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Verspätete Heimreise durch langfristige Flugplanänderung - Entschädigungsanspruch?

19.03.2014 18:38 |
Preis: ***,00 € |

Reiserecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Tamás Asthoff


Hallo,

auf Grund einer langfristigen Flugplanänderung (Linienflug!) über die wir nicht informiert wurden sind wir von einer pauschal gebuchten (Flug und Hotel) Urlaubsreise erst mit einen Tag Verspätung und einigen Unannehmlichkeiten nach Hause gekommen. Der Flug wurde ca. ein halbes Jahr im Voraus gebucht. Irgendwann zwischen Buchung und Abflug wurde der Flugplan von der Fluggesellschaft geändert. Niemend hat uns darüber informiert. Die Details habe ich dem Reiseveranstalter mit folgender email geschildert:

"unter der Buchungsnummer xxxxxx habe ich für mich und meine Frau eine Reise nach Lanzarote bei Ihrem Unternehmen gebucht und wahrgenommen.
Für die Rückreise wurden von Ihnen für den 23.11. die Flüge IBaaaa (ACE-MAD) und IBbbbb(MAD-MUC) gebucht und bestätigt. Beim Check-In in Lanzarote wurde uns am Schalter mitgeteilt, dass der Flug IBbbbb von Madrid nach München im Ibexxxflugplan für diesen Tag (Samstag) nicht existiert. Bei einer telefonischen Anfrage bei Ihrer Hotline wurde uns lediglich geraten, uns selbst um eine anderweitige Möglichkeit zur Heimreise zu kümmern. Zudem wurde eine Kostenübernahme zugesagt, da der Fehler offensichtlich durch Urlaubstoxxx verursacht wurde.
Wir sind daraufhin zunächst nach Madrid geflogen, um uns dort um eine Weiterreise zu kümmern. Am Ibexxx Serviceschalter in Madrid konnte uns ein Bordingpass für den Flug IBcccc (MAD-MUC) 24.11. 08:45 Uhr (Ankunft 11:20 Uhr) ausgestellt werden. (...)
Wir mussten daher in Madrid übernachten und haben unser Rückreiseziel erst mit über 12 Stunden Verspätung erreicht.
Daher steht uns nach EU-Verordnung Nr. 261/2004 eine Aufwandserstattung und Ausgleichszahlung zu.
Folgende Aufwände sind entstanden:
Übernachtungskosten: 65€
Telefonkosten: ca. 10€
Verpflegungskosten: ca. 30€
Entsprechend Artikel 7 der EU-Verordnung Nr. 261/2004 steht uns darüber hinaus ein Ausgleichsanspruch von 400€ pro Person zu.
Um den Fall unbürokratisch ohne weitere juristische Schritte beizulegen bitte ich sie daher umgehend 895€ auf mein Konto zu überweisen"

Nach einigen hin und her bietet der Veranstalter lediglich die Erstattung der 65€ Übernachtungskosten und einen 100€ Gutschein (an dem ich keinerlei Interesse habe).

Zu den Forderungen gemäss Fluggastverordnung sagt der Reiseveranstalter:
"Der geltend gemachten Forderung gemäß EU-Fluggastverordnung kann jedoch leider nicht entsprochen werden. Gemäß Anwendungsbereich der Verordnung hat der Passagier seine Forderung direkt gegen die ausführende Fluggesellschaft zu richten. Das gilt auch bei Pauschalreisen, da der Reiseveranstalter nach der Verordnung nicht zu Leistungen verpflichtet ist."

Um bei der Fluggesellschaft eine Forderung geltend zu machen (wozu es wohl zu spät ist?) müsste bei dieser aber ein Fehler gemacht worden sein. Also ergibt sich die Frage wer über die Flugplanänderung hätte informieren müssen. Da können Reiseveranstalter und Fluggesellschaft leicht den schwarzen Peter hin und her schieben.
Ich habe versucht beim Reiseveranstalter dazu mit folgenden Fragen Auskunft zu erhalten:
"1. Unser Rückflug wurde über Urlaubstoxxx bei Ibexxx langfristig gebucht. Ibexxx hat vermutlich Monate vor Abflug den Flugplan geändert und den Flug gestrichen. Wurde Urlaubstoxxx über diese Flugplanänderung informiert? Falls nicht: Hätte Ibexxx Urlaubstoxxx über diese Flugplanänderung informieren müssen?
2. Wer ist unser Vertragspartner für den Flug? Urlaubstoxxx oder Ibexxx? Falls Ibexxx der Vertragspartner ist: Wurden Ibexxx alle erforderlichen Kontaktinformationen (Anschrift, email-Adresse) um uns über die Flugplanänderung informiern zu können von Urlaubstoxxx übermittelt?"
Die Antwort war:
"Über interene Abläufe können wir keine Auskunft erteilen."

Ist die EU-Verordnung Nr. 261/2004 auch auf Reiseveranstalter anwendbar?
Habe ich eine Chance auf eine angemessene Entschädigung?
Wie sollte ich weiter Vorgehen um diese zu erhalten?

