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Umsatzsteuer bei Einkünften aus dem Ausland

| 06.01.2016 23:33 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Wehle


Sehr geehrte Damen und Herren,

Es geht um die Umsatzsteuer bei Einkünften aus dem Ausland.

Ich biete Dienstleistungen an, genauer gesagt persönliche interkulturelle Beratung. Meine Kunden kommen aus der ganzen Welt und wir sprechen über Skype. Dabei gibt es die folgenden Szenarien:

1) Privatpersonen aus einem EU-Land. Hier muss ich meinem Honorar die deutsche Umsatzsteuer hinzufügen. Ist das richtig?

2) Privatpersonen aus der Schweiz, USA und anderen Nicht-EU-Ländern weltweit. Hier habe ich teils gegensätzliche Informationen gelesen. Muss ich meiner Rechnung Umsatzsteuer hinzufügen?

3) Ich arbeite mit einer Online-Plattform, die ihren Sitz in Hong Kong hat (ohne europäische USt-IdNr.). Die Kunden sind Privatpersonen (aus der ganzen Welt, inkl. EU), buchen meine Dienstleistungen und zahlen direkt an diese Plattform. Ich bekomme dann von der Plattform mein Honorar, abzüglich einer Kommission. Es funktioniert mehr oder weniger wie eBay, nur dass es sich nicht um Waren sondern um eine Dienstleistung handelt. Muss ich meiner Rechnung Umsatzsteuer hinzufügen?

Vielen Dank im Voraus!

Sehr geehrter Ratsuchender,

gern beantworte ich Ihre Frage aufgrund der von Ihnen getätigten Angaben wie folgt.

Ich möchte einmal mit dem Punkt 3 beginnen.
zu 3) hier zunächst ein Frage… Wie ist Ihr Vertrag ausgestaltet mit der Plattform? Erbringen Sie Ihre Leistung unmittelbar an den Kunden und die Plattform ist hier nur Vermittler, mit der Folge, dass die Zahlungseingänge mittels Ihrer Rechnung an die Kunden erfolgt, bei Zahlung an die Plattform Fremdgeld darstellt, oder aber erhalten Sie von der Plattform keine Kundendaten für eine Rechnungslegung (bitte beachten Sie § 14 Abs. 4 UStG - Rechnungsinhalt) und erbringen somit die Leistung für die anbietende Plattform??

Im letzteren Fall hätten Sie nur einen Vertragspartner – die Plattform und Ihre Rechnungen wären ohne Umsatzsteuer, da das Unternehmen seinen Sitz in einem Drittland hat (§ 3a Abs. 2 Satz 1 UStG)

Im anderen Fall gilt soweit die Nicht-Unternehmer ihren Wohnsitz im Drittlandsgebiet haben § 3a Abs. 4 Satz 1, Satz 2 Nr. 3 UStG. Die Leistung ist ohne USt in Rechnung zu stellen.

Anders sieht das bei Leistungsempfängern innerhalb der EU aus. Hier ist die Rechnung mit der jeweiligen Umsatzsteuer des Landes auszustellen, in der Leistungsempfänger seinen Wohnsitz hat. Ein Unternehmerisches Problem dabei ist, dass diese für die jeweiligen Wohnsitzländer in Deutschland eingenommene fremde Umsatzsteuer auch an diese abzuführen ist. Um zu vermeiden, dass sich ein Unternehmer (oft nur für geringe Umsatzsteuerbeträge) in mehreren EU-Ländern registrieren lassen muss, wird ein neues vereinfachtes Besteuerungsverfahren eingeführt (§ 18 h UStG). Unternehmer mit Sitz in Deutschland, die an diesem Verfahren teilnehmen wollen, müssen dies
- gegenüber dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt)
- nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz
- durch Datenfernübertragung nach der Steuerdaten-Übermittlungsverordnung anzeigen.
Hat der Unternehmer sich für dieses Verfahren angemeldet, dann gilt diese Anmeldung für seine elektronischen Leistungen an Privatpersonen in allen EU-Ländern, in denen der Unternehmer weder einen Sitz noch eine Betriebsstätte hat (= sog. kleine Anlaufstelle, bezeichnet als Mini One Stop Shop – MOSS).

Sollten noch Fragen offengeblieben sein oder sich welche hinzugesellt haben, nutzen Sie bitte die Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Wehle
Rechtsanwalt /Aachen

Nachfrage vom Fragesteller 07.01.2016 | 12:53

Sehr geehrter Herr Wehle,

vielen Dank für die schnelle Antwort. Zum besseren Verständnis erkläre ich Punkt 3 mehr im Detail:

1) Der Kunde erwirbt auf der Online-Plattform sogenannte "credits" (10 credits entsprechen €1, die Zahlung erfolgt über PayPal an die Plattform). Diese credits werden seinem Guthaben-Konto auf der Plattform gutgeschrieben.

2) Auf der Plattform gibt es viele Online-Profile von Dienstleistungsanbietern, darunter auch meines. Die Dienstleistungen sind in credits ausgeschhrieben, z.B. eine Stunde Beratung kostet 350 credits.

3) Der Kunde sucht sich mein Profil aus und bucht eine Beratung. Ich erhalte keine persönlichen Daten vom Kunden, weder Adresse noch den richtigen Namen, wenn er ihn nicht in seinem Profil angegeben hat. Ich erhalte vom Kunden auch keine Zahlung. Ich erhalte von der Plattform nur das Datum, die Uhrzeit und die Skype-ID um mit ihm in Kontakt treten zu können.

4) Nachdem der Kunde auf der Plattform bestätigt hat, dass die Beratung erfolgreich abgeschlossen wurde, wird der credit-Betrag von seinem Guthaben-Konto auf mein Guthaben-Konto auf der Plattform transferiert.

5) Einmal pro Monat lasse ich mir den angesammelten credit-Betrag auf meinem Guthaben-Konto in Euro umwandeln und von der Plattform auf mein PayPal-Konto überweisen.

Die Plattform hat ihren Sitz wie gesagt in Hong Kong. Können Sie anhand dieser Informationen bestätigen, dass ich auf den erhaltenen Betrag keine Umsatzsteuer hinzufügen muss? Muss ich die Plattform nach irgendeiner lokalen Steuernummer fragen und die dann auf der Rechnung angeben? (wie beim Reverse Charge Verfahren mit Unternehmen in der EU)

Nochmals Vielen Dank!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 07.01.2016 | 15:23

Sehr geehrter Ratsuchender

das sieht doch gut aus.
Nach Ihrer Darstellung würde ich davon ausgehen, dass Sie für das "Vermittlungs"-Portal Ihre Leistung erbringen, also Ihre Leistung am Ort dieses Untenehmens erbringen und diese somit in Deutschland nach § 1 iVm § 3a UStG nicht steuerbar in Deutschland und damit umsatzsteuerfrei erbracht wird.

Eine Steuernummer des Hongkonger Unternehmens benötigen Sie nicht unbedingt, nur müssen Sie im Notfall in geeigneter Weise dessen Unternehmereigenschaft nachweisen können. Hier sehe ich aber kein Probelm Angesichts der Aufstellung dieses Unternehmens mit der Darstellung nach außen.

Mit freundlichen Grüßen
RA A. Wehle

Bewertung des Fragestellers 07.01.2016 | 17:21

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