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ärztliche Behandlung in der Schwangerschaft /Neugeborenenintensiv


| 24.07.2017 12:28 |
Preis: 75,00 € |

Medizinrecht


Beantwortet von



Das erste Mal wurde rückblickend das Leben meines Kindes in der Schwangerschaftswoche 22 gefährdet, als ich nach einer Untersuchung im KH mit diagnostizierter Cervixinsuffiziens und einem Befund von 15mm für 5 Tage wieder nach Hause geschickt wurde statt sofort stationär aufgenommen zu werden (kritische Grenze sind 25mm). Bei der Nachuntersuchung 5 Tage später wurden nur noch 10mm befundet und ein stationärer Aufenthalt mit OP (totaler Muttermundverschluss und Cerclage) folgte. 5 weitere Wochen später kam es am 16.06. zu einem vorzeitigen Blasensprung (Schwangerschaftswoche 29+1, abgeschlossene zweite Lungenreifung vorhanden). Bei Aufnahme wurde mir gesagt, dass die Fruchtwassermenge zu gering und nicht mehr messbar sei. Deshalb würde es unter anderem zu einer Dauerantibiose kommen, um bedrohliche Infektionen zu vermeiden. Nach einer Woche Aufenthalt wurde die Antibiose dann mit der veränderten Meinung abgesetzt, man dürfe eine eventuell gegebene Infektion nicht unterdrücken. Wiederum eine Woche später kam es wie vorauszusehen zum Nachweis einer bakteriellen Infektion. Statt das Kind zu holen, wurde wie vorher eigentlich ausgeschlossen, wieder eine Antibiose angesetzt. Ich folgte der Verabreichungsempfehlung, tat aber mehrfach mein Unverständnis und meine Ängste kund. Im Ergebnis kam 2 Tage später die zuständige Oberärztin und zog die Cerclage als eventuelle Ursache für die eingetretene bakterielle Infektion. Ich war froh, weil ich die Hoffnung hatte, dass sich meine Tochter jetzt auf den Weg machen wird. Weitere 5 Tage später kam es dann zur Spontangeburt (auch diese lief nicht reibungslos ab). Meine Tochter wurde aufgrund der bakteriellen Infektion in der Schwangerschaftswoche 32+4 mit lebensbedrohlicher Sepsis geboren und war Schwerstintensivpatientin, die um ihr Leben kämpfte und das ganze medizinische Programm einforderte. Laut erster Aussage des KInderarztes war meine Tochter krankheitsbedingt in einem sehr schlechten Allgemeinzustand, der eigentlich nicht der Schwangerschaftswoche entspricht. Auch die Lungenstruktur sei eigentlich gut gewesen. Auch jetzt wird sie noch für Wochen auf der Intensivstation liegen. Trotz ihrer guten Fortschritte und Entwicklung und der Hoffnung auf Gesundung, kann man Spätfolgen nicht ausschließen. Die Sepsis hatte neben Problemen mit Lunge und Herz/Kreislauf auch eine Hirnblutung verursacht. Nun bekomme ich im Klinikalltag mit, dass Kinder mit früheren Lebenswochen bessere Chancen hatten als meine Tochter mit der hochgradigen Vergiftung. Ein früheres Eingreifen und Holen wäre machbar gewesen. Ich befürchte, dass meine Tochter mir noch im Bauch verstorben wäre, wenn die gezogene Cerclage nicht die Geburt beschleunigt hätte. Innerhalb des Klinikaufenthaltes liefen zweimal tgl. CTGs und zweimal tgl. Blutentnahmen, die laut Angaben der Ärzte immer unauffällig waren. Nur einmal wöchentlich erhielt ich einen Kontrollultraschall. (Mituntergebrachte Mütter, die nur wenig Fruchtwasser verloren haben, erhielten jeden zweiten Tag diese Kontrollen. Ich hingegen hatte keine messbare Menge mehr und wurde weniger kontrolliert. Eine andere mituntergebrachte Mutter erhielt nach 39h Blasensprung einen Notkaiserschnitt, weil die Gefahr einer Sepsis zu hoch sei, ich hingegen lag 3,5 Wochen in dem Zustand im KH.) Die Aussage, dass jeder Tag im Bauch doppelt so wertvoll ist, wie außerhalb, hat kein Gehalt mehr für mich, da mein Kind wegen des Wartens lebensbedrohlich krank zur Welt kam. Bis zum Blasensprung bestand laut Kontrollen ein guter Entwicklungszustand. Ich habe keine Rechtsschutzversicherung und weiß nicht, wie meine Chancen sind. Arztunterlagen habe ich nicht zur Verfügung. Aber ich möchte für meine Tochter wissen, ob ich fehlerhaft behandelt wurde und das KH zur Rechenschaft ziehen. Sie hat in den ersten Lebenstagen unzählige Medikamente inklusive unterschiedlicher Betäubungsmittel nehmen müssen.
24.07.2017 | 14:26

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Ihre gute und ausführliche Sachverhaltsdarstellung liefert gut Anhaltspunkte dafür, dass behandlungsfehlerhaft gehandelt wurde.

