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doppelte Haushaltsführung - Erstwohnsitz Ausland


08.11.2006 12:01 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht



Guten Tag,

ich habe eine Frage zur doppelten Haushaltsführung.
Ich habe bis September 2004 in Frankreich (Paris) gelebt.
Seit Oktober 2004 arbeite ich an der Universität Mannheim.
Ich habe seitdem eine Ein-Zimmer-Wohnung in Mannheim und pendle zwischen
Mannheim und Paris.
Aufgrund flexibler Arbeitszeiten bin ich meist etwa nur 3 Tage pro Woche in Mannheim.
Ich würde gerne die Kosten für die Wohnung und das Pendeln als Kosten
für doppelte Haushaltsführung absetzen. Meine Frage: Ist das möglich, obwohl
mein ursprünglicher Wohnort (Paris) im Ausland liegt. Nach dem deutsch-französischen
Doppelbesteuerungsabkommen (siehe Artikel 13, Absatz 4 und 5) muss ich
in jedem Fall mein Gehalt in Deutschland versteuern. Aus den Angaben in der
Lohnsteuerrichtline, (Abschnitt 43, Absatz 3) schließe
ich, dass es möglich sein müsste, Kosten für doppelte Haushaltsführung abzusetzen,
auch wenn der faktische Erstwohnsitz im Ausland liegt. Formal (Meldepflicht)
habe ich allerdings meinen Hauptwohnsitz in Mannheim. Falls das Absetzten von
Kosten möglich wäre, wie muss ich dann meinen Wohnsitz in Frankreich beweisen.
Reicht es, einen Mietvertrag und/oder Bestätigungen vom Vermieter über Mietzahlungen
vorzulegen? Eine weitere Frage: Da ich im Jahr 2004 nur in den Monaten Oktober bis
Dezember steuerpflichtiges Einkommen bezogen habe, hielt ich es für die Einkommenssteuererklärung
2004 nicht für nötig, Kosten für doppelte Haushaltsführung abzusetzen. Ist es jetzt
überhaupt möglich, diese Kosten für das Jahr 2005 geltend zu machen. (Dass ich
tatsächlich im Oktober 2004 eine Wohnung in Mannheim genommen habe, um eine Tätigkeit
dort aufnehmen zu können, kann ich natürlich nachweisen).

Vielen Dank

Sehr geehrter Ratsuchender,

ich bedanke mich für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage des von Ihnen geschilderten Sachverhalts summarisch wie folgt beantworte:

zu Ihrer ersten Frage:
Der Ansatz von Werbungskosten in Form von Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung für das Jahr 2005 ist möglich.

Nach Ihrer Schilderung sind Ihre Einkünfte aus der nichtselbständigen Tätigkeit nach dem DBA Frankreich in Deutschland zu versteuern, sog. Beschränkte Steuerpflicht.
Die Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit, § 19 EStG, sind dabei nach § 2 Abs. 1 Nr.4, Abs. 2 Nr.2 EStG, d.h. nach dem Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten zu ermitteln.

Für die in Deutschland zu versteuernden Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit sind deshalb von den Einnahmen auch die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung grundsätzlich zum Abzug möglich.

Für den Ansatz der Kosten für doppelte Haushaltsführung liegen nach dem geschilderten Sachverhalt auch die Voraussetzungen vor:

1. Für die Abgrenzung Eigener Hausstand und Ort der Zweitwohnung kommt es nicht auf einen melderechtlichen Wohnort oder auf einen Wohnort im Inland an.

Eigener Hausstand ist steuerrechtlich an dem Ort begründet, an dem der Arbeitnehmer den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen hat. Hierfür spricht die den Lebensbedürfnissen des Arbeitnehmers entsprechende Wohnung oder dass der Lebenspartner des Arbeitnehmers dort wohnt.
Nach dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt gehe ich davon aus, dass der Mittelpunkt Ihrer Lebensinteressen weiterhin in Paris liegt.

2. Die Zweitwohnung liegt bei Ihnen nach Sachverhalt klar am Beschäftigungsort in Mannheim.

3. Ein Nachweis des Wohnsitzes in Frankreich ist grundsätzlich nicht nötig. Die Angabe Ihres Wohnsitzes in Frankreich erfolgt bereits im Mantelbogen der Steuererklärung. In der Anlage zu den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit geben Sie dann den Ort der Zweitwohnung an und weisen dort die Aufwendungen für die dort verursachten Mietzahlungen nach. Dies kann z.B. durch eine Kopie des Mietvertrages erfolgen.

Im Ergebnis sind also bei der Erklärung Ihrer Einkünfte aus der nichtselbständigen Tätigkeit in Deutschland auch die Kosten der doppelten Haushaltsführung abziehbar.

Zu Ihrer zweiten Frage:

Nach dem Zu-und Abflussprinzip des § 11 EStG, der über das DBA Frankreich für Ihre Einkünfte in Deutschland Anwendung findet, können die Ausgaben nur in dem Kalenderjahr abgesetzt werden, in dem sie geleistet worden sind.

Ein Ansatz der Werbungskosten für 2004 kann also nur im Veranlagungsjahr 2004 erfolgen und nicht in einem anderen Veranlagungsjahr, hier etwa in 2005.
Unter Umständen können die Aufwendungen aber noch für das Jahr 2004 angesetzt werden. Entscheidend ist hierfür, ob Sie für dieses Jahr bereits bestandskräftig zur Einkommensteuer veranlagt worden sind. Dies kann nach dem vorliegenden Sachverhalt nicht abschließend beantwortet werden, da es hierfür maßgeblich auf den Zeitpunkt des Erlasses der Steuerbescheide 2004 ankommt.

