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Arbeitszeugnis - Tätigkeitsbezeichnung

| 28.05.2014 16:24 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


17:14

Sehr geehrte Dame,
sehr geehrter Herr,

über mehr als 5 Jahre hinweg war ich bei einem kleinen IT-Unternehmen angestellt - als SV-pflichtiger Arbeitnehmer in Vollzeit. Dort habe ich nahezu ausschließlich im Business Intelligence-Bereich (BI-Bereich) gearbeitet. Mitte des letzten Jahres habe ich gekündigt und die Firma dann im Herbst verlassen. Ein Arbeitszeugnis habe ich zum Jahreswechsel 2013/2014 bekommen, welches jedoch vor allem bezüglich der Tätigkeitbeschreibung unzureichend ausfiel. Eine entsprechende Änderung habe ich angefordert, der Vorgang läuft also noch.

Allerdings auch die Tätigkeitsbezeichnung in diesem Arbeitszeugnis ist aus meiner Sicht problematisch. Sie lautet, entsprechend der Angabe im Arbeitsvertrag, "D+eveloper für Informationssysteme" (das Pluszeichen bitte wegdenken *1). Problematisch aus folgenden Gründen:

1. Weil diese Bezeichnung in dieser Wortkombination ungeläufig und vor allem branchenfremd ist, auch objektiv gesehen, wie es per bekannten Suchmaschinen (mit Anführungszeichen z.B. bei google.de, bing.de, yahoo.de) im Internet leicht nachvollziehbar ist, d.h. man findet im Internet keinen einzigen Treffer, kein Stellenangebot oder ähnliches. Würde man das weiterdenken, wäre ich entweder der erste oder der letzte mit dieser Art von Tätigkeit, was in Anbetracht der Größe der Branche und der zahlreichen Stellenbeschreibungen dieser Art eher auszuschließen ist. Vielmehr stellt sich diese Tätigkeitsbezeichnung zumindest für Brancheninteressierte (affektiert) laienhaft dar.

2. Ohne ersichtlichen Grund (i.d.R. keine deutsche Entsprechung) wird der "Entwickler" in Englisch angegeben, die anderen beiden Wörter dagegen deutsch. Offensichtlich inkonsistent oder fern einem fachlichen Niveau, denn der "Softwareentwickler" sollte für Brancheninteressierte in Deutschland geläufig sein.

3. Gegenüber den Sozialversicherungen wurde dann doch die Tätigkeitsbezeichnung "Softwareentwickler" jahrelang bis zu meinem Ausscheiden verwendet, konkret in der jährlichen SV-Meldung. Diese Bezeichnung wurde auch in der internen Buchführung der Firma verwendet. Beides ist von mir belegbar.

*1 In diesem Fall notwendig, weil sich zu dieser Wortkombination bei den bekannten Suchmaschinen nichts findet und dies hiermit nicht geändert werden soll.


Nun meine Frage:

Gibt es einen erfolgversprechenden rechtlichen Weg eine zutreffene oder zumindest in der Branche bekannte Tätigkeitsbezeichnung für das Arbeitszeugnis einzufordern, auch wenn diese objektiv unbekannte Bezeichnung schon im Arbeitsvertrag aufgeführt ist.

Vielen Dank

28.05.2014 | 17:20

Antwort

von


(1219)
Aachener Strasse 585
50226 Frechen-Königsdorf
Tel: 02234-63990
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Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:


1.

Ein Arbeitszeugnis muss eine genaue Tätigkeitsbeschreibung mit Darlegung des beruflichen Werdegangs und den ausgeübten betrieblichen Funktionen enthalten.

D.h., in dem Zeugnis müssen die typischen Merkmalen der dem Arbeitnehmer übertragenen Tätigkeiten so präzise beschrieben werden, dass sich ein künftiger Arbeitgeber einen Eindruck über die Aufgaben verschaffen kann, die der Arbeitnehmer wahrgenommen hat.

Je umfassender und verantwortungsvoller die Tätigkeit des Arbeitnehmers gewesen ist, umso präziser sollte seine Tätigkeit beschrieben werden. Nicht dazu gehören unwesentliche Dinge, maßgebend sind die Tätigkeiten, aufgrund derer man sich ein Urteil über die Kenntnisse und Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers verschaffen kann.

So reicht beispielsweise die Angabe der Berufsbezeichnung niemals aus.


2.

Gerade im EDV-Bereich gibt es zahlreiche Bezeichnungen, deren Bedeutung zwar nicht jedermann versteht, die aber für einen potentiellen neuen Arbeitgeber informativ und aussagekräftig sind.

Die Bezeichnung „Softwareentwickler" ist ein Begriff, unter dem sich (fast) jeder etwas vorstellen kann, insbesondere natürlich Unternehmen, die im Bereich der Entwicklung von Computerprogrammen tätig sind.

