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Schaden durch Kater

27. Juni 2010 20:34 |
Preis: ***,00 € |

Schadensersatz


Sehr geehrte Frau Rechtsanwältin, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,

ich habe meinen fast 1 Jahr alten, noch nicht kastrierten Stubenkater einer Frau, die nebenberuflich Haustiere betreut, zur Versorgung während meines 14-tägigen Urlaubs übergeben. Sie hat den Kater in ihre Wohnung, in der sie mit 2 Katzen und einem Hund lebt, aufgenommen. Es wurde ein Betreuungsvertrag abgeschlossen, in dem auch vermerkt ist, dass der Kater nicht kastriert ist. Außerdem ist ihr das Alter des Katers bekannt gewesen.. Die Hälfte des Betreungsentgeldes wurde im Voraus bezahlt. Nach 2 Tagen meldete sich die Frau bei meiner Verwandtschaft, weil der Kater überall in ihrer Wohnung markierte und Gestank verbreitete. Ab dem 3. Tag wurde der Kater dann bis zu meiner Rückkehr aus dem Urlaub in meiner Wohnung von meiner Verwandtschaft versorgt. Nun erhebt die Frau , da sie erheblichen Putzaufwand gehabt habe und der Gestank sich aus manchen Gegenständen nicht entfernen lasse, folgende Forderungen per E-Mail:

2 Kratzbäume gesamt: 55 Euro; Putzmittel: 28,49 ; Badezimmermatten: 15 Euro; Schlafsessel 159 Euro; Sofa 849 Euro; Arbeitsstunden (18 Std. á 7 EUR): 126,00 Euro;Schuhe: 79,90 Euro; Teppich: 79,90 Euro; Gesamt 1392,29 Euro

Dazu habe ich folgende Fragen:

1. Hat sie überhaupt ein Recht auf Schadensersatz, da das Verhalten des Katers bei der ihr bekannten Konstellation zu erwarten war?

2. Wenn ja, übernimmt meine Privathaftpflicht (Cosmos direkt) die Begleichung des Schadens?

In den Versicherungsbedingungen heißt es:....: Versichert ist die gesetzliche Haftpflicht des Versicherungsnehmers als Privatperson aus den Gefahren des täglichen Lebens, insbesondere, …, als Halter oder Hüter von zahmen Haustieren, gezähmten Kleintieren oder Bienen – nicht jedoch Hunden, Rindern, Pferden, sonstigen Reit- und Zugtieren, wilden Tieren sowie von Tieren, die zu gewerblichen oder landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden.

3. Falls ich den Schaden begleichen muss, wie wird die Höhe des Schadens festgestellt? Ich kann die Angaben der Frau nicht nachprüfen, und sie hat keine Kaufbelege mehr.

4. Falls die Frau kein Recht auf Schadensersatz hat, wie wehre ich Ihre Forderungen erfolgreich ab?

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrte Fragestellerin,

vielen Dank für Ihre Anfrage!

Unter Berücksichtigung Ihrer Angaben beantworte ich Ihre Frage wie folgt:


1. Hat sie überhaupt ein Recht auf Schadensersatz, da das Verhalten des Katers bei der ihr bekannten Konstellation zu erwarten war?

Zunächst ist zu unterscheiden, woraus ein Anspruch folgen könnte. Ein Anspruch aus dem Vertrag scheidet in der vorliegenden Konstellation nach Ihren Angaben wohl aus, da die Tiersitterin wußte, was für ein Tier zur Pflege aufgenommen wurde. Sie haben alle Informationspflichten, die sich aus einem solchen Vertrag ergeben können, erfüllt und damit keine zum Schadensersatz führende Pflichtverletzung begangen. Für die Angabe der relevanten Informationen haben Sie als Beweismittel den Vertrag vorliegen.

Jedoch sieht das deutsche Recht eine grundsätzliche Haftung des Tierhalters vor, § 833 BGB . Tierhalter ist, wer die Bestimmungsmacht über das Tier hat und für die Kosten des Tieres aufkommt. Halter sind Sie auch, wenn sie im Urlaub sind und das Tier sich bei "Pflegeeltern" befindet.
Diese Haftung könnte eventuell vertraglich ausgeschlossen sein. Dies müsste vorliegend genauer geprüft werden.

