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Arbeitszeugnis Codes - bitte einmal entschlüsseln

31.08.2018 22:37 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Krim.-Dir. a.D. Willy Burgmer


Zusammenfassung: Es geht um Standards und Codes im qualifizierten Arbeitszeugnis.

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute habe ich mein Arbeitszeugnis erhalten, habe jedoch das Gefühl, dass es ein schlechtes ist (Note 4). Ich war 3 Jahre dort beschäftigt und habe selber gekündigt, da meine neue Vorgesetzte mich ständig vorgeführt und gemobbt hat. Ich bin mittlerweile 41 Jahre alt und hatte bislang immer gute / sehr gute Arbeitszeugnisse.

Darüber hinaus habe ich gekündigt und nicht - wie im Zeugnis genannt - im beidseitigem Einvernehmen,

Könnten Sie mir sagen, was die Sätze jeweils aussagen und welche Note dahinter steckt. Meines Erachtens steht mir doch ein 3er Arbeitszeugnis zu. Oder täusche ich mich. Könnten Sie mir hinter den Satz vielleicht eine bessere Bewertung schreiben, die mir auch zusteht. Auch empfinde ich das so wenig über mich ausgesagt wird.

Folgende Aussagen:

Frau X beherrschte ihr Aufgabengebiet sehr sicher und kennt sich mit allen Gegebenheiten des Unternehmens aus.

Sie verfügte über fundierte Fachkenntnisse, die sie effektiv und erfolgreich in die Praxis umzusetzen wußte.

Sie war stets zuverlässig und führte ihre Aufgaben sehr sorgfältig und planvoll aus.

Frau X arbeitete sich aufgrund ihrer guten Auffassungsgabe schnell in neue Arbeitsgebiete ein.

Die Arbeitsqualität von Frau x entsprach unseren Erwartungen in vollem Umfang.

Frau x erledigte die ihr übertragenden Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern war freundlich und einwandfrei.

Frau x verlässt unser Unternehmen in beidseitigem Einvernehmen (falsch, ich habe gekündigt).

Wir danken Frau x für die gute Mitarbeit und wünschen ihr für die Zukunft privat und beruflich alles Gute.




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Vielen lieben Dank

Gerne zu Ihrem Fall:

Sie haben bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein Zeugnis, das Angaben zur Art und Dauer der Tätigkeit enthält (einfaches Zeugnis), § 109 GewO. In der Regel können Sie aber ein qualifiziertes Zeugnis verlangen, in dem die Angaben auf die Leistung und das Verhalten im Arbeitsverhältnis erstreckt werden.

Die Pflicht zur Zeugniserteilung hat allein Ihr Arbeitgeber (AG). Er kann Sie durchaus auch zu einem Zeugnisentwurf Ihrerseits auffordern, was nicht nur zulässig ist, sondern nach meiner Erfahrung in der Praxis durchaus verbreitet. Er ist aber dazu nicht verpflichtet und müsste Ihrem Entwurf auch nicht folgen. Allenfalls als Arbeitshilfe nutzen.

Unabhängig davon, wer den Entwurf erstellt, ist es empfehlenswert, dass die Beteiligten das Zeugnis vor der endgültigen Ausfertigung besprechen, um Missverständnisse sowie zeit- und kostenintensive Zeugnisrechtsstreite zu vermeiden

Umgekehrt kann es sich mithin durchaus empfehlen, im Wege einer Gegenvorstellung frühzeitig den AG auf etwaige Fehler aufmerksam zu machen oder Änderungswünsche einzubringen.

