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Reklamation eines reklamierten und korrigierten Baumangels

| 18.07.2011 12:40 |
Preis: ***,00 € |

Baurecht, Architektenrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Thomas Bohle


Hallo und guten Tag, im Juni 2006 wurde ein Anbau an meine Wohnung (alles Parterre) fertiggestellt. Der Anbau ist verklinkert. Ausführung und Abrechnung gem. VOB. Im März 2008 stellte ich über einer der beiden Fensterfronten (ca. 4 m lang) einen Riss im Fenstersturz fest, der sich über zirka 2,5 m hinzog. Ich habe den Riss bei der Firma, die den Bau für mich organisiert hatte, gemeldet. Die Baufirma, die die Mauerarbeiten ausgeführt hatte, kam dann auch anstandslos und besserte den Riss aus. Vor ein paar Wochen habe ich nun festgestellt, dass sich an beinahe gleicher Stelle wieder ein Riss gebildet hat. "Beinahe" deshalb, weil ich mir nicht sicher bin, ob der Riss beim letzten, reklamierten Mal, nicht eine Klinkersteinreihe tiefer lag. In der Zwischenzeit war auch schon wieder jemand von einer Baufirma hier und hat den Schaden angesehen. Es handelt sich jetzt um eine andere Baufirma, die in dem Handwerkverbund mitarbeitet. Der Mitarbeiter machte mich darauf aufmerksam, dass insgesamt der Sturz leicht durchhängt, was ich vorher noch gar nicht bemerkt habe. Letztlich war er sich nicht sicher, ob es ausreicht, nur den Riss auszubessern, oder ob nicht der ganze Sturz erneuert werden müsste. Er wollte sich mit seinem Chef telefonisch kurzschließen. Ich musste leider zu der Zeit weg, weil ich einen Termin hatte, aber als ich wiederkam, war der Riss nicht ausgebessert. Ich nehme also an, dass es nicht nur mit "eben mal ausbessern" getan ist. Von meiner Firma, die den Bau des Anbaus betreut hatte, habe ich jetzt noch nichts wieder gehört. Bevor ich mich mit denen auseinandersetze, würde ich gern wissen, ob ich darauf bestehen kann, dass das Problem kostenlos für mich geregelt wird. Es scheint ja ein Baumangel vorzuliegen, den ich ja auch schon einmal in der Gewährleistungszeit reklamiert hatte. Ich würde auch gern wissen, ob, wenn die Firma sich um den Riss für mich kostenlos zu kümmern hat, ich darauf bestehen kann, dass die ordentliche Variante (Sturz erneuern) durchgeführt wird. Mit Dank und Gruss,

Sehr geehrte Ratsuchende,


nach Ihrer Sachverhaltsdarstellung und vorbehaltlich der Prüfung der genauen vertraglichen Vereinbarungen werden Sie einen für Sie kostenlosen Nachbesserungsanspruch haben.


Denn Sie haben hier als Auftraggeber bei dem Auftragnehmer noch während der ursprünglich laufenden Verjährungszeit die Beseitigung eines Mangels schriftlich verlangt. Und ist dieses der Fall, beginnt für diesen Mangel nach den Vorschriften der VOB/B eine neue Frist von mindestens zwei Jahren zu laufen; diese Mindestfrist wäre als au jeden Fall einzuhalten.

Ist im Vertrag aber keine gesonderte Verjährungsfrist von zwei Jahren vereinbart, sondern "nur" auf die VOB/B Bezug genommen worden, gilt sogar die vierjährige Gewährleistungsfrist.

Der Vertrag wäre also unbedingt auf die Vereinbarung einer bestimmten Frist zu prüfen.


Führt der Auftragnehmer hie hier die Mangelbeseitigungsarbeiten aus, gilt für diese Arbeiten wiederum eine neue Gewährleistungsfrist, d.h. auch insoweit beginnt die vertraglich vereinbarte Gewährleistungsfrist von neuem, so das neben der vertraglichen Gewährleistungsfrist auch das Datum der ersten Mängelbeseitigung entscheidend ist.



Zu der Frage, welche Ausführungen dazu tatsächlich notwendig sind, ist immer zu beachten, dass das Bauwerk ordnungsgemäß und nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt werden muss:


Dafür, dass dieses hier nicht erfolgt ist, spricht das Durchhängen des Sturzes, da dann sehr viel dafür spricht, dass dieser ein tragendes Teil sein wird und das offenbar nicht berücksichtigt worden ist- die ganze Dimension scheint also nicht zu stimmen und es ist möglich, dass die DIN 1045-1 nicht eingehalten worden ist, was dann aber ggfs. durch einen Sachverständigen festgestellt werden müsste, da es vorab eine technische Frage sein wird.


Ich würde Ihnen also dazu raten, zunächst die betreuende Baufirma zu informieren und den Vertrag auf Besonderheiten der Verjährungsfristen - die auf zwei Jahre abgekürzt werden könnten (siehe oben) - prüfen zu lassen.
Dann sollte unbedingt ein Sachverständiger zu der Frage eingeschaltet werden, welche Arbeiten notwendig sind, um das Auftreten nochmaliger Mängel zu verhindern.
Kommt dieser zu dem Ergebnis, dass ein falscher Sturz eingebaut worden ist, wird dieser dann auszuwechseln sein.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle

Nachfrage vom Fragesteller 18.07.2011 | 13:42

Sehr geehrter Herr Bohle,
vielen Dank für die ausführliche Antwort, die mir schon weiterhilft. In Bezug auf eine Inanspruchnahme eines Sachverständigen, der ja vermutlich nicht billig sein wird, frage ich mich, wer dann letztlich den Sachverständigen bezahlen muss. Nochmals Dank und Gruss,

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 18.07.2011 | 13:57

Sehr geehrte Ratsuchende,


zunächst werden Sie als Auftraggeberin die Kosten verauslagen müssen. Aber in Hinblick auf die nicht unerheblichen Werte und die möglicherweise bestehende Gefährdung der Bausubstanz sollten Sie diese Investition vornehmen.

Es nützt insoweit wenig, am falschen Ende zu sparen und möglicherweise einen solchen Pfusch dann hinzunehmen, der letztlich zur Standunsicherheit führen könnte. Denn dann hätten Sie sicherlich erheblich mehr Kosten zu tragen.


Je nach Ausgang des Verfahrens kann dann ein Kosten ERSTATTUNGSanspruch bestehen, der durchzusetzen wäre. Dieses hängt aber von dem Ergebnis der Begutachtung ab, was sich naturgemäß im Rahmen dieser ERSTberatung kaum klären lassen wird.

Je nach Arbeitsaufwand liegen die Kosten bei rund 500 - 2000 Euro, so dass Sie bei der IHK die Liste der Gutachter einsehen und dann ggfs. mit dem Gutachter auch einen Festpreis für die Gutachtenerstellung vereinbaren sollten.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Thomas Bohle

Bewertung des Fragestellers 18.07.2011 | 14:00

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