ich gern weiterhin per Home-Office für meinen aktuellen Arbeitgeber arbeiten. Hier hätte ich nun einige Fragen:

1. Sobald ich mich aus Deutschland abgemeldet und meinen Wohnsitz in Tschechien/Ungarn angemeldet habe, bin ich meiner Meinung nach auch dort steuerpflichtig, selbst wenn ich weiterhin für eine deutsche Firma arbeite. Das würde heißen, dass das dortige Steuerrecht für meine Gewinne aus dem Future Handel gilt und dass die Lohnsteuer und der Soli Zuschlag, welche aktuell von meinem Bruttolohn abgehen, auch in Tschechien/Ungarn entrichtet werden müssen. Ist das korrekt?

2. Die Sozialversicherungspflicht besteht meiner Ansicht nach dann auch in Tschechien/Ungarn. D.h. mein Arbeitgeber muss die Beiträge dann auch dort abführen, oder?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Hilfe!

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Beauftragung und das damit entgegengebrachte Vertrauen. Zu Ihrer Anfrage möchte ich gern wie folgt Stellung beziehen:

Ende der unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland (DE)

Mit dem Wegzug aus Deutschland endet die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland (DE). Danach besteht allenfalls eine beschränkte Steuerpflicht, sofern noch inländische Einkünfte bestehen. Hierbei kommt es auf die Aufgabe des deutschen Wohnsitzes in faktischer Hinsicht an. Die Abmeldung in melderechtlicher Sicht ist hier nur ein Indiz, aber nicht ausschlaggebend.

Im Jahr des vollständigen Wegzuges/Aufgabe des deutschen Wohnsitzes (=zeitweise unbeschränkte Steuerpflicht) besteht noch eine Besonderheit, hier sind sämtliche ausländische Einkünfte nach dem Wegzug als Progressionseinkünfte für die Ermittlung des persönlichen Steuersatzes anzugeben. Dies folgt aus dem Umstand, dass Steuern kalenderjahrbezogen erhoben werden und würde auch für Kapitaleinkünfte gelten.

Besteuerung nach Wegzug aus DE

Wenn Sie nach dem Wegzug weiter für einen deutschen Arbeitgeber tätig werden und dies ausschließlich im neuen Wohnsitzstaat Tschechien ausgeübt wird, liegen zwar aus deutscher Sicht inländische Einkünfte vor, das Doppelbesteuerungsabkommen weist das Besteuerungsrecht aber dem Wohnsitzstaat zu, wenn dies zeitgleich auch der Tätigkeitsstaat ist. Sollten Sie aber auch teilweise in Deutschland tätig werden, würde das Gehalt für die Besteuerung aufzuteilen sein je nach Tätigkeitstagen und Tätigkeitsstaat (DE oder Tschechien).

Ob der deutsche Arbeitgeber in Tschechien Lohnsteuer abführen muss, richtet sich nach den dortigen nationalen Vorschriften und kann meinerseits aus berufsrechtlichen Gründen nicht beantwortet werden. Deutsche Lohnsteuer ist nicht mehr abzuführen (wenn Tätigkeit nur in Tschechien). Relevant wird dies in der Regel dann, wenn der deutsche Arbeitgeber im anderen Staat (Tschechien) eine steuerliche Betriebsstätte hätte (zB wenn Sie in Tschechien mit Abschlussvollmacht tätig wären).

Anwendbares Sozialversicherungsrecht

Anders als bei der Einkommensteuer auf die Lohneinkünfte findet bei der Sozialversicherung keine Aufteilung statt. In Europa kann es immer nur einen Staat geben, dessen Vorschriften über die SV anwendbar sind (EU-Richtlinie).

Vorliegend ist dann nur tschechisches SV-Recht anzuwenden, wenn dies der Wohnsitzstaat ist und Sie hier mind. 25% der Tätigkeit für den Arbeitgeber im Homeoffice faktisch ausüben, auch wenn Sie in anderen Ländern tätig werden sollten.

Auch hier ist ausschließlich nach tschechischen Vorschriften zu prüfen, ob der Arbeitgeber auch SV-Beiträge abführen muss. Dies zu prüfen, ist dann auch eher Obliegenheit des Arbeitgebers, deutsche SV-Beiträge sind jedenfalls nicht mehr abzuführen.

Um dies klarstellend festzustellen, sollte ab dem Umzug eine sog. A1-Bescheinigung in Tschechien beantragt werden, die bindent festlegt, welches Recht anzuwenden ist.


Unbeschränkte Steuerpflicht in Tschechien für Kapitaleinkünfte

Wenn Sie in Tschechien einen Wohnsitz begründen unter Aufgabe des deutschen Wohnsitzes, entsteht hier die unbeschränkte Steuerpflicht. Auch hier ist dann grundsätzlich eine Einkommensteuererklärung abzugeben, die sich nach den dortigen Steuergesetzen richtet (Welteinkommen). Die Besteuerung erfolgt dann nach nationalen Vorschriften.

In der Regel werden dort dann auch die Kapitaleinkünfte dort zu versteuern sein, da die Besteuerung nach den gängigen Regelungen der DBA im Wohnsitzstaat stattfindet. Im Jahr des Umzuges wird für die Zuordnung maßgeblich auf den Zeitpunkt des Zuflusses abgestellt.


P.S.: die Ausführungen zu Tschechien gelten gleichermaßen für Ungarn oder andere EU-Staaten!


Ich hoffe, alle wichtigen Punkte mit o.g. Ausführungen abgedeckt zu haben. Ansonsten benutzen Sie bitte die kostenlose Nachfrageoption. Gern kann ich Ihnen als Partner einer Steuerberatungsgesellschaft auch bei der deutschen Steuererklärung im Jahr des Wegzuges aus DE behilflich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Nils Hoefer
Rechtsanwalt/Steuerberater

Bewertung des Fragestellers 13.09.2020 | 12:30

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