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Nachbar fällt Bäume auf meinem Grundstück

| 17.09.2015 13:33 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Beantwortet von


16:14

Mein Nachbar hat sich angeboten, gemeinsam mit seinen Freunden mehrere Bäume auf meinem Grundstück in Berlin zu fällen, wenn er als Gegenleistung das Holz behalten kann.
Ich kann bei den Arbeiten nicht zugegen sein, um diese zu beaufsichtigen. Ich selbst habe noch keine Versicherung für das Grundstück abgeschlossen.

Welche Risiken ergeben sich für mich daraus, z.B.,
-wenn ein Baum umstürzt und Schäden bei Dritten anrichtet,
-wenn er oder einer seiner Freunde dabei verletzt wird,
-er versehentlich einen geschützten Baum fällt?

Gibt es evtl. Risiken, die ich noch nicht bedacht habe?

17.09.2015 | 14:58

Antwort

von


(302)
Hopfengartenweg 6
90451 Nürnberg
Tel: 091138433062
Web: http://www.frischhut-recht.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Welche Risiken ergeben sich für mich daraus, z.B.:

1.)
ein Baum umstürzt und Schäden bei Dritten anrichtet?

Sollten Dritten Schäden durch unsachgemäße Baumfällarbeiten entstehen, weil Ihr Nachbar und/oder dessen Freund schuldhaft gehandelt haben, so haften Sie unter Umständen für diese Schäden gem. § 831 BGB .

Diese Ersatzpflicht tritt jedoch nicht ein, wenn Sie bei der Auswahl der bestellten Person(en) die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beobachtet haben oder wenn der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorgfalt eingetreten wäre. (sog Exculpationsmöglichkeit)

Sie haften unter Umständen also dann, wenn Ihr Nachbar fahrlässig einen Schaden bei Dritten verursacht und man Ihnen bei der Beauftragung Ihres Nachbarn ein sog. Auswahlverschulden vorwerfen könnte. Ob ein solches Auswahlverschulden vorliegt wird sich im konkreten Fall unter anderem danach richten, ob Ihr Nachbar die nötigen Kenntnisse für das sichere Fällen von Bäumen hat und demgemäß als vertrauenswürdig erachtet werden durfte.

2.
wenn er oder einer seiner Freunde dabei verletzt wird

Verletzt sich Ihr Nachbar oder der Freund des Nachbarn auf Ihrem Grundstück, so wäre eine Haftung nur denkbar, wenn Sie schuldhaft Ihren sog. Verkehrssicherungspflichten nicht hinreichend nachgekommen wären. Die so genannte Verkehrssicherungspflicht basiert auf § 823 BGB . Danach ist schadenersatzpflichtig, „wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt".

Bei Mängeln auf Ihrem Grundstück, also beispielsweise eine nicht ordnungsgemäß gesicherte Grube oder ähnliches, durch die sich Ihr Nachbar verletzt, käme grundsätzlich eine Haftung in Betracht.

3.
-er versehentlich einen geschützten Baum fällt?

Dies sollten Sie unbedingt vorab klären. Wird bei den Baumfällarbeiten gegen die Baumschutzverordnung verstoßen, welche auch auf Privatgrundstücken Anwendung findet,
würde eine solche Ordnungswidrigkeit zu Ihren Lasten gehen, denn Sie sind Eigentümer des Grundstücks. Zudem haben Sie die Baumfällung auch veranlasst. Adressat eines möglichen Bußgeldbescheides wären also Sie. Hier drohen Geldbußen von bis zu EUR 50.000,00.

