1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Steuerklasse Ehefrau Deutschland, Ehemann lebt und arbeitet in Österreich

04.09.2020 07:22 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Guten Tag,

Ich bin deutsche Staatsbürgerin, lebe und arbeite in Deutschland, Wohnsitz auch in D.
Mein Ehemann lebt und arbeitet in Österreich, ist österreichischer Staatsbürger und hat auch seinen Hauptwohnsitz dort.
Ich habe trotz Verheiratetsein die Steuerklasse 1.
Wäre hier eine günstiger zu wählende Steuerklasse für mich möglich?
Geheiratet haben wir übrigens in Österreich, was vermutlich nicht ausschlaggebend ist.

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Sie könnten die Steuerklasse III beantragen. Eigentlich ist für die Steuerklasse III Voraussetzung, dass beide Ehegatten im Inland unbeschränkt steuerpflichtig sind und die Zusammenveranlagung gewählt haben. Unter bestimmten Voraussetzungen aber ist die Steuerklasse III auf Antrag auch möglich, wenn der andere Ehegatte im EU-Ausland lebt, und zwar dann, wenn das Einkommen Ihres Ehegatten im EU-Ausland den bei zusammen veranlagten Ehegatten geltenden doppelten Grundfreibetrag (2020: € 18.816,00) nicht übersteigt (absolute Wesentlichkeitsgrenze). Sie können in diesem Fall bei Ihrer Einkommensteuererklärung die Zusammenveranlagung wählen, obwohl Ihr Ehegatte nicht in Deutschland lebt (§ 1a Abs. 1 Nr. 2 i.V.m. § 1 Abs. 1 EStG , BFH vom 6.5.2015, BStBl II 2015, 957).

Siehe dazu weitergehende hier:

https://www.smartsteuer.de/online/lexikon/f/familienbezogene-einkommensteuerverguenstigungen-des-%C2%A7-1a-estg/

Wenn noch etwas unklar geblieben ist, so fragen Sie gerne nach. Vorerst verbleibe ich mit freundlichen Grüßen!

Elisabeth v. Dorrien
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 04.09.2020 | 10:27

Vielen Dank für Ihre Antwort.
Habe ich das so richtig verstanden, dass wir in einem Falle der Zusammenveranlagung nicht mehr als diese 18816€ im Jahr verdienen dürften??
(Entschuldigung, das mit dem Freibetrag ist mir nicht ganz klar)

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 04.09.2020 | 13:58

Sehr geehrte Fragestellerin, vielen Dank für Ihre freundliche Nachfrage - das ist Ihnen zu Recht nicht klargeworden, denn ich habe Sie fälschlich als bedingt unbeschränkt steuerpflichtig eingeordnet. Sie sind aber als deutsche Staatsangehörige unbeschränkt steuerpflichtig. Insofern gilt die sog. Wesentlichkeitsgrenze für die Zusammenveranlagung mit Ihrem in Österreich (=EU-Staat) lebenden und arbeitenden Ehemann nicht.

Die Rechtslage hat sich seit der Neufassung des Einleitungssatzes in § 1a Abs. 1 EStG duch das JStG 2008 geändert. Der nach § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt einkommensteuerpflichtige Ehegatte muss nicht mehr zusätzlich die Voraussetzungen des § 1 Abs. 3 S. 2 bis 4 EStG erfüllen. § 1a Abs. 1 Nr. 2 S. 3 EStG ist seither auf nach § 1 Abs. 3 EStG als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelte Ehegatten beschränkt. Denn nur in diesem Fall kommt es zur Anwendung des § 1 Abs. 3 EStG , und nur in diesem Fall ist gem. § 1a Abs. 1 Nr. 2 S. 3 EStG auf die Einkünfte beider Ehegatten abzustellen und der Grundfreibetrag nach § 32a Abs. 1 S. 2 Nr. 1 EStG zu verdoppeln.

Da Sie gem. § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt steuerpflichtig sind, gilt für Sie das BFH-Urteil vom 08.09.2010 – I R 28/10 , nach welchem unbeschränkt einkommensteuerpflichtige Staatsangehörige der EU/des EWR die Zusammenveranlagung mit ihrem im EU/EWR-Ausland lebenden Ehegatten auch dann beanspruchen können, wenn die gemeinsamen Einkünfte der Ehegatten zu weniger als 90 v.H. der deutschen Einkommensteuer unterliegen oder die ausländischen Einkünfte der Ehegatten den doppelten Grundfreibetrag übersteigen.

Die Zusammenveranlagung von Ehegatten setzt grundsätzlich gem. § 26 Abs. 1 S. 1 EStG die unbeschränkte ESt-Pflicht beider Ehegatten voraus. Staatsangehörige eines EU/EWR-Mitgliedstaats, die nach § 1 Abs. 1 EStG unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind oder die nach § 1 Abs. 3 EStG als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig zu behandeln sind, können nach § 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG jedoch beantragen, dass ihr nicht dauernd getrennt lebender Ehegatte ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland für die Anwendung des § 26 Abs. 1 S. 1 EStG als unbeschränkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird. Weitere einschränkende Voraussetzungen bestehen nicht.

Sie können also von der Zusammenveranlagung (auf Antrag, § 26 b EStG ) tatsächlich profitieren.

Nochmals freundliche Grüße!

FRAGESTELLER 30.12.1899 /5,0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,7 von 5 Sternen
(basierend auf 90337 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Dankeschön :) ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Schnell. Unkompliziert. Verständlich. Direkt. Absolut weitergeholfen. Klare Empfehlung ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
trotz kurzer Info, genau auf den Punkt getroffen. ...
FRAGESTELLER