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Wundversorgung ohne Pflegeausbild./Arbeitsrecht/Medizinrecht

| 16.03.2013 19:47 |
Preis: ***,00 € |

Medizinrecht


Zusammenfassung:

Das Recht eines Menschen auf Selbstbestimmung umfasst auch die Entscheidung darüber, ob und wie er sich behandeln lassen möchte. Dies gilt solange die Person noch geistig in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich arbeite seit Kurzem als geringfügig Beschäftigte in einem Privathaushalt einer älteren Dame. Ich bin direkt bei dieser älteren Dame angestellt, sie ist meine Arbeitgeberin. Sie ist körperlich recht hinfällig, geistig aber noch „voll da" und steht nicht unter Betreuung. Ihre Tochter hatte für sie in der Zeitung annonciert, ich verrichte leichte Haushaltstätigkeiten aber auch pflegerische Aufgaben. Der älteren Dame und der Familie sind aus meinen Bewerbungsunterlagen und Gesprächen bekannt, dass ich keine Ausbildung in der Pflege habe, (wohl aber Pflegeerfahrung aus der Arbeit mit schwer-mehrfachbehinderten Menschen, bin Pädagogin).

Zu meiner Aufgabe im pflegerischen Bereich gehört auch der Wechsel von Verbänden aufgrund der „offenen Beine" der älteren Dame (hier lt. Angaben der Dame durch eine Herzschwäche=Wasser in den Beinen und Probleme mit den Venen...sprich keine vernünftige Durchblutung der Beine und daher schlechte Heilungschancen für kleinste Wunden...). Ich weiß, dass Pflegehelferinnen die Versorgung von offenen Wunden in Einrichtungen gar nicht vornehmen dürfen, dort müssen examinierte Kräfte ran. Die Familie wünscht aber, das ich dieses mache und will auch keinen Pflegedienst, die ältere Dame auch nicht. Ich habe mich zwar über Gespräche mit Fachkräften aus der Pflege, meinen eigenen Hausarzt, mir persönlich bekannten Ärzten und das Internet über diese Erkrankung schlau gemacht, bin aber eben keine Pflegefachkraft und habe entsprechend nicht so einen umfassenden Blick bzw. nur die eher die Erfahrungen eines Laien mit Wunden. (Ich habe eine „Kollegin" die ich nicht kenne und die an den Vormittagen kommt, an denen ich nicht da bin. Nach Angaben der Familie ist diese Krankenschwester.). Von einer Pflegekollegin habe ich mir erläutern lassen, wie ich überhaupt hygienisch vernünftig mit einem Verbandswechsel etc. umgehe (Handschuhe, Händedesinfektion...).
Ich überlege natürlich ,ob ich eine Wundversorgung medizinisch persönlich auf Dauer verantworten kann, wie sieht es aber rechtlich für mich aus? Wie könnte ich mich absichern? Ich wäre sogar bereit, mich irgendwie fortzubilden, wenn ich mir denn diese Fortbildung finanziell leisten kann und ich überhaupt zugelassen werde bei den entsprechenden Bildungsträgern (soweit ich weiß gibt es Fortbildungen „Wundmanagement" , die aber in der Regel nur für examinierte Kräfte sind) . Ich mag die ältere Dame sehr und möchte die Arbeit sehr gerne behalten, sie ist aus verschiedenen persönlichen Gründen existentiell für mich.

