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Arbeitszeugnis Notencheck

| 29.07.2020 17:05 |
Preis: 43,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Krim.-Dir. a.D. Willy Burgmer


Zusammenfassung: Es geht um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis der eher ungewöhnlichen Art.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bitte um Bewertung eines Arbeitszeugnisses.
Kurz zum Hintergrund: Tarifbeschäftigter im öffentlichen Dienst bei einer Bundesbehörde im vergleichbaren gehobenen Dienst. Die Dauer des Arbeitsverhältnisses betrug 1,5 Jahre. Eigenkündigung wegen Behördenwechsels auf deutlich höhere Stelle.

Es folgt eine vollständige Auflistung der inhaltlichen Beurteilung:

Herr X konnte sich während seiner Tätigkeit bei Y schnell und eigenständig umfangreiche Fachkenntnisse im Themenfeld Z aneignen

und war stets lernbereit und motiviert.

Er führte Aufgaben durchweg sorgfältig und planvoll aus

und verfügte über ein sehr gutes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen.

Seine Arbeitsergebnisse waren von hoher Qualität.

Herr X war auch großem Zeitdruck und Arbeitsaufkommen gewachsen.

Sein Verhalten ggü Vorgesetzten, Kolleginnen / Kollegen und Kunden sowie seine Kritikfähigkeit waren stets einwandfrei.

Ich bedanke mich bei Herr X für die von Ihm erbrachten Leistungen und wünsche ihm alles Gute sowie privat und beruflich weiterhin Erfolg.

Das Arbeitsverhältnis zwischen X und Herr Y endete mit Ablauf des xx.xx.2020 nach Kündigung durch den Beschäftigten.



Neben dem fehlenden Bedauern über das Ausscheiden, was klar den Grundtenor des Zeugnisses aufzeigt, ist nicht erkennbar, welche Position der Unterzeichner innehat. Das Zeugnis wurde allerdings von der richtigen Person, d.h. der höchstrangigen in der Behörde, unterschrieben. Meiner Einschätzung nach fehlt dem Zeugnis auch eine Gesamtbeurteilung.
Ich empfinde die Bewertung als deutlich zu schlecht und betrachte das Zeugnis als "Abschiedsgeschenk" der Personalabteilung.

Meine Fragen sind daher:

1) Welche Teilnoten wurden in welchen Kategorien vergeben und gibt es Widersprüche oder große Diskrepanzen in den Teilnoten?
2) Welche Gesamtnote ergibt sich ohne Gesamtbeurteilung?
3) Besteht ein Anspruch auf die Gesamtbeurteilung?
4) Empfehlen Sie die Gesamtbeurteilung und die Kenntlichmachung der Position des Unterzeichners verbessern zu lassen?
5) Ist die Kürze des Zeugnisses in Anbetracht der kurzen Beschäftigungszeit üblich oder drückt dies ebenfalls Verärgerung über den Wechsel aus?
6) Wäre eine Einreichung des Zeugnisses zur Personalakte beim neuen Arbeitgeber in dieser Form schädlich?
7) Haben Sie sonstige Anmerkungen?

Gerne zu Ihren Fragen:

Ihr Zeugnis ist in der einzelnen Noten keineswegs so unbefriedigend, wie Sie argwöhnen, denn es werden durchweg die Standards für (voll)"befriedigend" (Schulnote 3 +); an einigen Stellen bis knapp "gut" (Schulnote 2 -) verwendet.

Allerdings merkt man in der Tat, dass der Verfasser kurz und knapp durchscheinen lässt, dass er - aus welchen Gründen auch immer - wenig Interesse hat, sich mit Ihnen in Person und zu Sache eingehender zu befassen.

Das wird sich im Arbeitsgerichtsprozess schwer nachweisen lassen, denn die Kürze kann und darf durchaus auch korrespondieren mit einer kurzen Betriebszugehörigkeit. Gegen den Verfasser spricht diesbezüglich, dass Sie gem. § 109 GewO nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis haben, mithin haben Sie Recht, dass die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit zu nennen sind, gewöhnlich aufgelistet in 10 - 12 Pos. Denn das qu. Zeugnis soll auch Ihrer externen Bewerbung dienen.

Zu Ihren Fragen:

1) Welche Teilnoten wurden in welchen Kategorien vergeben und gibt es Widersprüche oder große Diskrepanzen in den Teilnoten?
Die Teilnoten sind überwiegend "befriedigend", dazu im pos. Widerspruch "und verfügte über ein sehr gutes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen", was eine gute Bewertung ist.
Seine Arbeitsergebnisse waren von hoher Qualität, steht ebenfalls für knapp "gut"

2) Welche Gesamtnote ergibt sich ohne Gesamtbeurteilung? = "befriedigend"

3) Besteht ein Anspruch auf die Gesamtbeurteilung? = Ja. Das ist hier sehr ungewöhnlich, bzw. sogar unprofessionell. Die Gesamtbeurteilung gehört in die objektive Leistungszusammenfassung und ist der höchst gewichtete Faktor.

4) Empfehlen Sie die Gesamtbeurteilung und die Kenntlichmachung der Position des Unterzeichners verbessern zu lassen?= Ja. Was die Pos. de Uz. angeht kommt es auf den Kopfbogen der Behörde an. Ungewöhnlich ist die "Ich-Form."
5) Ist die Kürze des Zeugnisses in Anbetracht der kurzen Beschäftigungszeit üblich oder drückt dies ebenfalls Verärgerung über den Wechsel aus? = s.o.
6) Wäre eine Einreichung des Zeugnisses zur Personalakte beim neuen Arbeitgeber in dieser Form schädlich? = Ja. Das Fehlen des "Bedauerns" weckt Argwohn. Dto. die Formulierung "...seine Kritikfähigkeit waren stets einwandfrei".
7) Haben Sie sonstige Anmerkungen?
Sie trifft die Beweislast für oberhalb "befriedigend". Darunter den Dienstherrn.




Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Rückfrage vom Fragesteller 29.07.2020 | 19:25

Vielen Dank für Ihre Antwort. Eine Verständnisfrage habe ich noch.

Zu 6) Das Bedauern ist nicht einklagbar, also ist mit einem Sinneswandel kaum zu rechnen. Dann wäre also selbst die Vorlage eines anderweitig verbesserten Zeugnisses beim neuen Arbeitgeber immer noch ungünstig. Im Endeffekt müsste ich aber mit diesem Punkt - selbst bei anwaltlicher Vertretung - leben, korrekt? Das wäre ein unbefriedigendes Ergebnis im Hinblick auf mögliche Bewerbungen in der Zukunft.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 29.07.2020 | 19:45

Gerne zu Ihrer Nachfrage:

Die Abschlussformel mit oder ohne Bedauern ist nicht einklagbar, ja.

Wenn aber dort im Kontext steht "...und wünschen beruflich weiterhin Erfolg, ist das doch ziemlich unschlüssig und sollte zumindest in einem Gespräch - auf das Sie Anspruch haben - hinterfragt werden.
Das Zeugnis wirkt auf mich (ich habe selbst viele hundert Zeugnisse verfasst) ziemlich unprofessionell, so dass dem Verfasser das ggf. gar nicht bewusst war.
Weil zudem einige Änderungen materiell-rechtlich sogar einklagbar wären, haben Sie doch eine gute Verhandlungsposition.
Viel Erfolg dazu wünscht,
Ihr
Willy Burgmer
Rechtsanwalt & Krim.-Dir. aD

Bewertung des Fragestellers 29.07.2020 | 20:23

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