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Honorar für Anwalt zweifelhaft

14.08.2017 08:35 |
Preis: ***,00 € |

Anwaltsrecht, Gebührenrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Anja Holzapfel


Sehr geehrte Damen und Herren.
Meine Frau war dieses Jahr für zwei Monate (April/Mai) mit meinen Sohn in einen Frauenhaus.
In diese Zeit ging sie zu einer Rechtsanwältin um sich für Trennungsunterhalt und Kinderunterhalt zu beraten.
Diesen Beratungsgespräch in Höhe von 200 Euro hatte sie vor Ort gleich bezahlt.
Sie war nur einmal bei der Anwältin.

Ihre Anwältin hatte mir darauhin ein Brief gesendet mit der Aufforderung ihr monatlich 1800 Euro (Trennungsunterhalt + Kinderunterhalt) zu überweisen.
In der Zwischenzeit gab es mir meiner Frau eine Versöhnung und sie kamen beide wieder zurück nach Hause.
Ich ging nicht zu einem Anwalt um den geforderten Betrag zu Prüfen; da ich meine Frau zurück haben wollte.
Als meine Frau nach Hause kam, hatte sie Ihre Anwältin über diese Lageänderung informiert, dass wir uns versöhnt hatten.

Jetzt in August kam eine zweite Rechnung Ihrer Anwältin mit der Aufforderung für ihre erbrachte Leistung als
Honorar als angesetzten Streitwert 1800 Euro x 12 Monate = 21.600 Euro.
1,3 Geschäftsgebühr gemäß §13 RVG i.V. m. VV Nr. 2300 RVG -> 964,60 Euro
Post pauschal etc. -> 20 Euro
Anwaltshonorar - Nettobetrag -> 984,60 Euro
19% MwSt -> 187,07 Euro
Anwaltshonorar insg. = 1171,67 Euro


Fragen:
(1) Hat die Anwältin ein Anspruch auf dem geforderten Betrag? Es gab kein Prozess.

(2) Wenn Nein, gibt es ein Paragraph oder Gerichtsentscheid worauf ich mich schriftlich beziehen kann um mich gegen diese Rechnung wehren zu können?
Ich kann nachvollziehen, dass die Ihre Arbeit den Sie für den Brief benötigt hatte, bezahlt werden soll. Aber volles Honorar von 1171,67 Euro?

Vielen Dank.

PS: Falls Informationen hier noch fehlen sollten für eine Auswertung bitte mich kontaktieren.

Sehr geehrter Fragesteller,



Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:


Die abgerechneten Gebühren entsprechen der außergerichtlichen Tätigkeit. Für eine Angelegenheit von durchschnittlichem Aufwand und durchschnittlicher Schwierigkeit darf der Anwalt eine 1,3 Geschäftsgebühr fordern, wenn er den Gegner angeschrieben hat. Dafür, dass die Angelegenheit unterdurchschnittlich im Aufwand oder der Schwierigkeit war, wäre Ihre Frau beweispflichtig.

Der Gegenstandswert ist stets der Jahreswert des verlangten Unterhalts. Die von Ihnen mitgeteilte Gebührenforderung erscheint daher richtig.

Möglicherweise ist der Betrag, den Ihre Frau für das Beratungsgespräch gezahlt hat, darauf anzurechnen. Das hängt aber davon ab, ob sich die Beratung auch auf den Unterhalt bezogen hat.


Ich bedauere, Ihnen keine für Sie angenehmere Auskunft geben zu können, hoffe aber dennoch, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben. Ich bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen und verbleibe



mit freundlichen Grüßen

Anja Holzapfel
-Rechtsanwältin-
-Fachanwältin für Familienrecht-

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