Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

beschränkte/unbeschränkte Steuerpflicht/DBA Italien-Deutschland

| 05.05.2010 15:06 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Marcus Schröter, MBA


Ich beabsichtige in Kürze meinen Wohnsitz in Deutschland aufzugeben und für meine Firma GmbH mit Sitz in Deutschland in Italien zu arbeiten. Dort würde dann mein zukünftiger Wohnsitz und Lebensmittelpunkt sein. Meine Ehefrau und mein Sohn leben bereits seit einigen Jahren in Italien. Wir sind alle 3 italienische Staatsangehörige.

Ich wurde bisher als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt, aufgrund meines Wohnsitzes in Deutschland und weil mein Aufenthalt in Italien, wo wir ein kleines Büro nur für Einkauf und Beschaffung von Informationen (keine Betriebsstätte im Sinne eines DBA) unterhalten, weniger als 183 Tage im Jahr betrug.

Meine Ehefrau ist Gesellschafterin einer vermögensverwaltenden Grundstückgsgemeinschaft in Deutschland und erzielt Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung aus Deutschland.

Für die Ehegattenveranlagung (Steuerklasse III) musste ich bisher jedes Jahr eine Bescheinigung der italienischen Steuerbehörde beibringen, woraus hervorgeht, dass meine Frau in Italien kein Einkommen erzielt.

Aufgrund meiner unbeschränkten Steuerpflicht steht mir auch für meinen in Italien lebenden Sohn Kindergeld zu.

Nach Rücksprache mit unserem Steuerberater kann ich auch ohne einen Wohnsitz im Inland auf Antrag als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden gem. § 1 Abs. 3 EStG.
Einkünfte müssen mindestens zu 90% der deutschen ESt unterliegen. Meine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Vergütungen für Geschäftsführer bei einer Gesellschaft mit Geschäftsleitung im Inland) sollten nach § 49 EStG Abs. 1 Nr. 4 und 5 Buchst. C als inländische Einkünfte gelten. Ich bin Geschäftsführender Gesellschafter und nach § 181 BGB von der Sozialversicherungspflicht befreit.

Meine Ehefrau mit Wohnsitz in Italien kann gem. § 1a Abs. 1 Nr. 2 EStG ebenfalls als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden.

Die Zusammenrechnung der Einkünfte beider Ehegatten gem. § 1a Abs. 1 Nr. 2 S. 3 EStG führt zu dem Ergebnis, dass 100% der Einkünfte der deutschen Einkommensteuer unterliegen (In Italien haben wir keinerlei Einkünfte).

Unser Steuerberater ist der Meinung, dass hiermit die Voraussetzungen für die Ehegattenveranlagung nach § 26 Abs. 1 S. 1 EStG sowie weitere familienstandsbezogene Steuervergünstigungen, wie z.B. Verdoppelung der Pauschbeträge, erfüllt sind.

Durch die unbeschränkte Steuerpflicht sind auch die Voraussetzungen für alle personenbezogenen Steuervergünstigungen erfüllt, z.B. der Bezug von Kindergeld.

Meine Fragen lauten:

1)
Kann ich mich wirklich darauf verlassen, dass ich in Deutschland auch nach meinem Wegzug als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werde und alle Steuervergünstigungen und das Kindergeld weiterhin bekommen werde?

2)
Hat das italienische Finanzamt -durch meine Wohnsitzanmeldung in Italien- auch ein Recht auf eine Besteuerung (Ansässigkeitsstaat) unseres deutschen Einkommens oder müssen die italienischen Behörden die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland anerkennen und das Einkommen braucht nicht in Italien angegeben/versteuert zu werden?

Ich danke Ihnen im voraus für die baldige Beantwortung meiner Fragen und stehe für eventuelle Rückfragen jederzeit zur Verfügung.

Sehr geehrter Ratsuchender,

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich auf Grundlage Ihrer Angaben wie folgt beantworte:

1. Kann ich mich wirklich darauf verlassen, dass ich in Deutschland auch nach meinem Wegzug als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werde und alle Steuervergünstigungen und das Kindergeld weiterhin bekommen werde?