Die Tätigkeitsbeschreibung „Developer für Informationssysteme" ist zwar, sofern man über rudimentäre Englischkenntnisse verfügt, nachvollziehbar, jedoch teile ich Ihre Bedenken, wenn diese Tätigkeitsbezeichnung in Ihrer Branche und deren Umfeld nicht geläufig ist. Wird aber eine ungebräuchlich Tätigkeitsbezeichnung gewählt, kann das bedeuten, dass man nicht die Adressaten anspricht, die man mit einem Zeugnis ansprechen möchte. Deshalb kommt es meiner Auffassung nach nicht darauf an, dass man durch die Übersetzung in die deutsche Sprache gegebenenfalls die Tätigkeit erfassen kann, vielmehr ist entscheidend, dass eine branchenübliche Bezeichnung für Ihre Tätigkeit im Zeugnis genannt wird. Wäre ein englischer Begriff gebräuchlich, was ja im IT-Bereich nicht ungewöhnlich ist, müsste eine englische Tätigkeitsbezeichnung in das Zeugnis aufgenommen werden.

Vor diesem Hintergrund halte ich es also für geboten, den Begriff „Developer für Informationssysteme" durch die Tätigkeitsbezeichnung „Softwareentwickler" zu ersetzen.


3.

Es gibt durchaus einen rechtlichen Weg, der meiner Auffassung nach auch erfolgversprechend erscheint.

Zunächst würde ich den Arbeitgeber bitten, den Begriff „Developer für Informationssysteme" durch „Softwareentwickler" zu ersetzen. Man kann das durchaus noch, sofern man das möchte, begründen, beispielsweise entsprechend meinen obigen Ausführungen.

Wenn der Arbeitgeber sich nicht bereit erklärt, die gewünschte Begriffsänderung vorzunehmen, bliebe die Klage beim Arbeitsgericht.

In diesem Fall müsste beim zuständigen Arbeitsgericht eine Klage mit dem Antrag eingereicht werden, im Arbeitszeugnis den Begriff „Developer für Informationssysteme" durch den Begriff „Softwareentwickler" zu ersetzen.

Beim Arbeitsgericht findet dann zunächst ein Gütetermin statt, der eine vergleichsweise Regelung zum Gegenstand hat. Ich könnte mir gut vorstellen, dass der Arbeitgeber spätestens im Gütetermin einlenkt und den Austausch der Begriffe vornimmt. Dann wird ein entsprechender Vergleich geschlossen und Sie erhalten ein Zeugnis mit der gewünschten Tätigkeitsbezeichnung.

Sollte - wider Erwarten - im Gütetermin keine Einigung erzielt werden, beraumt das Arbeitsgericht den Kammertermin an. Im Kammertermin wird das Gericht nochmals versuchen, auf eine vergleichsweise Regelung hinzuwirken. Scheitert das Bemühen, muss die Kammer entscheiden.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt


Rückfrage vom Fragesteller 02.06.2014 | 16:58

Vielen Dank für Ihre Antwort, aber sind Ihnen zu dem Thema "in der Branche unbekannte Tätigkeitsbezeichnung" oder artverwandtes auch Gerichtsurteile bekannt?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 02.06.2014 | 17:14

Sehr geehrter Fragesteller,

zu Ihrer Nachfrage nehme ich wie folgt Stellung:


Selbst wenn man recherchieren würde, ob Urteile zu dem genannten Themenkreis veröffentlicht worden sind, würde das hinsichtlich der Sache nicht weiterhelfen.

In Deutschland hat jeder Richter die freie Entscheidung, wie er einen Fall beurteilt. Auf Präzedenzfälle wird also nicht zurückgegriffen, weil der Richter nicht an die Entscheidung anderer Gerichte gebunden ist.

Wichtig ist deshalb eine saubere und nachvollziehbare Argumentation, um das Gericht von der Auffassung, die man vertritt, zu überzeugen. Was ein Arbeitsgericht XY zu einer vielleicht vergleichbaren Problematik gesagt hat, ist dabei für das entscheidende Gericht ohne Bedeutung.


Mit freundlichen Grüßen

Gerhard Raab
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 05.06.2014 | 16:13

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Es schon hilfreich, dass meine Problemanalyse geteilt wird. Aber es ist recht allgemein. Meiner Erfahrung nach sind vergleichbare oder ähnlich gelagerte BAG-Urteile für Arbeitsgerichte zumeist richtungsgebend.

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BEWERTUNG VOM FRAGESTELLER 05.06.2014
2,6/5,0

Es schon hilfreich, dass meine Problemanalyse geteilt wird. Aber es ist recht allgemein. Meiner Erfahrung nach sind vergleichbare oder ähnlich gelagerte BAG-Urteile für Arbeitsgerichte zumeist richtungsgebend.


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