Der Schaden muss "durch ein Tier" verursacht worden sein, d.h. es muss sich die spezifische Tiergefahr in der Schädigung verwirklicht haben. Sie beschreiben das typische Verhalten eines jungen männlichen Katers, so dass man dies bejahen muss.

Allerdings muss sich der Geschädigte grundsätzlich ein sogenanntes Mitverschulden nach § 254 BGB anrechnen lassen. Dies gilt insbesondere, wenn der Geschädigte die Sorgfalt ausser acht lässt, die ein verständiger Mensch gegenüber diesem Tier hätte, um sich vor Schaden zu bewahren. Darunter fällt auch die hier vorliegende Kenntnis der Tiersitterin vom Alter und Geschlecht des Katers. Da sie nebenberuflich Tiere pflegt, muss sie wissen, welche Besonderheiten sich aus bestimmten Konstellationen ergeben und entweder keinen Betreuungsvertrag abschließen oder eben besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen bei der Unterbringung. Eine Unterbringung mit zwei Katzen ist als Mitverschulden zu werten.

Grundsätzlich sind Sie danach zwar zum Schadensersatz verpflichtet. Jedoch ist eine Quotelung entsprechend des Mitverschuldens zu erwarten. Die Anrechnung des Mitverschuldens kann im Einzelfall sogar zu einer Quotelung von 0% (Tierhalter) zu 100% (Geschädigter) führen.


2. Wenn ja, übernimmt meine Privathaftpflicht (Cosmos direkt) die Begleichung des Schadens?

Nach dem zitierten Passus fällt der verursachte Schaden in den Geltungsbereich der Haftpflichtversicherung.


3. Falls ich den Schaden begleichen muss, wie wird die Höhe des Schadens festgestellt? Ich kann die Angaben der Frau nicht nachprüfen, und sie hat keine Kaufbelege mehr.

Der Schaden wird grundsätzlich konkret berechnet, d.h. die tatsächliche Vermögensminderung wäre anzusetzen. Hierfür sind Kaufbelege oder Belege über die Reinigung zwar sinnvoll. Im Zweifel wird aber auch ein Sachverständiger den jeweiligen Schaden schätzen. Sofern eine Sache komplett zerstört wurde, ist der Wiederbeschaffungswert einer gleichwertigen Sache maßgeblich.


4. Falls die Frau kein Recht auf Schadensersatz hat, wie wehre ich Ihre Forderungen erfolgreich ab?

Wie bereits ausgeführt, hat die Tiersitterin zwar dem Grunde nach einen Schadensersatzanspruch. Die geltend gemachte Höhe ist hier aufgrund des Mitverschuldens aber äußerst zweifelhaft. Es wäre vorliegend wahrscheinlich sinnvoll, zur (teilweisen) Abwehr der Ansprüche einen Anwalt mit der genauen Prüfung des Sachverhalts zu beauftragen. Dieser kann dann in Absprache mit Ihnen der Gegenseite einen angemessenen Vergleichsvorschlag machen. Hierfür stehe ich Ihnen natürlich gerne zur Verfügung.

Weiterhin sollten Sie jedoch bereits jetzt Ihrer Versicherung den Sachverhalt schildern, da diese bei Verzögerungen durch den Versicherungsnehmer teilweise die Regulierung von Schäden ablehnen.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit den obigen Ausführungen eine erste rechtliche Orientierung geben. Bitte beachten Sie jedoch, dass dieses Forum keine persönliche Rechtsberatung ersetzen kann und dass durch Hinzufügen oder Weglassen wichtiger Informationen die rechtliche Bewertung anders ausfallen kann.

Bei Nachfragen nutzen Sie gerne die kostenlose Nachfragefunktion.


Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag Abend!

Mit freundlichen Grüßen


Nele Trenner
Rechtsanwältin

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