Ein weiteres, Risiko welches Sie noch beachten sollten, ist ein möglicher Schadenseintritt bei Ihnen. Es wäre daher auch ratsam nach dem Bestehen einer Haftpflichtversicherung Ihres Nachbarn zu fragen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Bei weiteren Fragen oder wenn Sie bei diesem Fall anwaltliche Unterstützung benötigen sollten, stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit gern zur Verfügung, da meine Kanzlei auf bundesweite Mandate ausgerichtet ist. Die von Ihnen entrichtete Beratungsgebühr würde im Falle einer Beauftragung vollständig angerechnet werden.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt Mikio Frischhut

Rückfrage vom Fragesteller 17.09.2015 | 15:58

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich möchte noch einmal wegen §831 BGB nachhaken. Hier heißt es: "Wer einen anderen zu einer Verrichtung bestellt ..." Im vorliegenden Fall ist aber nicht die Verrichtung der Fällarbeiten aus meiner Initiative heraus sachverhaltsprägend, sondern die Holzgewinnung aus der Initiative meines Nachbarn heraus, die von mir lediglich geduldet wird. Der Erfolg des Handelns liegt also überwiegend im persönlichen und wirtschaftlichen Interesse meines Nachbarn. In diesem Falle fände doch §831 BGB keine Anwendung? Ich sehe aber aufgrund Ihrer Interpretation der Situation, dass es hier zu Missverständnissen kommen kann. Daher die Frage, ob wir eine schriftliche Vereinbarung entsprechenden Inhalts treffen sollten.

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 17.09.2015 | 16:14

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Nachfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Voraussetzung für eine Haftung nach § 831 BGB ist, dass Ihr Nachbar als Verrichtungsgehilfe für Sie tätig wird. Die übertragene Tätigkeit kann rechtsgeschäftlich aber auch rein tatsächlicher Natur sein. Sie muss auch nicht entgeltlich erfolgen.

Nach meiner Rechtsauffassung dürften die von Ihnen angeführten Argumente nicht ausreichen um einer Haftung zu entgegen. Der Verrichtungsgehilfe muss zwar bei Ausführung vom Willen des Geschäftsherren abhängig sein. Hierfür genügt es jedoch, dass Sie als Geschäftsherr die übertragene Tätigkeit faktisch jederzeit beschränken und untersagen können. Vorliegend entscheiden allein Sie, welche Bäume gefällt werden dürfen. Auch könnten Sie jederzeit dazu auffordern das Fällen einzustellen. Ich fürchte daher, dass § 831 BGB Anwendung finden könnte, auch wenn die Initiative zunächst von Ihrem Nachbarn kam.

Eine schriftliche Übereinkunft zwischen Ihnen und Ihrem Nachbarn dürfte an einer Haftung nach § 831 BGB übrigens nichts ändern. Im Rahmen einer vertraglichen also einer schuldrechtliche Vereinbarung können Sie nur Regelungen vereinbaren, die zwischen Ihnen und Ihrem Nachbarn, nicht jedoch gegenüber Dritten gelten. Sie können durch eine solche Vereinbarung daher nicht ausschließen, dass Sie seitens Dritter in Haftung genommen werden.

Ich hoffe, Ihre Nachfrage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.

Bei weiteren Fragen oder wenn Sie bei diesem Fall anwaltliche Unterstützung benötigen sollten, stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit gern zur Verfügung, da meine Kanzlei auf bundesweite Mandate ausgerichtet ist. Die von Ihnen entrichtete Beratungsgebühr würde im Falle einer Beauftragung vollständig angerechnet werden.

Mit freundlichen Grüßen


Dipl.iur. Mikio A. Frischhut
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 21.09.2015 | 00:19

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Für mich als Fragesteller kommt es darauf an, im Vorfeld zu erkennen, welche rechtlichen Auswirkungen mein Handeln haben kann und wie es im Falle eines Rechtstreits juristisch bewertet wird. Auch wenn mir die Antwort nicht gefällt, so hat sie mich doch vor Schaden bewahrt. Ich wünsche mir mehr Anwälte, die ihren Mandanten reinen Wein einschenken und damit manchen kostenintensiven Rechtstreit ersparen. Deshalb herzlichen Dank und weiter so!

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ANTWORT VON

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