Erschwerend kommt hinzu, dass Frau H. Und ihre Familie die Erkrankung rein heilpraktisch behandeln, was von allen Leuten, die ich gesprochen habe als sehr, sehr kritisch angesehen wird (hier keinerlei Art von Kompression, auch keine Entfernung von abgestorbenem Gewebe, was schulmedizinisch durchaus üblich ist, Behandlung mit einem Heilhonig, Schüsslersalzsalben, Wundauflagen und Verbänden, keine medizinische übliche Wundreinigung ).Im schlimmsten Fall kann es nach Angaben von Fachkräften zu Amputationen kommen. In Gesprächen habe ich bemerkt, das Frau H. Und ihre Tochter insgesamt aufgeklärt sind, auch schulmedizinisch, haben nach ihren Angaben mit ihrer Behandlungsmethode die besten Erfolge für sich erzielt und wünschen auch keine andere. Sie ist in Kontakt mit einem Heilpraktiker.
Frau H. Hat auch einen Hausarzt, den sie aufgrund mancher Medikamentengabe und dafür notwendigen Kontrollen konsultiert, das war aber auch schon mal ausgefallen, wahrscheinlich aufgrund ihrer kritischen Haltung zur Schulmedizin oder weil er sie kürzlich aufgrund schlechter Werte ins Krankenhaus verweisen wollte, was sie auch sehr stark ablehnt....Soweit ich weiß, toleriert er ihre eigenen Wünsche insgesamt, würde aber sicherlich eine andere Behandlungsmethode favorisieren. Ich weiß auch nicht genau, ob Frau H. Schon mal von sich aus Medikamente leicht reduziert o.ä. Bzw. ahne, dass der Hausarzt aus schulmedizinischer Sicht weitere Medikamente empfehlen würde (z. B. Zur Behandlung der Herzprobleme), sie sie aber nicht nehmen will.

Wie kann ich mich in diesem Fall der Familie gegenüber rechtlich absichern? Ich habe noch keinen Arbeitsvertrag, bekomme ihn demnächst, habe aber evtl. noch Einfluss auf die Gestaltung und würde gerne eine Passage „Frau H. Wünscht eine heilpraktische Behandlung mit Wundverbänden und ist über schulmedizinische Behandlungsmethoden (z.B. Kompression) aufgeklärt, wünscht diese aber aufgrund ihrer Erfahrung damit nicht" - evtl. auch Unterschrift auf einem separatem Schreiben. Weiterhin würde ich mir gerne unterzeichnen lassen, dass der Familie bekannt ist, dass ich keine pflegerische Ausbildung habe aber trotzdem mit der Behandlung der offenen Beine betraut werden soll (im Arbeitsvertrag?). Diese beiden Fragen sind mir die wichtigsten was die Antwort von Ihnen betrifft, ich erbitte auch einen rechtlich stichfesten Formulierungsvorschlag, gerne mit Verweis auf entsprechende Gesetze, für die beiden Probleme.

Wer kann mich im Falle einer „schlechten" oder „falschen" Behandlung überhaupt verklagen? Nur die Dame selbst, ihre Familie oder auch z.B. auch Ärzte. Ich habe auch schon über ein gemeinsames Gespräch mit dem Hausarzt nachgedacht, was aber sehr kritisch ist (Misstrauen der Familie gegen Schulmedizin und Ärzte aufgrund schlechter Erfahrungen damit, bin noch bis Ende April in der Probezeit, Stimmung unter uns dann evtl. schwierig...), möchte dieses auch nicht einfach heimlich machen.

Sollte ich meine „Behandlung" irgendwie dokumentieren, auch z.B. Hinweise von mir auf den Zustand der Wunden oder der Empfehlung, doch mal zum Arzt zu gehen?
Ich habe schon überlegt, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Sichern die Versicherungen nach Ihren Erfahrungen solch ein Risiko ab? Mit welchen Kosten (monatlich/jährlich) müsste ich dann ihrer Erfahrung nach ungefähr rechnen?

Danke für das Lesen meiner ausführlichen Informationen und ihre Antwort!


Einsatz editiert am 16.03.2013 19:55:37

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für die Anfrage. Vorweg möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieses Forum dafür gedacht ist, einen ersten Eindruck zu der Rechtslage zu vermitteln. Durch Weglassen oder Hinzufügen von wesentlichen Teilen des Sachverhalts kann es durchaus zu einer anderen rechtlichen Beurteilung kommen.

Die Wundbehandlung gehört zur medizinischen Behandlung, daher gehört die Diagnostik und
Therapieentscheidung in den ärztlich zu verantwortenden Bereich. Demnach hat die Anordnungsverantwortung der Arzt bzw. in diesem Fall der behandelnde Heilpraktiker. Der Heilpraktiker hätte sich unter Umständen zu verantworten, wenn aufgrund seiner Anordnung sich die Wunden derart verschlimmern, dass die Beine amputiert werden müssten.

