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Inkassorechnung nach über 10 Jahren wegen überzogenem Konto

| 14.05.2015 17:41 |
Preis: ***,00 € |

Inkasso, Mahnungen


Beantwortet von


in unter 2 Stunden
Guten Tag,
folgendes ist passiert: Ein Student aus den EU-Ausland hat 2003 in Deutschland studiert. Er hatte ein Girokonto bei einer deutschen Bank und vergaß bei seiner Abreise das Fitness-Studio rechtzeitig zu kündigen. Deswegen wurde das Konto in 2003 um über 1000 Euro überzogen. Davon wusste der Student nichts, da das Konto in Vergessenheit geraten war. Daher hat der Student der Bank auch nicht den Umzug mitgeteilt. Nach dem Studium fand der Student 2006 in Deutschland Arbeit und ist seitdem auch wieder in Deutschland gemeldet. Erst in 2011 erfuhr der Student durch eine zufällige Schufa-Selbstauskunft, dass eine Forderung gegen ihn bestünde und seit 2006 ein Eintrag bei der Schufa existiert. Eine Nachfrage bei der Bank verlief sich im Sand.

2015 wurde vom Student ein zweiter Versuch unternommen die Angelegenheit zu klären (hauptsächlich per Email). In der Mail bat der ehemalige Student um Information wie er die Schulden begleichen solle. Drei Wochen später kam telefonisch die Auskunft, dass die Forderung bereits gelöscht wäre. Der Bitte, das noch kurz schriftlich zu bestätigen wurde nicht gefolgt, sondern es traf ein paar Tage darauf eine Mail mit der Information ein, dass die Kontaktdaten an das zuständige Inkassounternehmen weitergeleitet wurden.

Diese haben dann postwendend einen Brief verfasst in dem knapp 2000 Euro gefordert werden. Die Forderungen werden auch aufgeschlüsselt in die Hauptforderung, Mahnkosten, Inkassovergütung und Zinsen seit 2007. Bei Nichtzahlung innerhalb von 7 Tagen nach Erhalt werden gerichtliche Schritte angedroht.
Der Inkassodienst teilt in dem Schreiben noch mit, dass sie in 2007 beauftragt wurden die Forderung aus der Überziehung des Bankkontos in 2003 einzuziehen. Als Auftraggeber wird die Bank genannt.

Das war das erste Schreiben, das der Student erhalten hat und das auch nur, weil er in Eigeninitiative auf die Bank zugegangen ist und der Bank die aktuelle Adresse mitgeteilt hat. Obwohl der Student beim Einwohnermeldeamt seit 2006 (jedoch in einem anderen Ort als damals in 2003) gemeldet war, wurde er weder von der Bank noch dem Inkassounternehmen (unter seiner gültigen Adresse) kontaktiert.

Nun die Frage:
Ist die Forderung nicht längst verjährt oder haben der Umzug oder andere Umstände die Verjährung bis heute gehemmt? Der ehemalige Student hat kein Schuldanerkenntnis unterschrieben und ihm ist auch kein gerichtliches Mahnverfahren/Vollstreckungsbescheid bekannt.
- Falls eine Verjährung vorliegt, wie sollte das korrekt dem Inkasso-Dienst mitgeteilt werden?
- Falls die Verjährung der Hauptforderung doch nicht vorliegt, ist dann zumindest der Verzugsschaden hinfällig?
14.05.2015 | 18:43

Antwort

von


(21)
Köpitzer Straße 4
10315 Berlin
Tel: 030/5110683
Web: http://www.kanzlei-weber-berlin.de
E-Mail:

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für die Nutzung von frag-einen-anwalt.de.

Sehr gern beantworte ich Ihre Anfrage basierend auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Informationen wie folgt:

Wie Sie selbst bereits festgestellt haben, drängt sich vorliegend die Frage nach der Verjährung des -vermutlich- im Jahre 2003 entstandenen Rückforderungsanspruchs der Bank auf.

Die Verjährung beginnt gemäß § 199 BGB in dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch der Bank entstanden ist. Vorsichtig ist hier davon auszugehen, dass die Bank den Dispokredit im Jahre 2003 gekündigt hat, spätestens jedoch wohl im Jahre 2004. Dann würde die Verjährung im erstgenannten Fall im Jahr 2004 und im zweitgenannten Fall im Jahr 2005 beginnen.
Damit wäre die Forderung der Bank mit Ablauf des Jahres 2006 (bzw. 2007) verjährt gewesen. Ein Umzug des Schuldners hemmt die Verjährung nicht. Jedoch könnte gem. § 197 Abs. 1 BGB ein vorliegender Titel die Verjährungsfrist auf 30 Jahre verlängern. Insbesondere könnte hier ein Vollstreckungsbescheid oder ein Urteil (Versäumnisurteil) gegen den damaligen Studenten vorliegen und damit die Verjährung des Anspruchs noch nicht eingetreten sein. Da der damalige Student vergaß, der Bank die Adressänderung mitzuteilen, bestand für die Bank die Möglichkeit, die Klage öffentlich zuzustellen, wenn sie glaubhaft macht und belegt, dass eine ladungsfähige Anschrift nicht zu ermitteln ist, und so ein Versäumnisurteil gegen den damaligen Studenten zu erwirken. Daher müsste der damalige Student auch nicht zwangsläufig Kenntnis über einen gegen ihn erwirkten Titel haben.
Der Student könnte dies in Erfahrung bringen, indem er beim Amtsgericht des damaligen Wohnsitzes anfragt, ob ein Verfahren gegen ihn geführt wurde und ein entsprechender Titel erlassen wurde. Problematisch könnte in diesem Zusammenhang die Aufbewahrungsfrist der Gerichte sein. Viele Amtsgerichte vernichten bereits nach 5 Jahren die Unterlagen über geführte Prozesse. Dennoch sollten Sie es versuchen.

Dann, oder auch parallel dazu, sollte der damalige Student dem Inkassobüro gegenüber die Einrede der Verjährung geltend machen. Das Inkassobüro ist dann gehalten, in irgendeiner Form darzulegen, warum seiner Meinung nach eine Verjährung noch nicht eingetreten ist, ggf. muss das Inkassobüro dem Studenten eine Kopie des damals ergangenen Titels zukommen lassen.

Wenn die Forderung verjährt ist, sind von dem Studenten weder die Hauptforderung, noch die Verzugskosten zu begleichen. Ist die Forderung tituliert und die 30-jährige Verjährungsfrist wurde in Gang gesetzt, ist der Gläubiger der Hauptforderung grundsätzlich auch berechtigt, einen Verzugsschaden geltend zu machen. Ob dann die Höhe der einzelnen Positionen korrekt berechnet wurde und überhaupt die einzelnen Positionen einen relevanten Verzugsschaden darstellen, müsste anhand der vorliegenden Aufstellung überprüft werden. Zu beachten ist, dass z.B. Zinsen, die noch nicht von einem eventuellen damaligen Titel konkret zahlenmäßig umfasst sind, weiterhin bereits nach 3 Jahren verjähren. Für die später entstandenen Verzugszinsen gilt also die 30-jährige Verjährungsfrist nicht, Gleiches gilt für den Fall, dass die bis zur Klage entstandenen Zinsen nicht bereits in konkreter Höhe geltend gemacht und tituliert wurden.


Ich hoffe, Ihre Fragen verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten oder Nachfragen können Sie gern die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen
Jenny Weber
Rechtsanwältin


Rechtsanwältin Jenny Weber

Bewertung des Fragestellers 15.05.2015 | 16:37

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