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Zweitwohnsitz (Eigentum) zu Erstwohnsitz machen

| 11.08.2015 08:31 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Alex Park, LL.B.


Meine Eltern möchten aus privaten Gründen (einziges Enkelkind, Erkrankung meiner Mutter) ihren Hauptwohnsitz in Stadt B verlegen, wo ich (Tochter) mit meiner Familie lebe.
Sie werden hier eine 2-Zimmer ELW in unserem Neubau beziehen. Die Wohnung ist komplett separiert und es wird die ortsübliche Miete fällig.
Nun besitzen Sie aber am derzeitigen Hauptwohnsitz in Stadt A ein Reihenhaus (Eigentum) welches Sie zum Zweitwohnsitz erklären möchten.
Denn zum einen leben dort noch meine zwei Brüder (22 und 25) mit im Haus und zum anderen hat mein Vater einen sehr guten Job im öffentlichen Dienst, welchen er weiterhin wahrnehmen möchte, da meine Mutter aufgrund Herzproblemen erwerbsunfähig wurde.
Lebensmittelpunkt meiner Mutter ist ab sofort in Stadt B. Sie wird meine Geschwister in Stadt A nur 1-2 x pro Monat besuchen. Mein Vater möchte zur Arbeit pendeln in Stadt A und seine Freizeit hier bei meiner Mutter in Stadt B verbringen.
Zweitwohnsitzsteuer wird weder in Stadt A, noch in Stadt B erhoben.
Die beiden Städte liegen ca. 230km auseinander beide in Deutschland.

Ist es ein Problem, den Hauptwohnsitz und Zweitwohnsitz wie geschildert zu ändern, wenn Hauptwohnsitz zur Miete und der Zweitwohnsitz Eigentum ist?

Wie verhält es sich in der Steuererklärung, da Zweitwohnsitz Eigentum ist? Kann man als Werbungskosten dann einen Teil der Hausraten absetzen, statt Miete? Fahrtkosten sollten kein Problem abzusetzen für das pendeln (an beiden Orten wird ein kompletter Hausstand unterhalten), oder doch?

Sind steuerlich Umzugskosten in die Stadt B in irgendeiner Form absetzbar, obwohl meine Eltern den Hauptwohnsitz weg von Stadt A (wo die Arbeit meines Vaters ist) in Stadt B aus privaten Gründen verlegen?

Und zu guter Letzt, gehört nicht ganz zum Thema, aber dennoch möchte ich das fragen. Meine Eltern möchten von meinen Brüder (22,25) nun aufgrund der Erkrankung der Mutter und des Verdienstwegfalls ein Kostgeld verlangen, worauf sie bisher verzichtet haben. In welcher Höhe können diese das monatlich überweisen, ohne dass ein Finanzamt unterstellt, es wäre eine Miete, welche sie versteuern müssten.

Danke schon mal und viele Grüße,

Sehr geehrter Fragesteller,

Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen verbindlich wie folgt beantworten:

1. Hauptsitz Miete, Zweitwohnung Eigentum

Dies ist kein Problem und grundsätzlich möglich. Steuerlich geltend machen könnten Ihre Eltern beim Zweitwohnsitz die jährliche Abschreibung der Anschaffungskosten, Zinsen für den Kauf der Wohnung aufgenommener Kredite, ggf. Renovierungskosten, Nebenkosten und Zweitwohnungssteuer.

2. Zweitwohnsitz und Werbungskosten:

Hier wäre es denkbar, den Hauptwohnsitz Ihres Vaters bei Ihnen anzumelden und das Haus in Stadt A als Zweitwohnsitz bzgl. der Arbeit zu deklarieren.

Kosten der doppelten Haushaltsführung sind grundsätzlich steuerlich zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang bedarf es des Nachweises, dass der Zweitwohnsitz aus beruflichen Gründen zwingend erforderlich ist. Wird sich die Dienststelle Ihres Vaters nicht ändern, so erscheint ein tägliches Pendeln über 230 km unverhältnismäßig, so das ein Zweitwohnung in Stadt A gegenüber dem Finanzamt gut zu vertreten sein dürfte.

