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Zweitwohnsitz und 0,03 Prozent Firmenwagenregelung (Steuern+Mietrecht)


| 26.06.2007 01:04 |
Preis: ***,00 € |

Mietrecht, Wohnungseigentum


Beantwortet von



Sehr geehrte Rechtsanwälte,
folgende Fragestellung möchte ich ihnen darlegen:

- wohnhaft bei meinen Eltern im Haus, extra Wohnung mit separatem Eingang, "kostenlos" und ohne Mietvertrag
- Lebensmittelpunkt: Freundin wohnt im selben Ort + Freundeskreis + ich bin tätig in der freiwilligen Feuerwehr
- Neue Arbeitsstätte zirka 55 Kilometer entfernt
- Firmenwagen mit 1%-Regelung + 0,03% pro Kilometer
- Könnte von Mo-Do bzw. Mo-Fr bei einer Bekannten meiner Mutter, 9 Kilometer von der Arbeitsstätte entfernt, in einem Zimmer übernachten, würde sie mir "kostenlos" zur Verfügung stellen
- möchte keine doppelte Haushaltsführung geltend machen

Nun meine Fragen, bitte konkret beantworten, vor allem in Hinsicht auf die 0,03-Prozent-Regelung, gerne mit aktuellen Urteilen, falls zur Hand:

1.) Wenn ich mich im Ort der Bekannten mit Zweitwohnsitz anmelde, brauche ich einen Mietvertrag mit ihr? Falls ja, geht ein Mietvertrag mit 0 Euro Mietzins?
2.) Muss mein Name an den Briefkasten / Klingel?
3.) Kann mein Antrag auf Zweitwohnsitz abgelehnt werden (z.B. Stichwort Lebensmittelpunkt bzw. kein Mietvertrag am Erstwohnsitz)? Was kann mich da auf dem Einwohnermeldeamt erwarten?
4.) Gibt es Kontrollen (vom Einwohnermeldeamt?), wie bzw. ob ich bei der Bekannten wohne? (Kleines Dorf, viel Gerede bei Behördenbesuch...)
5.) Welche Voraussetzungen müssen für ein eingetragenes HomeOffice erfüllt sein (kein fester Arbeitsplatz,...) und kann mir der AG einfach eine Bescheinigung ausstellen oder wird das auf einem Amt beantragt?
6.) Falls kein komplettes HomeOffice möglich, hilft mir eine Bescheinigung des AG über 1 bis 2 Tage Homeoffice pro Woche weiter?

Abschließend: Nur um sicher zu gehen, habe ich das richtig verstanden, dass dann die 0,03-Prozent-Regelung für den Zweitwohnsitz gilt und eine "Heimfahrt" pro Woche steuerfrei ist?

Vielen Dank im Voraus!
26.06.2007 | 07:42

Antwort

von


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Sehr geehrter Fragesteller,

die Nutzung des Firmenkraftfahrzeugs für private Zwecke wird nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG mit 1 % des Listenpreises bewertet, allerdings nur wenn, die betriebliche Nutzung 50 % übersteigt. Es muss also nunmehr der Nachweis erbracht werden, dass dies der Fall ist. Dies muss nicht zwingend in Form eines Fahrtenbuchs erfolgen, sondern kann auch durch andere geeignete Unterlagen nachgewiesen werden. Nach § 4 Abs. 5 a EStG sind Fahrten von der Arbeitsstätte zur Wohnung mit 0,03 % des Listenwertes zu besteuern. Dies kann auch die Entfernung von der Zweitwohnung zur Arbeitsstätte sein, wenn von dort aus der Weg zur Arbeit angetreten wird. Familienheimfahrten werden mit 0,002 % des Listenwertes bewertet, es ist also nicht richtig, dass diese steuerfrei wären. Den Text der Vorschriften habe ich unten beigefügt.

Es sollte aber bei der Steuergestaltung berücksichtigt werden, dass die Entfernungspauschale beim Lohnsteuerjahresausgleich bei einem kürzeren Weg zur Arbeit natürlich auch geringer ausfällt und sich insofern auch die absetzungsfähigen Werbungskosten reduzieren.

Es ist für eine Zweitwohnung nicht erforderlich, dass tatsächlich ein entgeltliches Mietverhältnis besteht, man kann auch eine mietfreie Nebenwohnung unterhalten. Zu beachten ist aber, dass die meisten Gemeinden eine Zweitwohnungssteuer erheben, die auch bei mietfreiem Wohnen ca. 10 % der ortsüblichen Vergleichsmiete ausmachen kann.

