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beziehung zwischen 14 jähriger und 34 jahre altem mann

| 09.02.2011 20:07 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von


hallo liebe helfenden!
ich bin jetzt 22 jahre alt, weiblich.
ich habe eine spezielle frage zur verführung minderjähriger.
als ich 14 jahre alt war, bin ich (teils durch eigenes verschulden) in eine beziehung mit einem 34 jährigen rein gerutscht. diese beziehung dauerte 14 monate und war in meiner familie und in meinem gesamten umfeld bekannt. ich bin sie freiwillig eingegangen, jedoch entpuppte sie sich aber als ein sehr belastender teufelskreis. ich wurde von ihm faßt ununterbrochen zum sex genötigt, jedoch spielte dabei gewalt keine rolle, mehr ein psychischer druck. auch mit alkohol hat er mich gefügig gemacht. als ich ihn verlassen habe, hat er mich jahrelang gestalkt und belästigt.
meine fragen jetzt:
-kann ich ihn heute noch dafür anzeigen? und in welchem maße würde er dafür bestraft?
-wenn ich ihn dafür anzeigen kann, reichen meine aussagen und briefe, die er mir geschrieben hat, aus? außerdem müsste er noch nacktfotos von mir besitzen (natürlich aus der zeit, als ich 14 war), welche ihn auch belasten könnten?
-ist der ausschank von alkohol an minderjährige generell strafbar?
-werden meine eltern belangt, wenn das an die öffentlichkeit gerät?
-werden solche dinge generell veröffentlicht, wenn sie vor gericht kommen?
-wenn ich heute keine rechtlichen schritte mehr gegen ihn setzen kann, hätte das damals besser funktioniert?
-wann ist ein solcher fall verjährt?

schonmal vielen, vielen dank für ihre hilfe.

09.02.2011 | 23:40

Antwort

von


(146)
Frankfurterstr. 30
51065 Köln
Tel: 0221 16954321
Web: https://kanzlei-kirli-ippolito.de/impressum/
E-Mail:

Sehr geehrte Fragestellerin,

gerne beantworte ich Ihre Anfrage auf der Grundlage des von Ihnen mitgeteilten Sachverhalts wie folgt:

In § 182 StGB heisst es:
(1) Eine Person über achtzehn Jahre, die eine Person unter sechzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie
1. unter Ausnutzung einer Zwangslage oder gegen Entgelt sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder
2. diese unter Ausnutzung einer Zwangslage dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Eine Person über einundzwanzig Jahre, die eine Person unter sechzehn Jahren dadurch missbraucht, dass sie
1. sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder
2. diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen,
und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(3) In den Fällen des Absatzes 2 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.
(4) In den Fällen der Absätze 1 und 2 kann das Gericht von Strafe nach diesen Vorschriften absehen, wenn bei Berücksichtigung des Verhaltens der Person, gegen die sich die Tat richtet, das Unrecht der Tat gering ist.


Zur "Zwangslage"

Zur Zwangslage zählen wirtschaftliche Not und Bedrängnis, sowie persönliche Bedrängnis und psychische Beeinträchtigung, also gravierende Umstände von denen die Gefahr ausgeht, den Widerstand des Opfers gegen sexuelle Übergriffe herab zu setzen. Beispiele dafür sind Notsituationen von Drogenabhängigen, von Personen, die aus dem Heim oder Elternhaus entflohen sind oder von Obdachlosen. Hierbei ist es egal, ob der Täter die Zwangslage selbst geschaffen hat, oder lediglich eine bereits vorhandene Zwangslage ausnutzt. Eine Zwangslage setzt allerdings keine Schutzlosigkeit voraus.

Des Weiteren kommt es nicht darauf an, ob die Zwangslage tatsächlich oder nur vom Jugendlichen so wahrgenommen wird, allerdings muss die Einschätzung der eigenen Lage von Seiten des Jugendlichen einigermaßen sinnvoll eingeschätzt werden, die Einschätzung aufgrund einer jugendtypischen verzerrten Bewertung (z.B. Annahme man habe eine zu große Nase oder „Zwang" die Wahl zum Topmodel zu gewinnen) können nicht als Zwangslage gewertet werden.


Zur "Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung"

Kinder, also Personen unter 14 Jahren, fehlt diese Fähigkeit grundsätzlich. Ab dem 16 Lebensjahr sieht man die Fähigkeit als grundsätzlich gegeben an.

