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Zwangsversteigerung ZVG 30a


15.10.2007 11:51 |
Preis: ***,00 € |

Zwangsvollstreckung, Zwangsversteigerung


Beantwortet von

Rechtsanwalt Maximilian A. Müller



Guten Tag,

am 10.10. erhielten wir vom AG die Nachricht der Einleitung der Zwangsversteigerung, bedingt durch die Tatsache, dass der Schuldendienst wegen einer Auseinandersetzung mit dem Finanzamt zeitweise nicht bedient werden konnte.
In der beiliegenden Belehrung wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, eine halbjährliche Einstellung nach 30a ZVG zu beantragen. Wir bräuchten da einen Tipp, wie man diesen Antrag verfasst. Außerdem soll die ZV abgewendet werden, sodass auch Kontakt mit dem Gläubiger aufgenommen werden muss. Regelmäßiges Einkommen ist genügend vorhanden. Wie macht man das?

Danke.
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Frage. Diese kann ich unter Berücksichtigung des von Ihnen geschilderten Sachverhaltes wie folgt beantworten:

1.
Der Antrag gemäß § 30 a ZVG ermöglicht eine Einstellung der Zwangsversteigerung für maximal 6 Monate. Gemäß § 30 c ZVG kann unter Umständen eine erneute Einstellung für weitere 6 Monate erfolgen, so dass Sie eine Zwangsversteigerung nach dieser Vorschrift für insgesamt bis zu 1 Jahr verzögern können.

Voraussetzung für eine solche einstweilige Einstellung sind:

a.
Eine einstweilige Einstellung ist nur dann möglich, wenn Sie nachweisen können, innerhalb eines Zeitraums von maximal einem Jahr den Gläubiger befriedigen zu können. Entscheidend ist es hierbei, dass Sie zunächst - um eine Einstellung zu erreichen - lediglich den Gläubiger zu befriedigen haben, der die Zwangsvollstreckung betreibt.

b.
Weiter muss die Einstellung der Zwangsvollstreckung auch der Billigkeit entsprechen. Hieran kann es insbesondere dann fehlen, wenn Ihre Zahlungsfähigkeit durch ein eigenes schuldhaftes Verhalten herbeigeführt wurde (z.B. spekulative Kreditaufnahme etc.). Dies scheint jedoch bei Ihnen nicht der Fall zu sein, da Ihre vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten auf einen Konflikt mit dem FInanzamt zurückzuführen sind.

c.
Schließlich sind auch die Gläubigerinteressen zu berücksichtigen. Wenn dem Gläubiger durch die einstweilige Einstellung wesentliche Nachteile entstehen können, darf eine einstweige Einstellung nicht erfolgen. Dies wäre z.B. der Fall, wenn der Gläubiger selbst in Zahlungsschwierigkeiten wäre oder der Wert des Grundstückes während der Einstellung der Zwangsversteigerung wesentlich sinken würde.

Auf diese Punkte sollten Sie in Ihrem Antrag eingehen, damit das Gericht eine ausreichende Grundlage für eine für Sie möglichst positive Entscheidung hat.

In formaler Hinsicht ist insbesondere wichtig, dass Sie die Frist des § 30 b ZVG beachten. Diese beträgt 2 Wochen.


2.
Welche Art der Kontaktaufnahme mit dem Gläubiger am zielgerichtesten ist, lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt entscheidend von dem Einzelfall ab. Hier spielt insbesondere eine Rolle, wer Gläubiger ist, wie hoch die offen stehende Forderung ist und wieviel Geld Ihnen zur Schuldentilgung zur Verfügung steht.

Falls dies noch nicht geschehen ist, empfehle ich Ihnen, sich zunächst unmittelbar mit dem Gläubiger in Verbindung zu setzen. SOllte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, so müssten Sie möglicherweise die Hilfe eines Kollegen oder eines Schuldnerberaters in Anspruch nehmen.


Abschließend möchte ich Sie darauf hinweisen, dass diese Antwort Ihnen lediglich einen ersten Anhaltspunkt geben kann und soll, da eine genaue Bearbeitung stets die Kenntnis des gesamten Sachverhaltes und der vorhandenen Unterlagen voraussetzt. Ich hoffe, Ihnen dennoch weitergeholfen zu haben und stehe Ihnen gerne im Rahmen der Nachfragefunktion oder auch persönlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Maximilian A. Müller, Rechtsanwalt
Rechtsanwaltskanzlei Dr. Seither & Kollegen



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