Sie müssen im Übrigen keinen Antrag auf Zweitwohnung stellen, sondern eine von Ihnen unterhaltene Nebenwohnung einfach anmelden. Gegebenenfalls muss ein Nachweis durch eine Bescheinigung des Wohnungsgebers vorgelegt werden. Den Erstwohnistz müssen sie nach den melderechtlichen Vorschriften dort unterhalten, wo Sie Ihren Lebensmittelpunkt haben. Verstöße gegen melderechtliche Vorschriften stellen in der Regel eine Ordnungswidrigkeit dar. Ob in Ihrer Gemeinde Kontrollen stattfinden, sei es vom Finanzamt oder von den Ordnungsbehörden, kann ich natürlich nicht sagen. Wollen Sie ein Arbeitszimmer oder Homeoffice auch steuerlich berücksichtigen, kann es durchaus zu Außenprüfungen der Finanzämter kommen. Eine Homeoffice muss nicht angemeldet werden. Möchten Sie den Nachweis führen, dass Sie eines unterhalten dürfte eine Bescheinigung des Arbeitsgebers ausreichen. Eine Pflicht in der Nebenwohnung ein Klingelschild anzubringen, besteht aber meines Erachtens nicht.
Mit freundlichen Grüßen

Eckart Johlige, Rechtsanwalt

----------------------------

§ 4 Abs. 5 a EStG
Keine Betriebsausgaben sind die Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und Betriebsstätte und für Familienheimfahrten.2Bei der Nutzung eines Kraftfahrzeugs sind die nicht als Betriebsausgaben abziehbaren Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte mit 0,03 Prozent des inländischen Listenpreises im Sinne des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 des Kraftfahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung je Kalendermonat für jeden Entfernungskilometer sowie für Familienheimfahrten mit 0,002 vom Hundert des inländischen Listenpreises im Sinne des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 des Kraftfahrzeugs im Zeitpunkt der Erstzulassung für jeden Entfernungskilometer zu ermitteln.3Ermittelt der Steuerpflichtige die private Nutzung des Kraftfahrzeugs nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 oder Satz 4, sind die auf diese Fahrten entfallenden tatsächlichen Aufwendungen maßgebend.4§ 9 Abs. 2 ist entsprechend anzuwenden.
§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG
Entnahmen des Steuerpflichtigen für sich, für seinen Haushalt oder für andere betriebsfremde Zwecke sind mit dem Teilwert anzusetzen; in den Fällen des § 4 Abs. 1 Satz 3 ist die Entnahme mit dem gemeinen Wert anzusetzen.2Die private Nutzung eines Kraftfahrzeugs, das zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird, ist für jeden Kalendermonat mit 1 Prozent des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen.3Bei der Ermittlung der Nutzung im Sinne des Satzes 2 gelten die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte und die Familienheimfahrten als betriebliche Nutzung.4Die private Nutzung kann abweichend von Satz 2 mit den auf die Privatfahrten entfallenden Aufwendungen angesetzt werden, wenn die für das Kraftfahrzeug insgesamt entstehenden Aufwendungen durch Belege und das Verhältnis der privaten zu den übrigen Fahrten durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nachgewiesen werden.5Wird ein Wirtschaftsgut unmittelbar nach seiner Entnahme einer nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftsteuergesetzes von der Körperschaftsteuer befreiten Körperschaft, Personenvereinigung oder Vermögensmasse oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts zur Verwendung für steuerbegünstigte Zwecke im Sinne des § 10b Abs. 1 Satz 1 unentgeltlich überlassen, so kann die Entnahme mit dem Buchwert angesetzt werden.6Dies gilt für Zuwendungen im Sinne des § 10b Abs. 1 Satz 3 entsprechend.7Die Sätze 5 und 6 gelten nicht für die Entnahme von Nutzungen und Leistungen.


Nachfrage vom Fragesteller 27.06.2007 | 01:32

Super, vielen Dank! Sehr ausführlich!

Bitte noch um kurze Konkretisierungen:
"absetzungsfähigen Werbungskosten" ==> Pendlerpauschale?

"Sie müssen im Übrigen keinen Antrag auf Zweitwohnung stellen, sondern eine von Ihnen unterhaltene Nebenwohnung einfach anmelden" ==> Meinen Sie damit, dass ich mich auf dem Einwohnermeldeamt der Zweitwonsitz-Stadt anmelden muss? Oder wo muss eine *Wohnung* anmelden?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 27.06.2007 | 07:16

Richtig. Gemeint ist die Pendlerpauschale. Sie sollten vor dem Hintergrund Ihres individuellen Steuersatzes überlegen oder mal von einem Steuerexperten durchrechnen lassen, ob die Inanspruchnahme der Pendlerpauschale bei einem "langen" Weg zur Arbeit am Ende günstiger für Sie ist, als die 0,03 %-Versteuerung des "kurzen" Anfahrtwegs. Oftmals kommt es hier nur zu geringfügigen Unterscheidungen, die in Verbindung mit der Zweitwohnungssteuer den "Aufwand" der Zweitwohnung nur dann wirklich rechnet, wenn die Zweitwohnung aufgrund der kurzen Wegestrecken zu einer besseren Lebensqualität führt.

Der Nebenwohnsitz ist in der Gemeinde anzumelden, in der er genommen wird.

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