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eBay- '1 Euro' Auktion gewonnen, Verkäufer kann/will nicht liefern

09.07.2012 23:43 |
Preis: ***,00 € |

Internetauktionen


Beantwortet von

Rechtsanwalt Andreas Schwartmann


Guten Abend,

direkt zu den Details (in aller Ausführlichkeit):

Meine Freundin hat per "1 Euro" Auktion per Höchstgebot auf eBay ein hochwertiges Heimkinosystem (Neupreis/UVP ca. 2000 EUR) ersteigert, die Auktion verlief ohne Besonderheiten bis zum Ende durch, sie gewann die Auktion - für einen Euro.

Nach der Auktion, als wir den Verkäufer um Zusendung des Tracking Codes fürs Paket baten, antwortete dieser anstatt mit den erwarteten Daten mit einer Aufforderung zum Rücktritt vom Kauf !!!
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Auf Nachfrage, weshalb wir als Höchstbietende (auch wenn es nur ein Euro war, wir hatten damit das Höchstgebot) denn nun vom Kauf zurücktreten sollten, antwortete der Verkäufer wie folgt:

"entschuldigen sie mir ist ein fehler bei der auktion unterlaufen"

"schikke das geld zurück"

"Ich habe diesen artikel schon vor ca 1 halb monaten verkauft und ausversehen wieder neu eingestellt"

Dies und noch ein paar Mails mit sehr pampigem Inhalt folgten seinerseits, da wir den Abbruch der Transaktion strickt ablehnten.
________________________________________
Wir waren aufgrund seiner Ausführungen natürlich nicht sonderlich begeistert, zumal der Verkäufer - zumindest laut seinen Bewertungen- 100%ig zuverlässig zu sein schien. Seine Mails erweckten nun allerdings einen völlig anderen Eindruck. Wir teilten dem Verkäufer daraufhin mit, dass wir unsererseits keinerlei Veranlassung sehen, vom bestehenden Kaufvertrag zurückzutreten und setzten ihm eine rechtsverbindliche Frist von 7 Werktagen, um die Ware zu liefern, drohten auch damit, notfalls die Sache einem Anwalt zu übergeben.

Seine Antwort: "der artikel ist verkauft ich habe den nicht betrag geht zurück schalten sie den anwalt ruhig ein wenn sie auf den anwaltkosten sitzen bleiben wollen
---

Es gibt keine anlage mehr sie ist schon längst verkauft sie können sich von mir aus 1000000 anwälte nehmen davon kommt sie nicht zurück sie brauchen mir auch kiene kontodaten mehr schicken ich kann es auch so zurück gehn lassen
"

Versuche unserseits, mit dem Verkäufer auf einer ruhigen Basis zu kommunizieren, scheiterten an dessen ablehnender Haltung; er verbot uns sogar, "ihn weiter mit Mails zu belästigen" (man sollte nicht vergessen, dass wir als neue Eigentümer hier lediglich den Handel zum Abschluß bringen wollten ...).
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Mittlerweile hat der Verkäufer auch den Kaufbetrag an uns zurück überwiesen (obwohl wir ihm vorab mitteilten, dass wir weiterhin auf Vertragserfüllung bestehen), sich allerdings auch postwendend auf eBay abgemeldet. Userstatus: "Kein angemeldetes Mitglied"

Nun die Fragen aller Fragen:

- wie sieht die Rechtslage in diesem Fall aus?

Haben wir ein Anrecht auf den regulär erworbenen Artikel oder kann sich der Verkäufer hier so einfach aus der Affäre ziehen ?

Macht es Sinn, den Verkäufer ausfindig zu machen und ihm per Einschreiben nochmals die Aufrechterhaltung unserer - unserer Ansicht nach- berechtigten Forderung zu setzen ?

An ein "versehen beim Artikel einstellen" seitens des Verkäufers mag ich mittlerweile nicht mehr glauben; dies begründet sich einfach durch die Tatsache, dass er spätestens bei Gebotsbgabe unsererseits eine Benachrichtigung erhielt und - schon vor Auktionsende - sich an uns hätte wenden können; zudem bedarf es mehr als nur eines Klicks, um eine Auktion Online zu bringen.

Aufgrund der eBay internen Regelungen können wir auch erst am 13.7.2012 eine entsprechende Benachrichtigung über den Vorfall an eBay senden.


Wie sehen Sie die Lage und welche Möglichkeiten haben wir ?!

Ich freue mich auf ausführliche Erläuterungen.

MfG

Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworten darf.

Bitte beachten Sie vorab, dass meine nachstehenden Ausführungen nur eine erste rechtliche Einschätzung auf der Grundlage Ihrer Angaben darstellen können.

Sie haben zunächst einen wirksamen Kaufvertrag abgeschlossen, dessen Erfüllung Sie verlangen können. Wenn der Verkäufer das Risiko nicht eingehen wollte, den Artikel nur für 1 EUR zu verkaufen, hätte er einen höheren Startpreis eingeben müssen. Das hat er aber nicht, offensichtlich um Gebühren zu sparen. Nun hat er den Artikel für 1 EUR verkauft und muss ihn auch liefern.

Der Verkäufer kann sich allenfalls retten, wenn er den Kaufvertrag wirksam anfechten konnte. Eine Anfechtung kommt aber nur in Betracht, wenn der Verkäufer bei Abgabe seiner Willenserklärung - also bei Einstellen des Angebotes - einem Irrtum unterlegen ist. Diesen Irrtum müsste er im Streitfall beweisen können.

Der Verkäufer behauptet hier, den Artikel nicht mehr liefern zu können, weil er ihn schon Wochen vorher verkauft hat. Das Angebot sei irrtümlich erfolgt. Wenn dem tatsächlich so ist, steht dem Verkäufer das Recht auf Anfechtung des Kaufvertrages wegen Irrtum zu.

Wenn Sie die Schilderung des Verkäufers aber nicht glauben, können Sie es drauf ankommen lassen und ihn auf Lieferung des Artikels, Zug um Zug gegen Zahlung von 1 EUR, vor Gericht verklagen. Dort muss er seinen Irrtum dann beweisen. Wenn ihm der Nachweis gelingt, dass der Artikel bereits vorher verkauft wurde und nur irrtümlich wieder angeboten wurde, werden Sie die Klage verlieren.

Kann der Verkäufer seine Behauptung jedoch NICHT nachweisen, greift seine Anfechtung nicht, und er muss den Artikel liefern - oder Schadensersatz zahlen, wenn er nicht mehr liefern kann.

Letztlich müssen Sie abschätzen, ob der Verkäufer nur blufft - oder ob er ggf. die Wahrheit sagt und sich tatsächlich geirrt hat.

Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, die Ihr Kostenrisiko deckt, spricht nichts dagegen, die Sache vor Gericht (auf)klären zu lassen. Andernfalls müssen Sie prüfen, ob Sie das Kostenrisiko eingehen möchten - bei einem Streitwert von 2.000 EUR, den der Artikel ja Wert ist, werden die Verfahrenskosten sich insgesamt ebenfalls in 4-stelliger Höhe bewegen.

Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben und stehe Ihnen gerne auch für eine etwaige Vertretung zur Verfügung.

Bitte kontaktieren Sie mich dazu über die unten genannte Rufnummer bzw. E-Mail-Adresse.



Mit freundlichen Grüßen

Andreas Schwartmann
Rechtsanwalt

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