Im Raume stehen demnach mehrere Vorwürfe:

1. Zum einen könnten in der 22. SSW bereits genügend Anlass für eine stationäre Aufnahme bestanden haben, und eine solche entgegen dem ärztlichen Standard unterlassen worden sein.
2. Während der stationären Aufnahme könnten unzureichende diagnostische Maßnahmen ergriffen worden sein (etwa häufigere Ultraschalluntersuchungen).
3. Ggf. hätte die Geburt früher eingeleitet werden müssen.
4. Es könnten falsche Maßnahmen im Hinblick auf die Infektion getroffen worden sein.

Ob die Vorwürfe berechtigt sind, stellt vorrangig eine medizinische Fragestellung dar. Es wäre also notwendig, eine ärztliche Stellungnahme einzuholen. Im Rahmen dieser Stellungnahme müsste unter anderem auch festgestellt werden, ob die Behandlungsfehler zu Gesundheitsschäden geführt haben.

Erste Hinweise auf einen Behandlungsfehler können sich aus einem Abgleich mit den medizinischen Leilinien ergeben.

Falls Sie gesetzlich krankenversichert sind, können Sie auch bei Ihrer Krankenkasse beantragen, dass diese ein medizinisches Gutachten in Auftrag geben könnte. Nach dem Gesetz soll Ihre Krankenkasse Ihnen bei der Überprüfung, ob ein Behandlungsfehler vorliegt, behilflich sein.

Darüber hinaus können Sie auch die Gutachterstelle der Landesärztekammer anrufen. Dort kann dann ein Schlichtungsverfahren durchgeführt werden.

Neben Behandlungsfehlern führen auch Aufklärungsfehler ggf. zu Schadenersatzansprüchen. Ob ein solcher vorliegt, ist einfacher festzustellen als Behandlungsfehler. Daher sollte eine dahingehende Überprüfung unbedingt stattfinden. Als Patientin sind Sie nämlich in verschiedener Hinsicht aufzuklären. Von der Aufklärungspflicht umfasst sind insofern

- die vorliegenden Diagnosen und die daraus resultierenden Prognosen über den Krankheitsverlauf,
- die beabsichtigten Therapieansätze inklusive der Chancen und Risiken,
- den Verlauf der gewählten Therapie und
- (in Ihrem Fall vor allem) über die möglichen Komplikationen und Gefahren, die bei ordnungsgemäßer (!) Behandlung auftreten können.

Um das Vorliegen eines Aufklärungsfehlers feststellen zu können, müssten die Behandlungsunterlagen eingesehen werden, die unproblematisch angefordert werden können. In diesen muss die Aufklärung nämlich dokumentiert sein.

Sollte sich das Vorliegen eines Behandlungs- oder Aufklärungsfehlers bestätigen, müsste weiterhin festgestellt werden, welche finanziellen und immateriellen Nachteile Ihnen entstanden sind. Des Weiteren ist eine Erklärung des Krankenhauses bzw. dessen Versicherers einzufordern, wonach diese für ungewisse, in der Zukunft liegende Schäden haften wird. Welche Ansprüche Ihnen konkret zustehen, müsste anhand weiterer Informationen eruiert werden.

Die angeführten Forderungen müssen Sie innerhalb von drei Jahren nach Bekanntwerden des vermeintlichen Behandlungsfehlers geltend machen. Ansonsten droht Verjährung.

Da Prozesse teuer sind, sollte zunächst eine außergerichtliche Einigung versucht werden. Gelingt dies nicht, kann entweder die Möglichkeit der Prozesskostenhilfe überprüft werden. Zum anderen kann versucht werden einen Prozessfinanzierer ins Boot zu holen, der für die Kosten aufkommt.

Der Vollständigkeit halber möchte ich noch auf die Möglichkeit hinweisen, durch Stellung einer Strafanzeige ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren auf den Weg zu bringen. Im Rahmen der Ermittlungen würde dann auch ein gutachten in Auftrag gegeben, dass für Sie natürlich kostenfrei wäre. Allerdings ist eine außergerichtliche Einigung dann regelmäßig nicht mehr möglich.

Sollten Sie weitere Hilfe benötigen, stehe ich Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. Kontaktieren Sie mich einfach per Email oder Telefon und lassen Sie sich über die Möglichkeiten informieren.

Abschließend möchte ich Ihnen noch zu Ihrer Tochter gratulieren und meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass sich für sie gesundheitlich alles zum Besten entwickelt.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen


Rechtsanwalt André Meyer

Bewertung des Fragestellers 28.07.2017 | 19:28


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