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Zweitwohnsitz in Deutschland - Vor- und Nachteile

28.09.2018 17:05 |
Preis: 63,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Diplom Kaufmann Peter Fricke


Ich arbeite seit mehr als 5 Jahren im außereurpäischen Ausland (Vereinigte Arabische Emirate).
Den Wohnsitz in Deutschland habe ich bei meinem Wegzug seinerzeit aufgegeben.
Bei der Bewerbung auf eine Stelle in Deutschland war ein Führungszeugnis vorzulegen, welches ohne (Zweit-)Wohnsitz in Deutschland nicht erstellt werden kann. Ich könnte jederzeit bei meinen Eltern einen Wohnsitz haben (mein ehemaliges Zimmer). Postalisch nutze ich ohnehin die Anschrift meiner Eltern.

Meine Frage: Wäre eine Anmeldung im Haus meiner Eltern als Zeitwohnsitz möglich und welche Folgen hinsichtlich der Steuer- und Sozialversicherung und anderer Umstände wären zu bedenken?
Hinweis: In den VAR gibt es keine Einkommenssteuer, Arztbesuche in D zahle ich selbst, außerdem besteht eine Krankenversicherung über meinen Arbeitgeber.

Sehr geehrter Ratsuchender,

nur um ein Führungszeugnis zu erhalten, würde ich nicht über die Begründung eines Zweitwohnsitzes
nachdenken. Im übrigen halte ich diese Auffassung auch für unrichtig, da Sie als deutscher Staatsbürger
auf die Erteillung einer solchen Auskunft wohl einen Anspruch haben dürften. Das soll und wird aber nicht Gegenstandt der hiesigen Beratung sein.

Die unbegrenzte Steuerpflicht greift dort, wo Sie Ihren Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt innehalten, §§ 8 ff Abgabenordnung.

So regelt § 8 AO bereits, daß einen Wohnsitz jemand dort hat, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.

Die Begriffe des Wohnsitzes und des gewöhnlichen Aufenthaltes haben insbesondere Bedeutung für die persönliche Steuerpflicht natürlicher Personen bei der Einkommensteuer, die Sie ja wohl offenkundig in Deutschland vermeiden wollen.

Bei der Sozialversicherung dürften Ihnen keine Nachteile entstehen, soweit Sie über Ihren Arbeitgeber bereits versichert sind. Sonst griffe bei Ihnen wegen der zwischenzeitlich bestehenden Versicherungspflicht bei Krankenversicherungen die Verpflichtung, auf Ihre hohen Einnnahmen auch noch Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Das ist bei Ihnen nicht der Fall, jedoch die Nachteile bei der Steuer bleiben und dürften Ihrem Vorhaben wohl entgegen stehen.

Mit besten Grüssen

Fricke
RA
Dipl. Kfm.

Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 24.1.2001 unter dem Aktenzeichen I R 100/99 sowie mit weiterem Urteilt vom 28.1.2004 unter dem Aktenzeichen I R 56/02 so entschieden, wonach ein inländischer Wohnsitz auch dann zur unbeschränkten Steuerpflicht führt, wenn sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen im Ausland befindet, was bei Ihnen wohl der Fall ist. Für die Begründung eines (weiteren) Wohnsitzes gemäß § 8 AO kommt es danach auf den Umfang der zeitlichen Nutzung dieser "Nebenwohnung" nicht an. Auch wer nur tageweise in einer kleinen Wohnung oder gar nur tageweise im Monat im Hotel in Deutschland wohnt, ist unbeschränkt steuerpflichtig. Es gibt keinen allgemeinen Grundsatz des internationalen Steuerrechts, nach dem jede Person nur von dem Staat als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden darf, in dem sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen befindet. Die unbeschränkte Steuerpflicht hängt bei Doppelwohnsitz somit nicht vom Lebensmittelpunkt ab ( Argumente BFH).

Ich würde von Ihrem Vorhaben absehen.

Nachfrage vom Fragesteller 30.09.2018 | 15:50

Danke für Ihre Antwort. Gestatten Sie eine Rückfrage zur Klarstellung:

Als Flugbegleiter einer arabischen Airline müsste ich nach dem gültigen Doppelbesteuerungsabkommen gegen deutsche Besteuerung meines Einkommens unabhängig vom Wohnsitz eigentlich freigestellt sein.
Dies gilt aber nicht für Einkünfte aus Kapitalvermögen meines bei einer deutschen Bank geführten Depots, sobald ich einen Zweitwohnsitz in Deutschland anmelden würde?

MFG

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 30.09.2018 | 20:26

Sehr geehrter Nachfragender,

das DBA zwischen den beiden Ländern kenne ich nicht, ich weiss aber dass es ein solches gibt. Für gewöhnlich ist die Besteuerung des Einkommens ausgenommen, die BRD behält sich aber das Recht weiter gehender Besteuerungen für Kapitaleinkünfte vor. Aber wie gesagt, dazu müsste es einen Aufenthaltsort oder einen Wohnsitz geben, so daß ich prinzipiell bei meinem obigen Rat bleibe. Es sollte sich finanziell lohnen und kein Schaden sein, wegen formeller Gründe unüberlegt in der BRD einen Wohnsitz zu begründen. Zusammengefasst stimme ich Ihnen bei der Nachfrage also zu, weil ich das genau so sehe.

Mit besten Grüssen und einem "guten Flug" verbleibend

Fricke
RA

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