Ob sich die Dame von einem Schulmediziner oder von einem Heilpraktiker behandeln lässt, liegt in ihrer eigenen Entscheidung. Wie Sie selbst schreiben ist die Dame geistig noch "voll da". Sie hat ein Recht auf Selbstbestimmung, welches zu beachen ist. Dazu gehört auch die Entscheidung ob und wie sie sich behandeln lassen möchte. Dies dürfen und müssen Sie respektieren. Erst wenn die Dame geistig nicht mehr in der Lage wäre, eigene selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen, müsste für sie ein Betreuer bestellt werden, der dann im Rahmen der Gesundheitssorge die Entscheidung über die Behandlung trifft.

Es ist danach aber auch das Recht der Dame, die Wundversorgung durch Sie vornehmen zu lassen. Selbst wenn der Arzt bzw. Heilpraktiker empfohlen oder gar angeordnet hätte, dass die Wundversorgung durch eine ausgebildete Pflegekraft durchgeführt werden müsste, könnte die Dame entscheiden, dass sie dies nicht möchte.

Fraglich ist nun, wie Sie sich absichern können.
Zunächst sollten Sie Ihre Aufgaben möglichst genau in den Arbeitsvertrag aufnehmen lassen, z.B. "Wundbehandlung nach Anweisung durch Frau H. und Dr. ...". Wenn möglich sollten Sie sich dann durch den behandelnden Heilpraktiker zeigen lassen, wie die Beine versorgt werden sollen und was besonders zu beachen ist. Dies sollten Sie möglichst dokumentieren und von dem Heilpraktiker unterzeichnen lassen oder ihn bitten, Ihnen dies noch einmal schriftlich niederzulegen (natürlich damit Sie es sich gut merken können). Des weiteren sollten Sie jede Wundbehandlung möglichst dokumentieren, also wann und was Sie gemacht haben. Sie können so im Streitfall beweisen, dass Sie die Wundbehandlung nach der Anweisung durchgeführt haben. Bei der Behandlung sollten Sie natürlich mit der erforderlichen Sorgfalt vorgehen, also Hände desinfizieren usw.

Schadensersatzpflichtig wären Sie im schlimmsten Falle nur gegenüber der Dame. Da diese Sie jedoch angewiesen hat, die Wundbehandlung ensprechend vorzunehmen, wäre dies nur möglich, wenn Sie bei der Wundversorgung die erforderliche Sorgfalt verlezt hätten und sich der Zustand dadurch verschlimmert hätte. Auch strafrechlich haben Sie nichts zu befürchen solange die Dame klar im Kopf ist und weiß was sie möchte und Sie entsprechend anweist.

Da die Dame selbst Ihre Arbeigeberin ist und sie sich an deren Weisungen halten müssen, ist die Situtaion eine andere als in einem Pflegheim.

Wenn dies möglich ist, können Sie sich natürlich auch in einem separaten Schreiben absichern, wie Sie dies oben beschrieben haben.

Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende und viel Erfolg!


Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort weitergeholfen zu haben. Sollte Ihnen noch etwas unklar sein, dürfen Sie gerne die Nachfragemöglichkeit nutzen. Wenn Sie zufrieden sind, würde ich mich über eine positive Bewertung freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Yvonne Bellmann
Rechtsanwältin

Rückfrage vom Fragesteller 17.03.2013 | 13:01

Danke für Ihre umfangreiche und gute Antwort!Ich weiß gar nicht, ob es "die Behandlungsanweisung" vom Arzt bzw. auch evtl. nicht vom Heilpraktiker gibt, sondern die Methode einfach von der Familie/Frau H. aus langjährigen Erfahrungen mit dem eigenem Körper und Wissenserwerb auf verschiedenen Ebenen sozusagen selbst gewählt wurde. Nach Ihren Ausführungen hat die Dame auch das Recht dazu, dieses genau so zu leben. Ich taste mich da durch Fragen langsam vorsichtig heran, weiß nicht, ob es mir möglich sein wird, mir alles vom Arzt bzw. dem Heilpraktiker zeigen zu lassen bzw. ein Gesüräch mit diesen Personen zu führen (mehr aus psychologischen/taktischen Gründen, ich bin selbst aber grundsätzlich bereit dazu. Ist es mir zu empfehlen, mich mich dann im Arbeitsvertrag auch nur durch einen Passus:.....Behandlung nach Anweisung von Frau H....o.ä. abzusichern? Frau H. sagte mir, dass der Arzt sich die Beine meist gar nicht mehr zeigen läßt bei einer Behandlung (er hat sie wohl irgendwann mal gesehen, ich weiß auch nicht, was er (z.B.
Willensäußerungen) dokumentiert hat. Die aktuelle Behandlung wurde mir von der Tochter der Frau H. gezeigt.
Vergessen hatte ich, dass Frau H. die Pflegestufe 1 hat. Nach meinem Wissen gehe ich davon aus, dass sie die entsprechenden Gelder auch erhalten kann, wenn sie wie beschrieben handelt, da jeder sie nach meinem Wissen ja so ausgeben darf, wie er es möchte!? Ich frage mich allerdings, ob der MDK bei seinen Überprüfungen dieses als fachgerechte Versorgung empfindet?


