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Kunstgalerie - Online - Veröffentlichung von Bildern (Fotos von Kunstwerken)

| 12.02.2017 15:17 |
Preis: ***,00 € |

Urheberrecht, Markenrecht, Patentrecht


Beantwortet von


17:57

Ein Kunde möchte eine Online-Kunstgalerie eröffnen/erstellen lassen.
Inhalt ist die Präsentation und Vermarktung von Kunstwerken.
Es handelt sich um Bilder früherer und aktueller Künstler, teilweise bekannte Künstler. (Acryl, Öl, Aquarell usw).Die Künstler kommen aus dem Ausland.

Der Inhaber der Kunstgalerie möchte Bilder präsentieren, die ihm selber gehören und ggfs. auch Abbildungen zeigen von Bildern, die er zum Weiterverkauf erwerben kann.

Darf der Kunde die Abbildungen (Fotos) der Kunstwerke so ohne weiteres online stellen oder benötigt er hierzu die konkrete Erlaubnis für jedes Bild bzw. Foto. Die Abbildungen wurden vom Kunden selber erstellt ( Wissensstand Webdesigner).

Was muss der Webdesigner (ich) der die Online-Kunstgalerie/Shop mit Anfrageformular erstellen soll, beachten? Wie kann ich mich absichern, wenn ich die Bilder vom Kunden bekomme um diese in eine Online-Galerie einzupflegen? Bitte um möglichst ausführliche Antwort, da ich auch den Kunden entsprechend informieren möchte, was notwendig ist.

Vielen Dank im voraus.

12.02.2017 | 16:07

Antwort

von


(1987)
Brandsweg 20
26131 Oldenburg
Tel: 0441-7779786
Web: http://www.jan-wilking.de
E-Mail:
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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Grundsätzlich stellt schon die bloße Fotografie eines geschützten Werks eine unerlaubte Vervielfältigung im Sinne des § 16 UrhG dar. Wenn allerdings im urheberrechtlichen Sinn »Erschöpfung« nach § 17 UrhG eingetreten ist, ist auch eine Bebilderung zum Zwecke des Verkaufs erlaubt ist, so der Bundesgerichtshof (BGH, Urt. v. 20.01.00, 29 U 4724/99 – Parfumflakon).

Dies gilt aber nur, wenn sich die Fotos im werbeüblichen Rahmen halten. Eine werbliche Ankündigung, die im Zusammenhang mit dem zulässigen Weitervertrieb steht und sich im Rahmen dessen hält, was für einen solchen Vertrieb üblich ist, liegt dann nicht mehr vor, wenn die konkrete Darstellung nach der Absicht des Werbenden eigene, über die Bewerbung des Produkts hinausgehende Zwecke erfüllt. Als Beispiel hierfür eine Entscheidung des OLG Düsseldorf GRUR-RR 2009, 45 , 47 - Schaufensterdekoration; dieser Entscheidung lag ein Fall zugrunde, in dem in einem Schaufenster einzelne Fotografien aus einem Buch zu Dekorationszwecken um ein Vielfaches vergrößert und nicht in dem Zusammenhang dargestellt wurden, der ihnen nach dem Inhalt des Buches zukam, so dass sie auf jeden Betrachter nicht wie eine werbemäßige Herausstellung des Buchs wirkten.
Als weiteres Beispiel sei ein Urteil des Landgerichts München I (LG München I, Urt. v. 03.12.08, 21 O 8276/08 - Pumuckl-Figur) genannt, in der einem Verkäufer untersagt wurde, mit einer aus einem CD-Cover herausgelösten Pumuckl-Figur für den Tonträgerabsatz zu werben.

Dies bedeutet in Ihrem Fall: Wenn die Kunstwerke noch geschützt sind (was in der Regel der Fall ist, wenn der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist), dürfen Fotos ohne Einwilligung der Rechteinhaber an den Kunstwerken nur veröffentlicht werden, wenn die Kunstwerke in der EU erworben wurden und sich die Veröffentlichung im werbeüblichen Rahmen zwecks Weiterverkauf hält. Zudem muss natürlich auch die Einwilligung der Fotografen vorliegen.
Fotos von geschützten Kunstwerken, die der Kunde nicht selbst erworben hat, sondern erwerben will, darf er grundsätzlich nur mit Einwilligung der Rechteinhaber veröffentlichen.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Jan Wilking

Rückfrage vom Fragesteller 12.02.2017 | 16:58

Hallo Herr Wilking,
vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.