In dem Zwischenbereich ist der Entwicklungsprozess sexueller Reife typischerweise noch nicht abgeschlossen. Hier kommt es darauf an, ob der Täter erkennen kann, dass das Opfer außerstande ist, die Entscheidung über die Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen intellektuell, moralisch und emotional in ein Selbstbild zu integrieren, welches der sexuellen Selbstbestimmung gerecht wird. Ob dies der Fall ist, kann nur anhand des Einzelfalls festgestellt werden, es kommt dabei auch auf das konkrete Verhältnis zum Täter an.

Sollte diesbezüglich eine Strafbarkeit des in Rede stehenden Mannes bestehen, ist die Tat noch nicht verjährt.
Die Verjährung ruht bis zur Vollendung des achtzehnten Lebensjahres des Opfers. Das bedeutet, dass das Opfer in der Regel bis zu seinem 28. Lebensjahr Zeit hat, Sie anzuzeigen.

"wenn ich ihn dafür anzeigen kann, reichen meine aussagen und briefe, die er mir geschrieben hat, aus? außerdem müsste er noch nacktfotos von mir besitzen (natürlich aus der zeit, als ich 14 war), welche ihn auch belasten könnten?"

Natürlich kommen die Briefe und Nacktfotos als mögliche Belastungsbeweise potenziell in Frage. Eine abschließende - vor allem seriöse - Beantwortung dieser Frage ist jedoch im Rahmen dieser Plattform nicht möglich. Hierbei handelt es sich um Tatfragen, die gewürdigt werden müssten. Ohne genaue Kenntnis über den Inhalt der Briefe ist eine - auch eine ungefähre - Aussage nicht möglich.


"werden meine eltern belangt, wenn das an die öffentlichkeit gerät?"
Eine strafrechtliche Verfolgung der Eltern ist grundsätzlich möglich. Dies setzt voraus, dass die Eltern Kenntnis über die ganze Angelegenheit und somit auch eine Pflicht zum Handeln hatten. Als Eltern könnten sie eine Garantenstellung gegenüber dem eigenen 14 jährigen Kind.

Auch könnte theoretisch eine Strafbarkeit nach § 171 StGB in Betracht kommen. In § 171 StGB heisst es:
Wer seine Fürsorge- oder Erziehungspflicht gegenüber einer Person unter sechzehn Jahren gröblich verletzt und dadurch den Schutzbefohlenen in die Gefahr bringt, in seiner körperlichen oder psychischen Entwicklung erheblich geschädigt zu werden, einen kriminellen Lebenswandel zu führen oder der Prostitution nachzugehen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Eine mögliche Strafbarkeit der Eltern wegen § 171 StGB wäre allerdings verjährt.

ACHTUNG (WICHTIGER HINWEIS):
Ob die Eltern wegen anderer Strafnormen ebenfalls strafbar sein könnten und ob diese Taten dann auch verjährt wären, würde hier den Rahmen sprengen; zumal dies alles Tatfragen sind und diesbezüglich sehr relevante Angaben fehlen.

"ist der ausschank von alkohol an minderjährige generell strafbar?"

Jedenfall ordnungwidrig ist u.U. die Abgabe von Alkohol an Jugendliche zu gewerblichen Zwecken, da ein Vertsoß gegen das Jugendschutzzgesetz vorliegt. Unter Umständen kann man sich auch durch den Ausschank von Alkohol an Minderjährigen strafbar machen, wenn man z.B. dadurch eine Körperverletzung begehen würde.

"werden solche dinge generell veröffentlicht, wenn sie vor gericht kommen?"

Es gibt grundsätzlich die Möglichkeit, dass unter bestimmten engen Voraussetzungen die Öffentlichkeit von der Gerichtsverhandlung ausgeschlossen wird. In § 171 b GVG heisst es:

(1) Die Öffentlichkeit kann ausgeschlossen werden, soweit Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich eines Prozeßbeteiligten, Zeugen oder durch eine rechtswidrige Tat (§ 11 Abs. 1 Nr. 5 des Strafgesetzbuches) Verletzten zur Sprache kommen, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde, soweit nicht das Interesse an der öffentlichen Erörterung dieser Umstände überwiegt. Dies gilt nicht, soweit die Personen, deren Lebensbereiche betroffen sind, in der Hauptverhandlung dem Ausschluß der Öffentlichkeit widersprechen.

