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Cabrio-Verdeck defekt durch Glassplitter - wer zahlt?

| 25.07.2010 13:24 |
Preis: ***,00 € |

Generelle Themen


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor kurzem ist die Beifahrerseitenscheibe meines Mini Cooper Cabriolets in Millionen Splitter zerbrochen. Grund kenne ich nicht. Der Schaden wurde vom Autohaus behoben. Die Teilkasko sprang ein.

Nach etwa drei Wochen ging mein Verdeck nicht mehr, und man stellte fest, dass sich Glassplitter im Verdeck befanden, die die Kassette (Mini hat ein zusätzliches Schiebedach, welches dieses Kassettenteil benötigt) kaputt machten. Kosten 1.800 €, da die Kassette so teuer ist (ca. 1.100 €).
Ein weiteres Problem: lt. Autohaus hat dieses Teil keine Reparaturstufe, einmal demontiert, kann man die nicht mehr zusammenbauen.

Zahlen wollen weder Autohaus noch Versicherung

Das Autohaus argumentiert nun folgendermaßen:

1) es wäre egal gewesen, ob man mich auf einen eventuellen Verdeckschaden aufmerksam gemacht hätte, die Kosten wären immer gleich hoch gewesen, da es ja keine Reparaturstufe gibt.

2) man kann normalerweise nicht davon ausgehen, dass die Glassplitter bis ins Verdeck geschleudert werden, daher muss Versicherung zahlen. Ich wäre da eine absolute Ausnahme gewesen. Als Beispiel gibt das Autohaus an, dass bei einer zerrissenen Scheibe gerne Ledersitze kaputt gehen, solch ein Schaden wäre sofort sichtbar, die Versicherungen zahlen in der Regel dies auch.

Die Versicherung argumentiert:
- alles Ausrede, das Autohaus ist ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen, hätten das Verdeck inspizieren müssen, damit es zu keinem Folgeschaden kommt. Ich solle mir Rechtsbeistand zulegen.
Auf meinen Hinweis, dass die Kosten aber immer die gleichen gewesen wären, ging man nicht ein.

Meine Frage ist nun,
a) ob das Autohaus da nicht doch zumindest eine Informationspflicht oder doch auch eine Prüfpflicht gehabt hätte.
b) die Versicherung ersetzt meines Wissens die Innenraumreinigung auch nur bis zu einem bestimmten Grad, sind den Autohäusern hierbei nicht auch die Hände gebunden?

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen, Chris

Sehr geehrte(r) Fragesteller(in),

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Ich möchte diese anhand des geschilderten Sachverhaltes im Rahmen dieser Erstberatung wie folgt beantworten:

Nach meiner Einschätzung auf Basis Ihrer Sachverhaltsschilderung dürfte hier die Versicherung Recht haben, also im Ergebnis nur die ausführende Werkstatt für die Kosten der weiteren Reparatur an der Kassette haftbar zu machen sein. Dies hat folgenden Hintergrund:

Zwischen Ihnen und der Werkstatt ist wegen der ursprünglichen Beseitigung der Glassplitterschäden ein Reparaturvertrag und damit im gesetzlichen Sinne ein Werkvertrag zustande gekommen. Hierbei oblag der Werkstatt mindestens die vertragliche Nebenpflicht zur vollständigen Erforschung und Beseitigung der Folgen der Schadensursachen. Dieser Pflicht ist die Werkstatt nicht nachgekommen, da Sie das Fahrzeug nicht vollständig auf etwaige noch verbliebene Glassplitter, insbesondere im Bereich des Verdecks, untersucht geschweige denn jene vertragsgemäß beseitigt hat. Insoweit ist die erfolgte erste Reparaturleistung im Rechtssinne als mangelhaft einzustufen. Führt dann wie bei Ihnen hinsichtlich des Verdecks die Mangelhaftigkeit dieser Leistung dazu, dass ein weiterer Schaden entsteht (so genannter Mangelfolgeschaden), so können Sie von der Werkstatt grundsätzlich Schadenersatz verlangen, sofern dieser ein Verschulden vorzuwerfen ist. Ein solches Verschulden trifft die Werkstatt dann, wenn sie den Mangel entweder vorsätzlich oder fahrlässig –wie in Ihrem Fall durch Verletzung der ihr obliegenden Sorgfaltspflicht zur vollständigen Erforschung und Beseitigung der Schadensfolgen – verursacht hat. Im Ergebnis können Sie also von der Werkstatt primär kostenlose Nachbesserung in Form der Reparatur auch des Verdecks, bei Nichterfüllung sodann entsprechend Schadensersatz verlangen.

Hingegen dürfte ansonsten eine weitergehende Verpflichtung der Versicherung zur entsprechenden Regulierung auf Grundlage der Teilkasko für Glasschäden nicht weiter gegeben sein. Unter Glasschaden ist im versicherungsrechtlichen Sinne zunächst ein Bruch an Verglasung bzw. glasähnlichen Teilen wie Spiegel, Blinkleuchten, Glasdach und Scheinwerfer zu verstehen. Die Entschädigungsleistung der Versicherung umfasst dabei aber in der Regel nicht die Beseitigung auch von Folgeschäden wie Splitterbeseitigung (also dementsprechend wie Sie schon richtig vermutet haben, auch die Innenreinigung nur bis zu einem bestimmten Grad), Polsterschäden und Lackbeschädigungen etc. am eigenen Fahrzeug. Etwas anderes kann sich allenfalls aus den Ihrem Vertrag zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen oder dem Inhalt der vertraglichen Vereinbarung mit der Teilkaskoversicherung ergeben. Sollte insoweit in den versicherungsrechtlichen Vereinbarungen aber nichts Ergänzendes geregelt sein, ist entsprechend des Vorgenannten davon auszugehen, dass der Verdeckschaden einen Folgeschaden des Glasbruchs darstellt, welcher wie aufgezeigt von der Entschädigungspflicht der Versicherung bei Teilkasko leider nicht abgedeckt ist.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Überblick verschaffen und meine Ausführungen helfen Ihnen weiter.

Mit freundlichen Grüßen


Thomas Joschko
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 26.07.2010 | 17:34

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