Gegenüber dem Finanzamt wird darüber hinaus nachzuweisen sein, dass die Kosten und Fahrzeiten durch den Zweitwohnsitz wesentlich niedriger ausfallen als beim täglichen Pendeln. Hier wären also die von Ihnen angesprochenen Raten für das Haus in Stadt A mit den Fahrtkosten B nach A zu vergleichen.

3. Umzugskosten

Um die Umzugskosten als Werbungskosten steuerlich geltend zu machen, muss der Umzug beruflich veranlasst gewesen sein. Ihre Eltern müssten also wegen einer neuen Arbeitsstelle oder eine Zeitersparnis von mindestens 30 Minuten nach B ziehen. Beides liegt nicht vor. Durch den Umzug wird die Pendlersituation erst geschaffen.. Somit sind die Umzugskosten beruflich nicht veranlasst und nicht als Werbungskosten geltend zu machen.

4. Kostgeld

De facto schließen Ihre Eltern mit Ihren Geschwistern einen Mietvertrag. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind auch im geringen Umfang Einkünfte i.S.d. § 2 EStG und beim Finanzamt zu deklarieren. Bitte beachten Sie, dass die Miete gem. § 21 Abs. 2 EStG nicht geringer als 66% der ortsüblichen Miete sein darf. Sonst geht der Gesetzgeber von einem entgeltlichen und unentgeltlichen Teil der Überlassung der Wohnung aus. Dann wären die Werbungskosten bzgl. der Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung nur auf den entgeltlichen Teil der Überlassung anzurechnen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

Nachfrage vom Fragesteller 11.08.2015 | 11:06

Sehr geehrter Herr Park,

vielen Dank für die schnelle und verständliche Beantwortung. Punkt 1-3 ist klar.
Zu Punkt 4 verhält es sich ja so, dass meine Eltern dann meinen Brüdern je ein Zimmer im eigenen Haus vermieten würden, was laut BFH, Urteil vom 16.01.03, Az. IX B 172/02 nicht zulässig ist.

Bitte äußern Sie sich doch kurz dazu, ob mittlerweile die Zimmervermietung an eigene Kinder im eigenen Haus zulässig ist und somit auch anteilig Werbungskosten geltend gemacht werden können oder die Einnahmen als durchlaufender Posten nicht steuerpflichtig sind. Dies habe ich ursprünglich angenommen, da Sie je Kind geplant haben 300€ Kostgeld zu verlangen was ausschließlich die Kosten decken soll und nicht zur Gewinnerzielung gedacht ist. (Bitte berücksichtigen dass dies dann nur noch der zweite Wohnsitz meiner Eltern ist).

Vielen Dank schon mal für Ihre Mühe!

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 11.08.2015 | 11:29

Sehr geehrter Fragesteller,

gerne beantworte ich Ihnen auch Ihre Nachfrage.

Im Zusammenhang mit dem von Ihnen zitierten Urteil ist auszuführen, dass ich davon ausging, dass Ihre Geschwister das Haus in A ganz bzw. ganz überwiegend übernehmen werden. Der BFH hat in der vorliegenden Entscheidung darüber befunden, dass einzelne Zimmer, ohne Kochgelegenheit nicht als eigenständige Wohnungen in einem Haus anzusehen sind und daher auch keine Werbungskosten für derartige Einkünfte geltend gemacht werden können.

Wird eine familiäre Haushaltsgemeinschaft in A aufrecht erhalten, dies ist nach Ihrem Vortrag aber zweifelhaft, da die Eltern umziehen, so wäre in der Tat bei den Zahlungen Ihrer Geschwistern nicht von Einkünften i.S.d. § 2 EStG auszugehen.

Diese Rechtssprechung hat weiterhin Bestan und wurde dem Sinn nach von anderen Gerichten gestätigt (vgl. Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 07. Januar 2014 – 9 K 135/12).

Mit freundlichen Grüßen

Alex Park

Bewertung des Fragestellers 12.08.2015 | 13:57

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