Falls Sie hier weitere Beratung benötigen, stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Im übrigen hoffe ich, dass Ihnen diese Ausführungen weitergeholfen haben.

Ich weise darauf hin, dass sich meine Auskünfte nur auf die Informationen beziehen, wie sie mir im geschilderten Sachverhalt zur Verfügung gestellt wurden. Für eine tiefergehende rechtliche Würdigung Ihres Problems ist eine umfassende Sachverhaltsermittlung unerlässlich. Diese kann aber im Rahmen dieser online-Beratung natürlich nicht erfolgen. Viele Rechtsfragen können mit dieser Auskunft nicht geklärt werden, da es hier auf die Details im Einzelfall ankommt. Weiterhin sind verbindliche Empfehlungen, wie sie Ihre Rechte durchsetzen können, nur im Rahmen einer Mandatserteilung möglich.

Mit freundlichen Grüßen

Maria Sonnenberg
Rechtsanwältin

Sonnenberg Rechtsanwälte
Fachanwälte für Familienrecht und Steuerrecht

Poststr. 10, 87435 Kempten (Allgäu), Tel.: (0831) 520 70 80, RAe@Sonnenberg-Sonnenberg.de

Nachfrage vom Fragesteller 08.11.2006 | 14:43

Vielen Dank fuer die Auskunft,

ich habe noch eine Nachfrage. Ich habe wie gesagt fuer das Jahr 2004 keine Kosten fuer doppelte Haushaltsfuehrung geltend gemacht, und will das auch jetzt nicht im Nachhinein machen
(Da ich 2004 nur 3 Monate steuerpflichtiges Einkommen bezogen habe, habe ich sowieso 0 Euro Steuern bezahlt. Der Steuerbescheid fuer 2004 ist am 1.9.2005 ergangen). Es geht mir nur um die Kosten, die in 2005 entstanden sind. Andererseits habe ich in der Steuererklaerung fuer 2004 als Adresse auf dem Mantelbogen meine
Adresse in Deutschland angegeben, weil das eben formal mein Hauptwohnsitz war. Wenn ich jetzt eine franzoesische Adresse angebe, wird das Finanzamt doch sicher nicht ohne weiteres anerkennen, dass
ich schon vorher in Frankreich gewohnt habe und aus beruflichen Gruenden nach Deutschland umgezogen bin? Ist das Absetzen von Kosten wegen doppelter Haushaltsfuehrung trotzdem moeglich?


Vielen Dank


Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.11.2006 | 10:52

Sehr geehrter Ratsuchender,

entschuldigen Sie zunächst, dass Sie erst heute Antwort auf Ihre Nachfrage erhalten.

Zu Ihrer Nachfrage:

Wenn es den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht, dass sich in 2005 Ihr Lebensmittelpunkt in Frankreich befand, so ist dies auch in der Steuererklärung als Wohnort entsprechend anzugeben.
Im übrigen kann ja auch nur dann ein Ansatz der Kosten für doppelte Haushaltsführung erfolgen.
Die Finanzbehörden sind grundsätzlich an diese Angaben gebunden, können aber bei Zweifeln nachhaken. Es bleibt aber natürlich Ihrer persönlichen Lebensplanung überlassen, an welchem Wohnort Sie Ihren persönlichen Lebensmittelpunkt einrichten.
Bei Nachfragen der Finanzbehörden in ähnlichen Fällen hat es dabei regelmäßig ausgereicht, dass der Steuerpflichtige den Finanzbehörden bestätigt hat (unter Schilderung des Sachverhalts, dass sich dort z.B. die Familienangehörigen befinden oder unter Umständen unter Vorlage von Mietverträgen), dass sich der Mittelpunkt seiner Lebensinteressen an diesem Wohnort befindet.

Allein aus der Tatsache, dass Sie in 2004 noch Mannheim als Wohnort angegeben haben und nun für 2005 Paris als Ihren maßgeblichen Wohnort angeben, kann Ihnen der Ansatz der doppelten Haushaltsführung nicht versagt werden.
Sollte das Finanzamt deswegen die doppelte Haushaltsführung außer Ansatz lassen, ist hiergegen ein Einspruch durchaus begründbar.

Ob sich aus dem Sachverhalt, dass Ihr persönlicher Lebensmittelpunktes bereits 2004 nach Frankreich verlegt wurde, noch steuerliche Auswirkungen für 2004 ergeben, kann hier nicht beurteilt werden.

Ich weise darauf hin, dass sich meine Auskünfte nur auf die Informationen beziehen, wie sie mir im geschilderten Sachverhalt zur Verfügung gestellt wurden. Für eine tiefergehende rechtliche Würdigung Ihres Problems ist eine umfassende Sachverhaltsermittlung unerlässlich. Diese kann aber im Rahmen dieser online-Beratung natürlich nicht erfolgen. Viele Rechtsfragen können mit dieser Auskunft nicht geklärt werden, da es hier auf die Details im Einzelfall ankommt. Weiterhin sind verbindliche Empfehlungen, wie sie Ihre Rechte durchsetzen können, nur im Rahmen einer Mandatserteilung möglich.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen. Für weitere Rückfragen oder eine verbindliche Beratung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Maria Sonnenberg
Rechtsanwältin
Sonnenberg Rechtsanwälte
Fachanwälte für Familienrecht und Steuerrecht
Poststr. 10, 87435 Kempten (Allgäu), Tel.: (0831) 520 70 80, RAe@Sonnenberg-Sonnenberg.de

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