Die Ausführungen Ihres Steuerberaters sind vollkommen korrekt.

Auf Antrag bei dem deutschen Finanzamt können Sie und Ihre Frau als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden. Dies ist gerade wegen der angesprochenen Freibeträge sinnvoll, da bei einer beschränkten Steuerpflicht nur die jeweiligen Werbungskosten in der betreffenden Einkommensart geltend gemacht werden.

Hinsichtlich des Kindergeldanspruches ist hier § 62 Abs. 1 Nr. a EStG maßgebend. Danach besteht auch bei einem Wegzug nach Italien ein entsprechende Anspruch auf Kindergeld bei unbeschränkter Steuerpflicht.

2. Hat das italienische Finanzamt -durch meine Wohnsitzanmeldung in Italien- auch ein Recht auf eine Besteuerung (Ansässigkeitsstaat) unseres deutschen Einkommens oder müssen die italienischen Behörden die unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland anerkennen und das Einkommen braucht nicht in Italien angegeben/versteuert zu werden?

Maßgebend ist hier Art 24 des Doppelbesteuerungsabkommens mit Italien. Danach soll eine Doppelbesteuerung vermieden werden. Insoweit erfolgt keine Besteuerung der Einkünfte in Italien.

Allerdings können die Einkünfte in Deutschland bei der Bemessungsgrundlage für die Festsetzung der italienischen Einkommenssteuer berücksichtigt werden. Dies ist aber nur dann der Fall, wenn in Italien auch steuerbare Einkünfte nach Art 2 DBA erzielt werden.

Werden in Italien Einkünfte erzielt werden die Einkünfte aus Deutschland in der Bemessungsgrundlage berücksichtigt und hieraus die Einkommenssteuer in Italien ermittelt.

Davon werden die in Deutschland bereits abgeführten Steuern im Verhältnis zu den gesamten Einkünften abgezogen, so dass die Differenz dann die tatsächliche Steuerlast beträgt.

Werden wie von Ihnen ausgeführt keine Einnahmen in Italien erzielt (Problem Betriebsstätte) fällt mangels Einkommen nach Art 2 auch keine Einkommenssteuer in Italien an, mit der Folge, dass die Einnahmen aus Deutschland keine Berücksichtigung in der Bemessungsgrundlage finden.

Anbei finden Sie das einschlägige DBA mit Italien.

http://www.pgpartners.it/upload/Documenti/DBA%20Italien-Deutschland%20181098.pdf

Ich hoffe ich konnte Ihnen einen hilfreichen Überblick verschaffen.

Mit besten Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 05.05.2010 | 18:35

Ich danke vielmals für die prompte und ausführliche Beantwortung.
Sie haben mir bei meiner Entscheidungsfindung sehr geholfen.

Zu Ihrer Ausführung:

"Dies ist aber nur dann der Fall, wenn in Italien auch steuerbare Einkünfte nach Art 2 DBA erzielt werden."

hätte ich gerne gewußt, ob der reine Besitz von Immobilien auch darunter fällt, wenn dafür keine Mieteinnahmen erzielt werden?

Das wird sonst sicherlich ein Punkt sein, den ich mit einem Steuerberater in Italien klären muss. Vielen Dank noch mal.

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 05.05.2010 | 19:40

Der reine Besitz fällt nicht darunter, wenn, wie Sie ausführen, keine Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erzielt werden.

Allerdings ist in dem Protokoll zu dem DBA mit Italien festgehalten, dass auch die Vermöegsnsteuer unter Art 2 DBA fällt. Ist das Eigentum in Italien vermögenssteuerpflichtig könnte dies dann zu einer indirekten Besteuerung auch in Italien führen.

Viele Grüße

Bewertung des Fragestellers 06.05.2010 | 09:53

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Die Antwort kam schnell, ausführlich ohne Ausschweifungen und leicht verständlich. Ich kann diesen Anwalt mit gutem Gewissen weiter empfehlen. "
Jetzt Frage stellen