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Kassenabrechungs-Fehler: Kündigung wegen Unterschlagungsverdacht möglich?

25.08.2014 08:58 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Peter Dratwa


Hallo!

Ich arbeite im Verkauf. Bei der letzten Kassenabrechnung ist mir leider folgender Fehler unterlaufen: Ich habe zunächst das Geld mit dem Geldzählgerät gezählt, dann habe ich es in einem Safebag verstaut, ihn in den Tresor gegeben und die Kassenabrechnung mit dem gezählten Betrag gemacht. Leider ist mir danach aufgefallen, dass ich eine 2 Euro-Münze in einem der Münz-Cups (die man auf das Zählgerät stellt) übersehen habe. Die Münze wurde vorher allerdings vom Zähl-Gerät mitgezählt sodass ich zuvor den höheren Betrag auf dem Safebag vermerkt hatte. Ich habe dann die 2 Euro in einen neuen Safebag gegeben und mit demselben Datum wie der andere Safebag versehen, um deutlich zu machen, dass die 2 Euro eigentlich noch zum ersten Safebag gehören. Könnte man mir in diesem Fall dennoch eine Unterschlagung bzw. eine versuchte Unterschlagung vorwerfen? Weil ja objektiv gesehen auf dem ersten Safebag ein anderer (höherer) Betrag steht als der tatsächliche Inhalt beträgt (wird ja bei der Bankeinzahlung bemerkt werden) und ich den Safebag unterschrieben habe?
Leider kommt noch hinzu, dass die Kassenabrechnung (mit dem Gesamtbetrag, wo die 2 übersehenen Euro schon enthalten waren) nochmal -2 Euro betrug (ich vermute, ein Kassierfehler von mir). Könnte man mir jetzt quasi "erst recht" eine Unterschlagung zur Last legen- da ich vorher schon den Safe-Bag-Fehler gemacht habe und dann zusätzlich noch das Minus in der Kasse war? Ich habe leider in der Vergangenheit des öfteren Kassendifferenzen gehabt (2 Euro bis einmalig auch mal 7 Euro) und des öfteren Arbeitsanweisungen nicht eingehalten (Hygienevorschriften etc) - weshalb ich vermute dass ich sowieso schon "unter Beobachtung stehe" bei der Geschäftsleitung. Ich habe allerdings noch keine Abmahnung erhalten. Könnte ich dennoch wegen dem jetzigen Vorfall mit dem Safebag wegen versuchter Unterschlagung fristlos gekündigt werden?

Danke schon einmal für Ihre Hilfe!

Sehr geehrte Fragestellerin,

zunächst bedanke ich mich für Ihre Frage.

Bevor der Arbeitgeber eine sog. Verdachtskündigung wegen des Verdachts einer Unterschlagung ausspricht, hat er grundsätzlich umfassend den Sachverhalt aufzuklären( vgl. LAG Schleswig-Holstein, Urteil vom 19.06.2013 Az: 3 Sa 208/12).

Hierbei hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob und inwieweit dem Arbeitnehmer der Fehlbetrag in der Kasse zur Last gelegt werden kann, ob ein vorsätzliches Handeln vorliegt oder nur Unachtsamkeit. Liegt nämlich nur Unachtsamkeit vor, was bei Ihnen offensichtlich der Fall ist, dann liegt kein Vorsatz vor, womit eine strafrechtlich relevante Unterschlagung und somit auch der Grund für eine fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses entfällt.

Insofern müssen Sie also keine fristlose Kündigung wegen Unterschlagung befürchten.

Mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

Nachfrage vom Fragesteller 25.08.2014 | 11:26

Sehr geehrter Herr Dratwa,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe noch eine Frage: Wodurch genau kann meine Unachtsamkeit belegt werden? Habe ich durch das "Nachreichen" des zweiten Safebags mit den 2 Euro bewiesen, dass ich nur unachtsam war und nicht bewusst unterschlagen wollte? Oder könnte man mir vorwerfen, dass ich die 2 Euro absichtlich nicht in den Safebag getan habe? Aber dann hätte ich sie ja auch nicht in einem zweiten Safebag zurückgeschickt, sondern behalten oder?

Mit freundlichen Grüßen zurück

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 25.08.2014 | 12:56

Sehr geehrte Fragestellerin,

eine Unterschlagung, die eines Vorsatzes bedarf, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, vielmahr liegt eine recht typische Unachtsamkeit vor, die gerade im Kassenbereich häufig verkommt.Der Arbeitgeber muss Ihnen Vorsatz nachweisen und dies wird er anhand des Geschehens nicht können und sicherlich, was zu vermuten ist, auch nicht wollen.

Mit freundlichem Gruß

Peter Dratwa
Rechtsanwalt

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