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Erbengemeinschaft, Tod eines Erben, Steuerpflicht

| 02.09.2015 14:58 |
Preis: ***,00 € |

Erbrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Lars Winkler


Zusammenfassung: Die Vererbung eines Anteils an einer ungeteilten Erbengemeinschaft ist ein erbschaftsteuerpflichtiger Vorgang. Dem steht nicht entgegen, dass der Miterbe in der Erbengemeinschaft über einzelne Gegenstände aus dem Nachlass nicht verfügen kann. Geschwister des Erblassers fallen in die Steuerklasse II.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bilde mit meinen zwei Geschwistern eine Erbengemeinschaft im Besitz u.a. eines Hauses. Für den Fall meines Todes möchte ich eine Teilung meiner Hinterlassenschaft zu gleichen Teilen für meine Geschwister vorsehen, wie es auch der gesetzlichen Erbfolge entspricht. Weitere relevante Angehörige existieren nicht. Das Haus wird von meinem Bruder und mir bewohnt.
Meine Frage:
Ist der Übergang meines Anteils an dem Besitz der Erbengemeinschaft an meine Geschwister überhaupt ein ggf. steuerpflichtiger Vererbungsvorgang? M.W. besitzten die Mitglieder doch gemeinsam die gesamte Erbschaft.
Andernfalls könnte es eintreten, daß das Haus von der restlichen Erbengemeinschaft verkauft werden müßte, wenn die Mittel zur Steuerzahlung fehlen (Wert des Hauses: ca. 260.000 EUR) und daß insb. mein Bruder das Haus verlassen müßte.
Ist das tatsächlich so?

Sehr geehrter Fragesteller,

Lassen Sie mich Ihre Anfrage wie folgt beantworten:


Die Vererbung eines Anteils an einer Erbengemeinschaft ist ein erbschaftsteuerpflichtiger Erwerbsvorgang:

Die Verfügungsgewalt der Miterben in einer Erbengemeinschaft ist nicht ganz einfach zu erklären und zu verstehen, lassen Sie es mich einmal plastisch versuchen. Recht haben Sie damit, dass in einer ungeteilten Erbengemeinschaft (die hier bei Ihnen vorliegt) ein Miterbe nicht über einzelne Gegenstände im Nachlass verfügen kann. Das regelt § 2033 Abs. 2 BGB. Jeder Miterbe kann aber in der ungeteilten Erbengemeinschaft sehr wohl über seinen Anteil an der Erbengemeinschaft verfügen, das regelt § 2033 Abs. 1 Satz eins BGB.

Sie müssen sich das ähnlich vorstellen wie bei einer juristischen Person, zum Beispiel einer GmbH. Dort können Sie als Mitgesellschafter der GmbH auch nicht einseitig über einzelne Gegenstände verfügen, die dem Unternehmen gehören. Sie können aber sehr wohl über Ihre Anteile an der GmbH verfügen, diese zum Beispiel verkaufen oder vererben (auch wenn der Gesellschaftervertrag der Einschränkungen machen kann).

Bei der „Firma Erbengemeinschaft" verhält es sich genauso. Sie können das Haus oder Ihren Anteil daran weder verkaufen noch vererben. Sehr wohl verkaufen oder auch vererben können Sie aber Ihren Anteil an der Erbengemeinschaft. Dies ist – wie die Vererbung sonstiger Vermögensgegenstände auch – erbschaftssteuerpflichtig.


Die Steuerlast für Geschwister bei den hier angegebenen Werten ist trotzdem noch einigermaßen überschaubar:

Geschwister des Erblassers fallen gemäß § 15 Erbschaftssteuergesetz in die Steuerklasse II. Damit haben sie gemäß § 16 Erbschaftssteuergesetz einen Freibetrag von jeweils 20.000 €, gemäß § 19 Erbschaftssteuergesetz beträgt der Steuersatz für den steuerpflichtigen Erwerb 15 %.

Damit kann man einmal folgende überschlägige Kalkulationen anstellen:

Hier gehe ich davon aus, dass Ihnen an der Erbengemeinschaft ein Anteil von einem Drittel zusteht. Bei einem Wert von 260.000 € wäre das ein Anteil von 86.666 €. Wenn Sie Ihren Anteil an der Erbengemeinschaft zu gleichen Teilen an die Geschwister vererben, dann würden beide je 43.333 € bekommen. Ein Freibetrag von 20.000 € wird für beide jeweils abgezogen. Es verbleiben damit 23.333 € steuerpflichtiger Erwerb. Hiervon 15 % macht ganz knapp unter 3500 € Steuerpflicht für jeden Erben.

Ansonsten lässt sich unter Umständen Steuern sparen, indem man Teile seines Vermögens schon zu Lebzeiten den späteren Erben schenkt. Dabei kann man alle zehn Jahre den Freibetrag erneut ausnutzen. Schenkungs- und Erbschaftssteuer werden dabei aufeinander angerechnet. Je nach Lebensalter kann das ein gangbarer Weg zur Minderung der Steuerlast sein.


Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 02.09.2015 | 16:30

Sehr geehrter Herr Winkler,
vielen Dank für die klear Antwort.
Um mich zu vergewissern, nur noch die Nachfrage:
Die oben genannte Tatsache, daß mein Bruder und ich das Haus gemeinsam bewohnen und einen gemeinsamen Haushalt führen, hat anscheinend für die Frage des Freibetrages bzw. der Steuerpflicht keine Bedeutung?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 02.09.2015 | 17:56

Sehr geehrter Fragesteller,


Zu Ihre Nachfrage folgendes:

Die gemeinsame Haushaltsführung mit dem ebenfalls im Haus lebenden Bruder hat auf die Erbschaftssteuer leider Gottes keine Auswirkung. Es gibt zwar eine Steuerbefreiung für das von den Erben weiter bewohnte Familienheim gemäß § 13 Ziffern 4a bis c Erbschaftssteuergesetz. Diese gelten aber lediglich bei Schenkungen unter Ehegatten, bei Vererbung an den Ehegatten, an Kinder sowie – nur bei bereits verstorbenen Kindern – an Enkel.

Sofern Geschwister erben greift diese Steuerbefreiung für das Familienheim leider Gottes nicht. Insofern hat das Wohnen in geerbten Haus und die gemeinsame Haushaltsführung auch keine Auswirkungen.


Mit freundlichen Grüßen,

Lars Winkler
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 04.09.2015 | 02:27

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