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Scheidung-Zugewinnausgleich wenn Kredit (Hypothek) vorhanden

11.07.2019 10:26 |
Preis: 51,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Gerhard Raab


Guten Tag,
unsere Eheschliessung: Jahr 2013
Während der Ehe hat mein Ehemann von seinen Eltern ein Haus in Wert von 300 000€ bekommen (geschenkt). Im Grundbuch ist nur er als der Eigentümer, die Eltern haben ein Wohnrecht lebenslang. Vor der Eheschliessung hatte er kein Vermögen, ich hatte bevor ich heiratete eigenes Konto mit 15 000 €.
Im Jahr 2017 haben wir das Haus renoviert, im Wert von 35 000€ aus gemeinsamen erworbenen Ersparnissen.
Momentan sind unsere gemeinsame Ersparnisse im Wert von 40 000€.
Mein Ehemann will sich in diesem Jahr von mir trennen in dem Sinn, ich soll aus seinem Haus ausziehen in eine Wohnung, die wir gemeinsam für mich kaufen werden. Der Wert der zukünftigen Wohnung wäre cca 130 000€.
Die Finanzierung erfolgt durch die gemeinsamen Ersparnisse (40 000€) + ein Kredit (Hypothek) aus der Bank in der Höhe von 90 000€ (die Abzahlung voraussichtlich auf 10 Jahren vorgeplant).
Es sind 2 Optionen nachzudenken:
Option 1:
Wir nehmen den Kredit gemeinsam d.h. wir beide sind als Anleiher gegenüber der Bank .
Option 2:
Der Kredit nimmt nur der Ehemann , er wird der einzige Anleiher gegenüber der Bank.
Jetzt die Frage:
Bitte, wie wird im Falle der Scheidung der Zugewinnausgleich berechnet?
Und von wem wird der Rest des Kredits von der Bank nach der Scheidung bei der Option 1 bzw. 2 weiter zu zahlen?
Sind die Schulden bei Option 2 nach der Scheidung auf beide Ehegatten geteilt?
Ich bedanke mich für Ihre Erklärung.

Sehr geehrte Fragestellerin,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Im Fall der Ehescheidung wird der Zugewinnausgleich folgendermaßen errechnet:

Zunächst ist für jeden Ehegatten dessen Anfangsvermögen zu ermitteln. Das ist das Vermögen, das jeder Ehegatte zum Tag der Eheschließung hatte.

Der zweite Berechnungsstichtag ist der Tag, an dem jener Ehegatte, der den Scheidungsantrag nicht bei Gericht eingereicht hat, den Scheidungsantrags zugestellt erhält. Das ist der Stichtag für die Feststellung des Endvermögens.

D.h., wir haben bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs zwei Stichtage, nämlich den Stichtag für das Anfangsvermögen (Datum der Eheschließung) und den Stichtag für das Endvermögen (Zustellung des Scheidungsantrags).

Im Regelfall haben die Eheleute während der Ehezeit ein Vermögen erwirtschaftet, so dass, zumindest meistens, das Endvermögen höher als das Anfangsvermögen ist. Ein Ehegatte wird ein höheres Vermögen erwirtschaftet haben, der andere Ehegatte ein geringeres Vermögen. Derjenige Ehegatte, der das höhere Vermögen erwirtschaftet hat, ist dem anderen ausgleichspflichtig.

Das ist das Grundprinzip des Zugewinnausgleichs, das ich anhand eines Beispiels in vereinfachter Form zum besseren Verständnis skizzieren möchte.

Angenommen, beide Ehegatten hatten zum Zeitpunkt der Eheschließung (Anfangsvermögen) nichts, also einen Vermögensstand von 0,00 €.

Der Ehemann hat während der Ehezeit ein Vermögen erwirtschaftet, das sich zum Stichtag der Berechnung des Endvermögens auf 100.000 € beläuft. Die Ehefrau hat ein Endvermögen von 30.000 €. D.h., während der Ehezeit hätte der Ehemann 70.000 € mehr erwirtschaftet als die Ehefrau. Die Hälfte dieses Mehrbetrags, also die Hälfte von 70.000 €, das sind 35.000 €, müsste der Ehemann im Rahmen des Zugewinnausgleichs an die Ehefrau zahlen.

Dieses Beispiel ist natürlich stark vereinfacht, zeigt aber das Grundprinzip der Berechnung des Zugewinnausgleichs deutlich. Die tatsächliche Berechnung ist im Detail weitaus komplizierter.


2.

