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Ist das wahr, dass Mann und Frau mindestens 9 Monate in getrennten Wohnungen leben müssen, um übherh

26.07.2011 20:36 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Ich bin seit 4 Jahren verheiratet - bin jetzt 23 Jahre alt. Ich und mein Mann haben ein gemeinsames Kind, das 1 Jahr alt ist. Vor 10 Monaten habe ich durch Zufall entdeckt, dass mein mann sich eine Fake-Facebook-Seite erstellt hat, wo er mit anderen Frauen chattet. Er hat Internet-Beziehungen aufgebaut gehabt. Mit der einen hat er wie Verliebt geschrieben, ich zitiere: "Du bist sehr hübsch, du raubst mir den Atem aus, ich will dich." Mit anderen hat er pervers geschrieben, ich zitiere: "Ich will ficken, lass uns heute Nacht in die Disco." Er hat den Frauen seine Handynummer, sein Wohnort und seine Arbeit angegeben. Als ich von all dem wusste, hat er mich angeflohen mich nicht von ihm zu scheiden und er hat mir versprochen sowas nie wieder zu tun und hat auch gesagt, dass er für die Frauen gar nichts empfindet, dass er all das aus Langeweile gemacht hat. Damals war mein Baby 2 Monate alt und nur zu meinem Baby zu Liebe habe ich meine Ehe weitergeführt. Ich war bereit alles zu vergessen. Vor einer Woche habe ich neue Facke-Facebook-Seiten von meinem Mann entdeckt, er chattet diesmal mit anderen Fraue. Das verletzt mich zutiefst in Herz und Seele. Ich möchte mich von ihm scheiden lassen, ich weiss aber nicht wie. Ist das alles ein Scheidungsgrund? Mein Mann droht mir im Falle einer Scheidung mein Kind wegzunehmen und ihn mir nie wieder zu zeigen. Ich bin eine Studentin (habe kein eigenes Einkommen, bekomme Bafög) mein Mann aber arbeitet. Er sagt, dass der Richter das Sorgereicht meinem Mann geben wird, weil ich keinen eigenen Einkommen habe. Wird das wirklich der Fall sein? Außerdem möchte ich gerne wissen, wieviele Kosten mir entstehen werden. Wie gesagt: ich studiere und habe kein eigenes Einkommen. Mein Mann hat mir versichert, dass er alles dafür tun wird, dass der Richter uns nicht scheidet. Ich habe gelesen, dass umso länder ein Prozess dauert, desto mehr Kosten entstehen. Und noch eine letzte Frage habe ich. Ich habe gelesen, dass Mann und Frau mindestens 9 Monate in getrennten Wohnungen leben müssen, um übherhaupt einen Scheidungsantrag stellen zu können. Ist das wahr? Mein Mann und ich haben schon seit einer Woche unsere Bette getrennt und ich bin dabei, unsere Kasssen auch zu trennen. Ich bedanke mich im Voraus für die Antwort. MfG

Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage!


Nachfolgend möchte ich gerne unter Berücksichtigung Ihrer Sachverhaltsschilderung sowie Ihres Einsatzes Ihre Frage wie folgt beantworten:

1. Als Scheidungsgrund ist nach §§ 1565 ff BGB erforderlich, dass die Ehegatten mindestens ein Jahr getrennt leben, sofern beide Ehegatten der Scheidung zustimmen.

Dabei ist nicht unbedingt eine räumliche Trennung erforderlich, sondern die Trennung kann auch innerhalb der Ehewohnung erfolgen (§ 1567 Abs. 1 BGB). Für letzteres ist neben der Trennung der Schlafzimmer vor allem wichtig, dass kein gemeinsames Wirtschaften mehr stattfindet (d.h. keine gemeinsamen Einkäufe, getrennte Rechnungen etc.) und dass nach außen hin die Ehegatten nicht mehr als Paar auftreten, z.B. keine gemeinsamen Besuche mehr auf Feiern.

2. Stimmt jedoch ein Ehegatte der Scheidung nicht zu, so sieht das Gesetz einen längeren Zeitraum für das Getrenntleben vor (denn das Gesetz möchte geschlossene Ehen erhalten).
In diesem Fall wäre grundsätzlich ein Getrenntleben von 3 Jahren erforderlich (§ 1566 Abs. 2 BGB).

Ausnahmsweise kann die Ehe aber auch schon früher geschieden werden, wenn das Festhalten an der Ehe eine unzumutbare Härte darstellt (§ 1565 Abs. 2 BGB). In diesem Fall müsste noch nicht einmal das Trennungsjahr abgewartet werden.

Diese Ausnahmevorschrift ist jedoch eng auszulegen und wird von den Gerichten nur in Extremfällen angewendet wie z.B. häusliche Gewalt, Alkoholismus (OLG Köln, FamRZ 1996, 108). Die Anbahnung ehebrecherischen Verhaltens reicht nach der überwiegenden Rechtsprechung allein noch nicht aus. Daher muss ich leider darauf hinweisen, dass voraussichtlich der Trennungszeitraum von 1 bzw. 3 Jahren eingehalten werden müsste, um die gerichtliche Scheidung zu erreichen.

3. Was das Sorgerecht im Scheidungsfall angeht, so ist es keineswegs so, dass hier das Einkommen entscheidend ist. Vielmehr ist entscheidend das Kindeswohl. Dabei entspricht es nach wie vor der gerichtlichen Praxis, dass gerade für Kleinkinder das Sorgerecht der Mutter zugesprochen wird. Dies gilt umso mehr, wenn der Vater berufstätig ist und sich währenddessen nicht um das Kind kümmern kann.

4. In Bezug auf die Kosten eines Scheidungsverfahrens sind sie als BAFÖG-beziehende Studentin regelmäßig berechtigt, beim für die Scheidung zuständigen Gericht, Verfahrenskostenhilfe zu beantragen, d.h. die Staatskasse ganz oder zu einem Großteil für Ihren Anteil der Kosten des Gerichtsverfahrens aufkommt.

Für die Kosten einer vorgerichtlichen Beratung durch einen Rechtsanwalt vor Ort können Sie sich am Amtsgericht einen Beratungshilfeschein aushändigen lassen.



Ich hoffe Ihnen eine erste rechtliche Orientierung ermöglicht zu haben und wünsche Ihnen alles Gute!


Ich möchte Sie gerne noch abschließend auf Folgendes hinweisen:

Die von mir erteilte rechtliche Auskunft basiert ausschließlich auf den von Ihnen zur Verfügung gestellten Sachverhaltsangaben. Bei meiner Antwort handelt es sich lediglich um eine erste rechtliche Einschätzung des Sachverhaltes, die eine vollumfängliche Begutachtung des Sachverhalts nicht ersetzen kann.

Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ingo Driftmeyer
Rechtsanwalt

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