(2) Die Öffentlichkeit ist auszuschließen, wenn die Voraussetzungen des Absatzes 1 Satz 1 vorliegen und der Ausschluß von der Person, deren Lebensbereich betroffen ist, beantragt wird.

(3) Die Entscheidungen nach den Absätzen 1 und 2 sind unanfechtbar.

Ob die Presse hiervon Kenntnis erlangen könnte oder nicht,kann ich Ihnen nicht beantworten.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen eine erste rechtliche Orientierung verschaffen. Ich weise Sie darauf hin, dass das Weglassen und bzw. oder Hinzufügen von relevanten Angaben eine völlig andere rechtliche Bewertung nach sich ziehen kann.

Bitte bedenken Sie, dass diese Online-Plattform nicht den Besuch bei einem Rechtsanwalt ersetzen kann.


Mit freundlichen Grüßen

Serkan Kirli
Rechtsanwalt





Rechtsanwalt Serkan Kirli

Rückfrage vom Fragesteller 10.02.2011 | 00:27

vielen dank für ihre sehr ausführliche auskunft.
eine frage hätte ich noch:
wenn ich das richtig verstanden habe, können die eltern (unter umständen) genauso hart bestraft werden, wie ein "kinderschänder"? ist das nicht ungerecht?

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 10.02.2011 | 09:41

Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre nachfrage beantworte ich wie folgt:

"genau so hart" nicht. Jedoch sieht das Gesetz unter bestimmten Umständen ein Einschreiten der Eltern erforderlich.

Ob die Bestrafung allgemein ungerecht ist oder nicht, kann und will ich auf dieser Plattform nicht beantworten. Zum einen handelt es sich um eine rechtspolitische bzw. rechtssoziologsche Frage und zum anderen ist hier für der Mindesteinsatz von 20,00 Euro (brutto) sehr unangemessen niedrig.


Mit freundlichen Grüßen

Serkan Kirli
Rechtsanwalt

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 10.02.2011 | 09:41

Sehr geehrte Fragestellerin,

Ihre nachfrage beantworte ich wie folgt:

"genau so hart" nicht. Jedoch sieht das Gesetz unter bestimmten Umständen ein Einschreiten der Eltern erforderlich.

Ob die Bestrafung allgemein ungerecht ist oder nicht, kann und will ich auf dieser Plattform nicht beantworten. Zum einen handelt es sich um eine rechtspolitische bzw. rechtssoziologsche Frage und zum anderen ist hier für der Mindesteinsatz von 20,00 Euro (brutto) sehr unangemessen niedrig.


Mit freundlichen Grüßen

Serkan Kirli
Rechtsanwalt

Ergänzung vom Anwalt 09.02.2011 | 23:53

Ergänzend sei noch hinzugefügt:

Die Annahme einer Strafbarkeit der Eltern aus § 171 StGB ist nur theoretischer Natur. Im Rahmen dieser Onlineberatung kann ich nicht abschließend sagen, über welche Umstände genau Ihre Eltern informiert waren oder nicht. Je nach Strafvorschriften können sich unterschiedliche Verjährungsfristen ergeben.

Ich hüte mich davor, zu sagen, dass sich Ihre Eltern durch ein aktives Tun oder Unterlassen strafbar gemacht haben könnten.

Ich würde Ihnen jedoch ANRATEN, die ganze Angelegenheit mit einem Kollegen vor Ort zu teilen. Sie meinen, dass die Beziehung 14 Monate angedauert hat. Schon aufgrund dessen, sind abschließende rechtliche Bewertungen nicht möglich. Dem Kollegen Ihres Vertrauens vor Ort, können sie weitreichende Details und insbesondere auch das Verhalten der Eltern offenlegen. Sie können ihm auch die Briefe anvertrauen. Nach einer sorgfältigen Ausarbeitung des Falles, wird er Ihnen auch sicherlich sagen können, ob Ihre Eltern strafrechtlich belangt werden könnten oder nicht. Unter Umständen kann auch dieser eine Strafanzeige fertigen.


Mit freundlichen Grüßen

Serkan Kirli
Rechtsanwalt

Bewertung des Fragestellers 10.02.2011 | 00:30

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