Die Besonderheit in Ihrem Fall ist, dass Ihr Ehemann während der Ehezeit ein Haus von seinen Eltern, das ein Verkehrswert von 300.000 € hat, geschenkt bekam. Dieser Betrag wird dem Anfangsvermögen des Ehemanns zugerechnet, so dass also bereits beim Anfangsvermögen ein Betrag von 300.000 € auf der Seite Ihres Ehemanns steht.

Durch Renovierungsarbeiten und auch durch den Zeitablauf dürfte sich der Verkehrswert des Hauses erhöht haben. An dieser Erhöhung nehmen Sie im Rahmen des Zugewinnausgleichs teil. D.h., wenn das Haus statt 300.000 € nunmehr 350.000 € Wert sein sollte, fällt die Wertsteigerung von 50.000 € in den Zugewinnausgleich. Bezüglich des Hauses hätten wir also ein Anfangsvermögen von 300.000 € und hinsichtlich des Endvermögens von 350.000 € auf der Seite des Ehemanns.

Was während der Ehezeit ausgegeben worden ist, ist für die Berechnung des Zugewinnausgleichs unbedeutend.


3.

Sie beabsichtigen, sich zu trennen. Wenn während der Ehezeit eine Wohnung gekauft wird, hat diese Wohnung einen Verkehrswert. Dieser Verkehrswert ist zum Stichtag, der für die Ermittlung des Endvermögens maßgeblich ist, vorhanden. Zu berücksichtigen ist aber, dass auch noch Schulden bestehen, weil im Zugewinnausgleich selbstverständlich nicht nur Aktivposten, sondern auch Passivposten (Verbindlichkeiten) zu berücksichtigen sind.


4.

Da die Aufnahme eines Hypothekendarlehen als Schulden in das Endvermögen einfließen, muss man sich überlegen, wer das Darlehen aufnimmt. Das gilt deshalb, weil sich durch das Darlehen das Endvermögen des Darlehensnehmers um die Darlehnshöhe reduziert.

In Ihrem Fall besteht die Gefahr, dass Sie im Rahmen des Zugewinnausgleichs unter Umständen Ihrem Ehemann gegenüber ausgleichspflichtig sind, weil Ihr Ehemann durch die Schenkung des Hausgrundstücks mit mindestens 300.000 € bereits ein recht hohes Anfangsvermögen hat.

Wenn Sie beide als Darlehensnehmer den Darlehensvertrag unterzeichnen, würde auch bei beiden die Darlehensschuld im Endvermögen berücksichtigt werden. Für Sie macht das keinen Sinn.

Noch schlechter ist Ihre zweite Option: Wenn nur Ihr Ehemann Darlehensnehmer würde, würde sich sein Endvermögen um die Darlehnsschulden reduzieren. Das kann für Sie nicht günstig sein.

Die günstigste Variante bezüglich des Darlehens für den Erwerb der Eigentumswohnung wäre, wenn Sie alleinige Darlehensnehmerin sind.


5.

Sie Fragen, wer den „Rest des Kredits" nach der Scheidung zu zahlen habe.

Bei der Option 1 haften Sie beide als Gesamtschuldner, d.h. die Bank kann von jedem von Ihnen die Rückzahlung des Darlehens verlangen. Wie Sie sich im Innenverhältnis ausgleichen, müsste vereinbart werden.

Bei der Option 2 kann sich die Bank nur an den Kreditnehmer, d.h. an Ihren Ehemann wenn.


6.

Der Zugewinnausgleich ist eine im Detail komplizierte Angelegenheit. Deshalb kann ich Ihnen nur empfehlen, sich vor Ort durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen, damit man mit exakten Zahlen arbeiten kann. Nur dann kann man ein Ergebnis erzielen, das auch den eigenen Vorstellungen entspricht.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 11.07.2019 | 14:36

Ich danke für Ihre Antwort.
Was ich nicht verstehe, warum gehört das Haus meines Mannes zum Anfangsvermögen (von 300.000 €) , wenn er das Haus von seinen Ältern erst nach der Eheschliessung geschenkt bekommen hat? Habe ich also gar keine Ansprüche auf das Haus nach der Scheidung?
Danke,

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.07.2019 | 16:11

Sehr geehrte Fragestellerin,

die Zurechnung der Schenkung seitens der Eltern Ihres Ehemanns zum Anfangsvermögen ergibt sich aus § 1374 Abs. 2 BGB .

Ansprüche hinsichtlich des Hauses haben Sie im Rahmen des Zugewinnausgleichs nur bezüglich des Wertzuwachses der Immobilie während der Ehezeit.

Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

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