Danke für Ihre Antwort

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 17.03.2013 | 14:39

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre freundlliche Bewertung.

Wie bereits beschrieben wäre ein Passus im Arbeitsvertrag, aus dem sich ergibt, dass Sie die Wundversorgung nach Anweisung von Frau H. oder deren Tochter durchführen, ausreichend. Wenn es möglich ist, eine zusätzliche Dokumentation über die gewünschte Versorgung durch Frau H. oder die Tochter zu erhalten, wäre dies sicher eine weitere Absicherung für Sie. Sie könnten sich natürlich auch abzeichnen lassen, dass Sie darauf hingeweisen haben, dass Sie die Behandlung nicht für erfolfversprechend halten, Frau H. diese Versorgung aber ausdrücklich weiterhin so wünscht. Hier müssen Sie selbst abschätzen, was mit der Familie möglich ist, ohne unnötig die Vertrauensbasis, die für Ihre Arbeit erforderlich ist, zu zerstören.

Die Pflegestufe I ändert hieran auch zunächst nichts. Pflegegeld erhält wer pflegebedürftig ist. Pflegebedürftig sind nach § 14 Abs. 1 SGB XI Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße (§15) der Hilfe bedürfen. Nach § 14 Abs. 3 SGB XI besteht die Hilfe im Sinne des Absatzes 1 in der Unterstützung, in der teilweisen oder vollständigen Übernahme der Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens oder in der Beaufsichtigung oder Anleitung mit dem Ziel der eigenständigen Übernahme dieser Verrichtungen.

Der MdK hat nach § 18 Abs. 1 SGB XI zunächst nur die Aufgabe, festzustellen, ob die Voraussetzungen der Pflegebedürftigkeit erfüllt sind und welche Stufe der Pflegebedürftigkeit vorliegt. Darüber hinaus hat der MDK auch Feststellungen darüber zu treffen, ob und in welchem Umfang Maßnahmen zur Beseitigung, Minderung oder Verhütung einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit einschließlich der Leistungen zur medizinischen Rehabilitation geeignet, notwendig und zumutbar sind; insoweit haben Versicherte einen Anspruch gegen den zuständigen Träger auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Dies bedeutet, dass der MdK zwar Zweifel an der Wundbehandlung äußern und Vorschläge zu einer besseren Versorgung machen könnte, dennoch wäre auch hier das Selbstbestimmungsrecht der Frau H. zu beachten. Wenn Sie keine andere Behandlung wünscht, kann sie zu einer solchen nicht gezwungen werden, auch nicht, wenn sie heirbei die Amputation ihrer Beine in Kauf nimmt.

Verantwortlich für die Behandlung und Anordnung der Versorgung der wunden Beine ist und bleibt der Arzt bzw. Heilpraktiker! Wenn dieser sich die Beine schon gar nicht mehr zeigen lässt, wäre dieser unter Umständen in der Haftung, wenn die Beine amputiert werden müssten, weil die Behandlung nicht anschlägt. Dieser wäre verantwortlich, Frau H. eine andere Behandlung zu verordnen. Doch auch hier ginge das Selbstbestimmungsrecht der Frau H. vor.

Mit freundllichen Grüßen
Yvonne Bellmann
Rechsanwältin

Bewertung des Fragestellers 17.03.2013 | 13:03

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