Danke und Grüße

Sehr geehrter Fragesteller,


es wäre ärgerlich, wenn sich die Parteien, wie Sie schrieben,einfach den schwarzen Peter zuschieben könnten. Dem ist jedoch nicht so. Die Rechtsprechung und Gesetzgebung der Europäischen Union und Deutschlands wirkt dem durch eine grosszügige Behandlung des Verbrauchers durch Gesetze und Entscheidungen entgegen.

Für Verspätungen des Fluges haften zwar die Airlines nach den bekannten Verordnungen. Allerdings haftet eine Airline nicht, wenn diese wen Flugplan ändert, aber der Reiseveranstalter diese Information nicht weitergibt- das Risiko wäre für eine Fluggesellschaft unüberschaubar. Wegen der Flugplanänderung alleine- wenn diese nicht zu kurzfristig erfolgt- haftet die Fluggesellschaft also nicht. Ebenfalls haftet diese nicht, wenn der Flug normal nach ihrem Zeitplan durchgeführt wurde.

Daher ist Ihr Reisevermittler ihr Vertragspartner, derjenige, der Ihnen „falsche" Rückflugscheine ausgestellt hat bzw. diese nicht korrigierte, auch für etwaige Ansprüche zuständig.


Zwar wird eine eigenständigige Buchung eines Rückfluges und die damit verbundenen Kosten bei einer Pauschalreise nicht erstattet- aber keine Sorge, dieser Fall liegt bei Ihnen nicht vor. Zur Aufklärung: Ein Urlauber hatte in dem Fall (AG Bad Homburg AZ: 2 C 3570/02 -10) eine Pauschalreise von Düsseldorf nach Portugal gebucht. Ganze drei Tage vor dem Rückflug teilte der Reiseveranstalter seinem Kunden einen geänderterten Rückflugverlauf mit. Der Rückflug wurde einerseits vorverlegt, die Ankunftszeit in Düsseldorf war dann aber wegen einer Landung in Dresden aber 80 Minuten später als geplant. Der Kläger wollte aber nicht so lange im Flugzeug sitzen, buchte deshalb auf eigene Faust einen Rückflug und die Kosten hierfür sollte der Reiseveranstalter bezahlen.Das Amtsgericht Bad Homburg wies diese Klage allerdings ab. Interessant ist die Begründung : Es seien Änderungen der Flugzeiten und Flugrouten bei einem Charterflug lediglich als Unanehmlichkeit und nicht als Reisemangel anzusehen. Die Reiseveranstalter wiesen daher auch ausdrücklich, mit dem Hinweis auf den Flugscheinen "Änderungen vorbehalten", auf die Möglichkeit von geänderten Flugzeiten bzw. Flugrouten hin.

Dieses hat aber auch Grenzen-spätestens dort, wo an dem angegebenen Tag gar kein Rückflug stattfindet- so in Ihrem Falle. Reiseveranstalter müssen sich bei Pauschalangeboten generell an die Flugzeiten halten, die sie in den Reiseunterlagen genannt haben. Dies hat der Bundesgerichtshof unter dem Aktenzeichen X ZR 24/13 entschieden. Danach dürfen sich die Unternehmen die endgültige Festlegung der Flugzeiten nicht prinzipiell vorbehalten. Eine etwaige Formulierung in Ihren Reiseunterlagen und Verträgen wäre jedoch genauer zu prüfen, was im Rahmen dieser Erstberatung leider nicht möglich ist.

Eine abschliessende Antwort und Beurteilung ist ohne Kenntnis der Veträge nicht möglich; grundsätzlich ist jedoch gut denkbar, dass die fehlerhafte Aufklärung über das Rückflugdatum Ihnen gegenüber zu einem Schdadenersatzanspruch führt. Der Reisevermittler haftet Ihnen, als Reisenden, wenn eine Gesamtheit von Reiseleistungen (Hotel, Flug etc.) geschuldet ist, nach den §§ 651a BGB und nicht nach der EU-Verordnung.

Aus den darauf folgenden Vorschriften ergibt sich der Schadenersatzanspruch; zudem haben Sie unter Umständen sogar die Möglichkeit, den Reisepreis zu mindern, also nicht nur die genannten Schäden ( in voller Höhe) geltend zu machen, sondern zusätzlich Geld wieder zu bekommen. Voraussetzung ist u.a. ein Verschulden des Reisevermittler, weil diese beispielsweise nicht über die Flugund damit Reiseplanänderung informierte. Ansprüche nach den §§ 651c bis 651f hat der Reisende jedoch innerhalb eines Monats nach der vertraglich vorgesehenen Beendigung der Reise gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen – auch darauf ist zu achten. Schliesslich wird bei dem Essen die ersparte Aufwendung anzurechnen sein, jedoch sehe ich auch die Telekommunkationskosten als erstattungsfähig an, insb. wenn Sie nachweisbar aus dem Ausland telefonieren mussten.

Mit freundlichen Grüßen
RA Asthoff

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Danke zusammenfassend ganz ok wohl auch in meinem Sinne allerdings hat bei mir die Antwort der Anwältin auf meine Rückfrage nochmal eine Unsicherheit ausgelöst und ich kann leider nichts mehr weiter klären da nur eine Rückfrage ... ...
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