Der Arbeitgeber soll das Zeugnis mit Wohlwollen erstellen. Ihm steht bei der Leistungs- und Verhaltensbewertung ein Beurteilungsspielraum zu. Die Rechtsprechung orientiert sich bei der Überprüfung von Zeugnissen an drei Kriterien: Ein qualifiziertes Zeugnis muss eine wahrheitsgemäße, nach sachlichen Maßstäben ausgerichtete und nachprüfbare Gesamtbewertung der Leistung und des Verhaltens des Arbeitnehmers enthalten. Bei der Beurteilung ist darauf zu achten, dass Gesamtbewertung und Einzelbewertungen miteinander korrespondieren. Wird dem Arbeitnehmer in den einzelnen Leistungsbewertungen durchweg ein „sehr gut" bescheinigt, in der Gesamtbeurteilung aber angegeben, er habe seine Aufgaben „immer zu unserer vollen Zufriedenheit gelöst" (entspricht der Note 2), ist dies nicht vereinbar und widersprüchlich. Der Arbeitnehmer kann Berichtigung des Zeugnisses verlangen. Qu.: (NJW-Spezial 2013, 50, beck-online)


Zu den sog. Codes in Zeugnistexten ist es so, dass das sog. „beredte Schweigen" zwar unzulässig sein kann (BAG, NZA 2001, 843). Der Arbeitnehmer kann dann sogr Berichtigung des Zeugnisses verlangen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn sofern branchenüblich die Erwähnung bestimmter Eigenschaften erwartet wird (Ehrlichkeit bei einer Kassiererin) muss das im Zeugnis erwähnt werden, weil das bezogen auf diese Tätigkeit ein Zeugnis lückenhaft erscheinen lässt. Fehlt das branchenspezifisch oder bezogen auf Ihre Tätigkeit, kann ein erfahrene Arbeitgeber/Personalsachbearbeiter daraus schließen, dass die zu erwartenden Eigenschaften bei Ihnen nicht vorgelegen haben.

Dies zum besseren Verständnis vorangestellt, jetzt zu Ihren konkreten Fragen:

Frau X beherrschte ihr Aufgabengebiet sehr sicher und kennt sich mit allen Gegebenheiten des Unternehmens aus.
Antwort: (befriedigend, Note 3 +), wobei hier ein leichtes Gefälle ggü. "sehr sicher" besteht. Besser: ....und kennt sich mit allen Gegebenheiten des Unternehmens bestens (sehr gut) aus.

Sie verfügte über fundierte Fachkenntnisse, die sie effektiv und erfolgreich in die Praxis umzusetzen wußte.
Antwort: (befriedigend, Note 3 -) wegen "effektiv und erfolgreich"; demgegenüber sind fundierte Fachkenntnisse an sich selbstverständlich, deshalb insgesamt nur 3 -

Sie war stets zuverlässig und führte ihre Aufgaben sehr sorgfältig und planvoll aus.
Antwort: Eindeutig "gut", Note 2 +.

Frau X arbeitete sich aufgrund ihrer guten Auffassungsgabe schnell in neue Arbeitsgebiete ein.
Antwort: Nach 3 JAHREN Praxis ist das etwa dünn, Code für "hat sich nicht sonderlich weiterentwickelt. Note ausreichend 4.

Die Arbeitsqualität von Frau x entsprach unseren Erwartungen in vollem Umfang.
Antwort: befriedigend, Note 3. Es fehlen nämlich Angaben zum Erfolg, also dem Ergebnis Ihrer Arbeit und auch zur Effizienz.

Frau x erledigte die ihr übertragenden Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.
Antwort: Befriedigend, Note 3 -. Die Standardformulierung für gut wäre: ...zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern war freundlich und einwandfrei.
Antwort: Das sind Verhaltensbeschreibungen, die nicht nicht benoten werden. Hier fehlt aber dringend der Zusatz "war stets freundlich und einwandfrei". Code für: War nicht immer freundliche und einwandfrei.

Frau x verlässt unser Unternehmen in beidseitigem Einvernehmen (falsch, ich habe gekündigt).
Antwort: Klarer Fehler im Zeugnis. Das Zeugnis muss, selbst bei Wohlwollensformeln, der Wahrheit entsprechen.

Hier also: ....auf eigenen Wunsch.....

Wir danken Frau x für die gute Mitarbeit und wünschen ihr für die Zukunft privat und beruflich alles Gute.

Antwort: Schlusssatz ok. Allerdings fehlt der Standardsatz: Wir "bedauern ihren Weggang sehr" und wünschen....





Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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