Es handelt sich um Kunstwerke von Künstlern aus der Ukraine, also um außerhalb der EU erworbene Kunstwerke. Ob der Kunde diese in der Ukraine oder evtl. in einem anderen Land erworben hat, kann ich derzeit gar nicht sagen, ich denke, die kommen direkt aus der Ukraine.

Dann handelt es sich um Fotos von den kompletten Bildern, d.h. der Kunde hat sie teilweise in seinem Haus hängen und hat sie fotografiert, der Bilderrahmen wurde mit Photoshop entfernt. Diese dürfte er dann zum Weiterverkauf veröffentlichen oder muss er hier lebende bzw. noch nicht im entsprechenden Zeitrahmen verstorbene Künstler/Angehörige (Erben) um Erlaubnis fragen, wenn er eine Eigentumsurkunde oder ähnliches besitzt?

Ich vermute, andere Kunstgalerien lassen sich von den Künstlern, deren Werke sie verkaufen, schriftlich die Erlaubnis zur Veröffentlichung zum Verkauf erteilen? Ich würde meinen Kunden dann entsprechend hierüber informieren, dass er ebenso verfährt.


Abschließend habe ich das jetzt wie folgt verstanden:

1) ein Abbild im werbeüblichen Rahmen wäre für einen Verkauf eines Bildes entsprechend ja schon eine Abbildung des Bildes/Motives ohne Rahmen?

2a)Voraussetzung: Kunde hat das Bild gekauft (ist dann Rechteinhaber?)
Die Fotos müssten vom Eigentümer/Kunden des Bildes selbst gemacht werden. Wenn er einen Kaufvertrag o.ä. über das Bild hat, darf er das Foto dann veröffentlichen.

2b)
Kunde ist nicht Eigentümer des Bildes (Kunstwerks) sein und der Künstler ist noch nicht länger als 70 Jahre verstorben. Dann benötigt der Kunde für die Veröffentlichung einer Abbildung eines Bildes die Erlaubnis 1) der Rechteinhaber (Erben o.ä. etc.) und zusätzlich des Fotografen des Bildes

4) wie verhält sich das bei Bildern ausserhalb der EU, darf er diese gar nicht oder eher unproblematischer veröffentlichen, d.h. sind die Einschränkungen hier größer oder kleiner? Falls machbar, wäre eine Info, wie es sich bei Bildern die außerhalb der EU erworben wurden, sehr nett.


ich bin die Webdesignerin, die den Shop erstellen soll und hatte diesen Fall noch nicht. Die Fragestellung bei der Verwendung von Fotos im üblichen Sinne bzgl. Urheberrecht / Nutzungsrecht kenne ich soweit schon. Die Kunden selber machen sich über solche Fragen leider keine Gedanken und bevor ich als ausführende Kraft Ärger bekomme, dachte ich, ich informiere mich vorab.

Vielen Dank und viele Grüße nach Oldenburg,

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 12.02.2017 | 17:57

Vielen Dank für Ihre Nachfrage.

Das ist grundsätzlich alles korrekt, wie Sie es wiedergegeben haben. Allerdings gelten bereits 1 sowie 2a und 2b nur bei Erwerb innerhalb der EU.

§ 17 Abs. 2 UrhG lautet „Sind das Original oder Vervielfältigungsstücke des Werkes mit Zustimmung des zur Verbreitung Berechtigten im Gebiet der Europäischen Union oder eines anderen Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum im Wege der Veräußerung in Verkehr gebracht worden, so ist ihre Weiterverbreitung mit Ausnahme der Vermietung zulässig."

Bei außerhalb der EU erworbenen Kunstwerken sind regelmäßig die in dem jeweiligen Land geltenden Gesetze entscheidend. Leider ist mir die Rechtslage in der Ukraine bezüglich Urheberrechten nicht geläufig, sodass ich keine abschließende Beurteilung hierzu abgeben kann. Sie sollten sich daher auch gegenüber dem Kunden von jeglicher Verantwortung schriftlich freizeichnen lassen und ihm die Klärung der Rechte überlassen. Wichtig ist vor allem, dass Sie vom Kunden die schriftliche Erklärung bekommen, dass Sie nur für die technische Umsetzung verantwortlich sind und der Kunde für die Einhaltung aller Gesetze und Beachtung der Rechte Dritter verantwortlich ist und Sie im Streitfalle von Ansprüchen Dritter freistellt.

Mit freundlichen Grüßen

Bewertung des Fragestellers 12.02.2017 | 18:04

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Vielen Dank für die ausführlichen Informationen, die mir sehr weiterhelfen. Großes Danke!


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(1987)

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