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Verkehrsunfall oder Auffahrunfall Schuldfrage unklar. Rechte Chancen?

13.09.2019 13:01 |
Preis: ***,00 € |

Verkehrsrecht


Beantwortet von


21:44

Hallöchen. Ich hätte vor einer Woche einen Verkehrsunfall direkt vor meiner Haustür. Mein Auto (T5) stand auf unserer Einfahrt. Ich muss vorab erwähnen, dass wir in einer 30er Zone wohnen, zudem ist es bergig und einige Stellen der Straße sind eng und durch sPolizei schätzt auf 50-60 kmh) ziemlich weit rechts, ohne Reaktion ohne Ausweichbewegung, kein Blick, und fuhr ungebremst in mein Auto. Die ganze frontpartie ist hinüber, der Gutachter hat den Schaden auf knapp 10000 angesetzt. Die gegnerische Versicherung winkt ab, ich wäre Unfallverursacher und somit würden sie den Schaden nicht regulieren. In wie weit ist das so korrekt? Ich hätte nicht anders reagieren können. Ist das ein vorfahrsunfall oder ein auffahrunfall oder was völlig anderes? So wie es aussieht wird das auf einen gerichtsstreit hinauslaufen. Welche Chancen hab ich? Ich hätte jetzt die Möglichkeit in Betracht gezogen den Schaden über meine vollkasko abzuwickeln und das ganze nach Klärung zu regulieren. Da steht dann aber ein vertragsanwalt auf der anderen Seite, Mein Anwalt ist leider keiner und würde dann rausfallen.

Eingrenzung vom Fragesteller
13.09.2019 | 13:09
13.09.2019 | 14:11

Antwort

von


(483)
Harmsstraße 86
24114 Kiel
Tel: 0431 88 70 49 75
E-Mail:

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:

Die Frage der Haftung ist in diesem Fall tatsächlich schwierig zu beantworten, sodass ich ggf. von einer Schadensquotelung 50:50 ausgehe, sofern sich die einzelnen Umstände nachweisen lassen.

Empfohlenerweise wäre hier eine Einsicht in die polizeiliche Verfahrensakte geboten, um eine bessere Einschätzung des Sach- und Streitstandes und insbesondere den Örtlichkeiten vor Ort zu gewinnen.

Wenn sich im Rahmen einer Begutachtung nachweisen ließe, dass die Unfallgegner mit einer deutlich überhöten Geschwindigkeit gefahren ist, so trifft ihn unabhängig der Art und Weise des rechtlichen Verstoßes, grundsätzlich eine nicht unerhebliche Mitschuld.

Hier unterscheidet man zwischen Vermeidbarkeit und Unvermeidbarkeit.

Beispiel: Wäre der Unfallgegner vorschriftsmäßig 30 gefahren, schaut man, ob der Unfall dann vermieden oder nicht vermieden worden wäre, es quasi "egal" ist, dass er zu schnell fuhr".

Wäre der Unfall bei ordnungsgemäßer Geschwindigkeit vermieden worden, dann hätte der Unfallgegner das höhere Haftungsrisiko, denn dann wäre der Unfall für Sie unvermeidbar gewesen, da der Unfall dann auch bei einhaltung möglichster Sorgfalt entstanden wäre.

Da aber auch Sie von einer Einfahrt auf die vorfahrtsberechtigte Straße gefahren sind, trifft auch Sie ein Verschulden. Dabei gilt dies erst einmal unabhängig, ob das Fahrzeug stand oder bewegt wurde.
Wegen der durch § 10 StVO dem von einem Grundstück auf die Straße fahrenden auferlegten besonderen Sorgfaltspflichten spricht nach der Rechtsprechung ein Beweis des ersten Anscheins dafür, dass bei einem Unfall in der von Ihnen geschilderten Konstellation das Unfallverschulden bei dem das Grundstück verlassenden liegt. Auf die allgemeine Mundart "Wer auffährt ist schuld" kommt es daher vorliegt nicht an, da hier der Beweis des ersten Anscheins erhoben wird, dass demjenigen der aus einer Einfahrt kommt besondere Sorgfalspflichten obliegen. Es gilt dann "Wer einfährt auf die Hauptstraße ist schuld".

Demzufolge hat die gegnerische Versicherung aus dem "Beweis des ersten Anscheins" leider zunächst Recht, wenn diese behauptet, dass Sie den Unfall verursacht hätte.

Jedoch muss hier aber gleichwohl dennoch ein Mitverschulden des Unfallgegners im Hintergrund betrachtet werden. Insoweit kann ein Gutachter in einem Rechtsstreit feststellen, welche Geschwindigkeit das Fahrzeug zum Zeitpunkt des Aufpralls mutmaßlich hatte und inwieweit dann der Unfall für die eine oder andere Partei unvermeidbar oder vermeidbar gewesen wäre. Insoweit käme es meines Erachtens zu einer Quote von 50:50 und bei Beweis der Unvermeidbarkeit allenfalls zu 70:30 zu Ihren Gunsten.

Bei einer Quote von 50:50 bleibt in der Regel jeder auf seinen Kosten sitzen bzw. werden diese in Summe hälftig geteilt. Insoweit müsste man mit Blick auf das Prozessrisiko, daher genau abwägen, ob es sich lohnt.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Sascha Lembcke

Rückfrage vom Fragesteller 13.09.2019 | 20:03

Vielen dank für ihre Antwort. Wie wäre denn jetzt besten bzw rechtlich gesehen am sinnvollsten weiterzuverfahren ? Ich brauche das Auto für meine 7 Kinder zwingend. Den Schaden über die vollkasko laufen zu lassen und später die Haftpflicht der unfallgegnerin in Anspruch nehmen. Oder das Auto auf eigene Kosten "fahrtauglich" zu machen oder evtl. Doch Eine ganz andere Lösung? Diese Prozedur kann sich ja über mehrere Wochen hinziehen bis die Schuldfrage ggf. Von Richtern entschieden worden ist. So lang kann ich leider auf das Fz nicht verzichten.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 13.09.2019 | 21:44

Am sinnvollsten wäre ein Gutachten einzuholen ggf. durch ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren. Damit wäre man mit Blick auf einen längeren Rechtsstreit am besten aufgestellt und könnte danach das Fahrzeug reparieren lassen. Aber auch dies wird gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Alternative sollte der Schaden soweit möglich detailliert dokumentiert werden ggf. durch ein Privatgutachten um später etwas in der Hand zu haben. Wenngleich ein Privatgutachten nur einen begrenzten beweiswert vor Gericht hat.

Wichtig der Schaden sollte vor der Reparatur möglichst umfangreich dokumentiert werden, damit man ggf. in einem Rechtsstreit etwas in der Hand hat.

Wichtig ist auch dass Sie ihre eigene Versicherung informieren und auch auf die Mitschuld der Gegenseite hinweisen. Denn wenn ihre Versicherung den Schaden voll reguliert, dann müssten Sie klagen statt der Gegenseite.

MfG
RAUS Lembcke

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