Willkommen beim Original und Testsieger.
Online seit 2004, mit über 140.000 Fragen & Antworten. 
00.000
Bewertungen
0,0/5,0
Günstige Rechtsberatung für alle.
Anwalt? Mitmachen
1
 
Frage stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Zweitwohnungskosten absetzen / Rückzahlungen

| 10.07.2017 14:42 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwältin Liubov Zelinskij-Zunik, M.mel.


Zusammenfassung: SPAREN SIE STEUERN MIT DER ZWEITWOHNUNG

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich arbeitete von 2012 bis 2016 als Angestellter in einer Großstadt. Dort hatte ich eine Wohnung mit Hauptwohnsitz gemeldet. Ich fahre fast jedes Wochenende in einen anderen Ort, wo ich bei meinen Eltern lebe - er ist rund 400 Kilometer entfernt. Ich zahle dort keine Miete, beteilige mich allerdings am Haushalt. Ich weiss nicht, wie ich das nachweisen kann.
Ausserdem habe ich an diesem Ort, an dem ich bei meinen Eltern lebe, ein Kleingewerbe angemeldet. Dieses Kleingewerbe ist auch mit Sitz in der Großstadt angemeldet - also zwei Sitze.

Nun habe ich aufgrund des Rates eines Steuerprogramms eine doppelte Haushaltsführung angegeben und dies als Werbungskosten abgesetzt. Für das Steuerjahr 2015 fragt mich nun das Finanzamt nach dem Mietvertrag für die Wohnung am Zweitwohnsitz, die ich als meinen Lebensmittelpunkt sehe, da ich dort bei meinen Eltern wohne und meine Freunde habe. Ich habe allerdings keinen Mietvertrag, da ich dort kostenlos wohne. Ich bin 36 Jahre alt und insofern erwachsener Arbeitnehmer.

Erkennt das Finanzamt meine doppelte Haushaltsführung nun vielleicht nicht mehr an? Was apssiert dann: muss ich die erstatteten Werbekosten aus 2013 und 2014 zurückzahlen? In den Jahren 2013 und 2014 erkannte das Finanzamt meine Steuererklärung anstandslos an.

Danke und mit den besten Grüßen,

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

Im Schreiben des BMF v. 24.10.2014 - IV C 5 - S 2353/14/10002, abrufbar unter
http://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/523437/
ist zur Frage der Anerkennung der Kosten der doppelten Haushaltsführung folgendes ausgeführt:
„4. Unterkunftskosten, § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 und Nummer 5a EStG
a) Unterkunftskosten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung, § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 EStG
aa) Vorliegen einer doppelten Haushaltsführung
Eine doppelte Haushaltsführung liegt nur vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes seiner ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Haushalt unterhält und auch am Ort der ersten Tätigkeitsstätte wohnt. Die Anzahl der Übernachtungen ist dabei weiterhin unerheblich.
Das Vorliegen eines eigenen Hausstandes setzt neben dem Innehaben einer Wohnung aus eigenem Recht als Eigentümer oder Mieter bzw. aus gemeinsamen oder abgeleitetem Recht als Ehegatte, Lebenspartner oder Lebensgefährte sowie Mitbewohner gemäß § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 Satz 3 EStG auch eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Lebensführung (laufende Kosten der Haushaltsführung) voraus. Es genügt nicht, wenn der Arbeitnehmer z. B. im Haushalt der Eltern lediglich ein oder mehrere Zimmer unentgeltlich bewohnt oder wenn dem Arbeitnehmer eine Wohnung im Haus der Eltern unentgeltlich zur Nutzung überlassen wird. Die finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung ist darzulegen und kann auch bei volljährigen Kindern, die bei ihren Eltern oder einem Elternteil wohnen, nicht generell unterstellt werden. Eine finanzielle Beteiligung an den Kosten der Haushaltsführung mit Bagatellbeträgen ist nicht ausreichend. Betragen die Barleistungen des Arbeitnehmers mehr als 10 Prozent der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Haushaltsführung (z. B. Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs) ist von einer finanziellen Beteiligung oberhalb der Bagatellgrenze auszugehen. Liegen die Barleistungen darunter, kann der Arbeitnehmer eine hinreichende finanzielle Beteiligung auch auf andere Art und Weise darlegen".
Das o. g. Schreiben ergänzt bzw. ändert die bisherige Handhabung der Frage der doppelten Haushaltsführung durch Finanzämter bis 2014.
Anzuwenden auf Ihren Fall heißt das:
1. Erkennt das Finanzamt meine doppelte Haushaltsführung nun vielleicht nicht mehr an?
Das FA braucht Nachweise, dass Ihre Beteiligung an den Haushaltskosten nicht lediglich „bagatel „ ist. D.h. die Beteiligung muss mehr als 10% betragen. Beweisen können Sie das z. B. durch schriftliche Bestätigungen Ihrer Eltern und/oder Kassenbons. Dass Sie mietfrei wohnen ist irrelevant. Wichtig ist nur die Höhe der Beteiligung (z. B. Sie haben Ihren Eltern 100 € in Bar monatlich gegeben und es liegen entsprechende schriftliche Bestätigungen vor).
2. Was passiert dann: muss ich die erstatteten Werbekosten aus 2013 und 2014 zurückzahlen? In den Jahren 2013 und 2014 erkannte das Finanzamt meine Steuererklärung anstandslos an.
Sie müssen nur dann zurückzahlen (genauer gesagt, es wird neu berechnet) wenn die Steuerbescheide aus 2013/2014 unter Vorbehalt der Prüfung, ob tatsächlich eine doppelte Haushaltsführung vorliegt ergangen sind. Das muss am Ende des Bescheides stehen. Falls Sie keine solche Vorbehalte haben, müssen Sie nichts zurückzahlen.





Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 10.07.2017 | 17:26

Danke für die gute und ausführliche Antwort, dazu noch eine Rückfrage:

a) wäre der Satz "Der Bescheid ist nach §165 Abs 1 Satz 2 AO teilweise vorläufig" als "Vorbehalt der Prüfung doppelte HH" zu sehen? Oder ist dieser Zusatz normal.

b) entsteht bei meinen Eltern durch die Bescheinigung über meine Beteiligung an den Haushaltskosten zu versteuerndes Einkommen?

Danke und mit herzlichen Grüßen,

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 10.07.2017 | 17:33

Sehr geehrter Fragesteller,
a). nein. Denn die Fälle der vorl. Festsetzung 165 I S. 2 AO
https://www.steuertipps.de/gesetze/abgabenordnung-ao/165-vorlaeufige-steuerfestsetzung-aussetzung-der-steuerfestsetzung
, wenn:
"1.
ungewiss ist, ob und wann Verträge mit anderen Staaten über die Besteuerung (§ 2), die sich zu Gunsten des Steuerpflichtigen auswirken, für die Steuerfestsetzung wirksam werden,

2.
das Bundesverfassungsgericht die Unvereinbarkeit eines Steuergesetzes mit dem Grundgesetz festgestellt hat und der Gesetzgeber zu einer Neuregelung verpflichtet ist,

2a.
sich auf Grund einer Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Union ein Bedarf für eine gesetzliche Neuregelung ergeben kann, (2)

3.
die Vereinbarkeit eines Steuergesetzes mit höherrangigem Recht Gegenstand eines Verfahrens bei dem Gerichtshof der Europäischen Union, dem Bundesverfassungsgericht oder einem obersten Bundesgericht ist oder (3)

4.
die Auslegung eines Steuergesetzes Gegenstand eines Verfahrens bei dem Bundesfinanzhof ist".

haben mit der dopp. Haushaltsführung nichts zu tun.

b) nein, denn die ESt zahlt man auf bestimmte Einkommensarten (hier Einnahme aus Vermietung), wenn ein Überschuss entsteht. Hier liegt ein solcher nicht vor, da Ihre Eltern bestimmt mehr für die Miete ausgeben als von Ihnen bekommen.
Freundliche Grüße aus München
Zelinskij

Bewertung des Fragestellers 10.07.2017 | 18:09

Hat Ihnen der Anwalt weitergeholfen?

Wie verständlich war der Anwalt?

Wie ausführlich war die Arbeit?

Wie freundlich war der Anwalt?

Empfehlen Sie diesen Anwalt weiter?

"Sehr gute Frau!"
Stellungnahme vom Anwalt:
Jetzt Frage stellen