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Fällt die Spekulationssteuer in Deutschland an durch Hausverkauf in Polen?

| 14.05.2015 12:14 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andre Jahn, LL.M. (US)


Zusammenfassung: Es geht um die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei unbeweglichem Vermögen in Polen bei Ansäßigkeit in Deutschland.

Sehr geehrte Damen und Herren,
meine Frau und ich möchten unser Haus in Polen dieses Jahr (2015) verkaufen. Wir besitzen beide die Deutsche Staatsbürgerschaft und leben in Deutschland. Das Haus in Polen haben wir im Jahr 2008 erworben, nun stellt sich die Frage, ob wir nach Verkauf in Deutschland Spekulationssteuer zu zahlen haben, da die 10 Jahre Haltefrist noch nicht vollendet ist? In Polen besteht eine 5 jährige Haltefrist.
Vielen Dank für eine Antwort.


Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich ihre Frage auf der Basis der gegebenen Informationen wie folgt, wobei ich davon ausgehe, dass Sie die polnische Immobilie im Privatvermögen halten. Die Staatsangehörigkeit ist vorliegend nicht entscheidend. Zunächst einmal sind Sie und Ihr Ehemann aufgrund ihres deutsches Wohnsitzes, hier mit Ihrem Welteinkommen unbeschränkt steuerpflichtig (§ 1 EStG, § 8,9 AO), sofern nicht ein vorrangiger völkerrechtlicher Vertrag das Besteuerungsrecht für Einkommen aus ausländischen Quellen einem anderen Staat zuweist.

Gem. Art. 6, Art 13, 23 und 24 des deutsch-polnischen Doppelbesteuerungsabkommens für die Einkommenssteuer wird das vorrangige Besteuerungsrecht für Veräußerungsgewinne aus unbeweglichem Vermögen, das in Polen belegen ist, auch Polen zugewiesen. Gem. Art. 24 Abs.1 Buchstabe a DBA-Dtl-Polen nimmt Deutschland solche Veräußerungsgewinne von der Berechnung der Bemessungsgrundlage der deutschen Steuer aus (sogenannte „Freistellungsmethode") und für die polnische Steuer kommt es natürlich auch nur auf die polnische Haltefrist an.

Aufgrund des Progressionsvorbehalts darf der deutschen Staat diesen polnischen Veräußerungsgewinn aber nach wie vor nutzen, um einen höheren deutschen Einkommenssteuersatz auf Sie anzuwenden. Das hat aber mit der Haltefrist nichts zu tun.

Bei Unklarheiten haben Sie hier auch eine kostenlose Nachfragefunktion.

Mit freundlichen Grüßen
Ra. Jahn

Nachfrage vom Fragesteller 14.05.2015 | 17:23

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,
vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage.
Zusammenfassend verstehe ich Sie so, dass die Haftfrist nach deutschem Recht von 10 Jahren bei dem Veräußerungsgewinn durch den Hausverkauf in Polen nicht greift, also keine Spekulationssteuer in Deutschland anfällt, aber bei der Einkommenssteuer dieser Erlös in Deutschland mit besteuert wird?
Und wir dachten, dass der Gewinn aus der Veräußerung von unbeweglichem Vermögen in Polen besteuert wird und Deutschland stellt den Gewinn von der Steuer frei? Auf Grund des Doppelbesteuerungsabkommens.
Das heißt, wir müssen den Erlös als ausländische Einkünfte in der Einkommenssteuererklärung auch angeben?

Vielen Dank für die Nachfrage.
Beste Grüße

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 15.05.2015 | 00:48

Sehr geehrte Fragestellerin,

ich anworte im Fließtext:

Zusammenfassend verstehe ich Sie so, dass die Haftfrist nach deutschem Recht von 10 Jahren bei dem Veräußerungsgewinn durch den Hausverkauf in Polen nicht greift, also keine Spekulationssteuer in Deutschland anfällt, aber bei der Einkommenssteuer dieser Erlös in Deutschland mit besteuert wird?

Ich gebe zu, dass es nicht einfach zu verstehen ist, aber genau genommen ist es so: Aus deutscher Sicht greift zunächst einmal die 10-jährige Spekulationsfrist tatsächlich ein. Wenn sie nicht eingreifen würde, würde sich überhaupt kein Doppelbesteuerungsproblem stellen, da keine deutsche Steuer anfallen würde. Weil nun aber dass DBA das Besteuerungsrecht für Veräußerungserlöse aus der Veräußerung von unbeweglichem Vermögen, das in Polen liegt, vorrangig Polen zuweist, darf Deutschland diesen Erlös nicht direkt besteuern. Das soll heißen, es darf nicht sagen: Ihr Einkommen ist X plus Veräußerungsgewinn in Polen, damit sind sie in Einkommenssteuersatz Z und wir besteuern die Summe aus X plus Veräußerungsgewinn in Polen zum Einkommenssteuersatz Z. Das geht nicht! Was aber ungeachtet der Freistellungsmethode geht, ist aus Sicht des deutschen Fiskus folgendes: Ihr Einkommen ist X plus Veräußerungsgewinn in Polen, damit gilt für sie Einkommenssteuersatz Z. Mit dem Einkommenssteuersatz Z besteuern wir aber nur ihr Einkommen X ohne den Veräußerungsgewinn in Polen. Das ist, was mit Progressionsvorbehalt gemeint ist.

Und wir dachten, dass der Gewinn aus der Veräußerung von unbeweglichem Vermögen in Polen besteuert wird und Deutschland stellt den Gewinn von der Steuer frei? Auf Grund des Doppelbesteuerungsabkommens.

Das ist auch richtig. Es ändert ab nix am Progressionsvorbehalt (siehe oben).

Das heißt, wir müssen den Erlös als ausländische Einkünfte in der Einkommenssteuererklärung auch angeben?

Ja, das sowieso.

Mit freundlichen Grüßen
Ra.Jahn

Bewertung des Fragestellers 23.05.2015 | 11:38

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