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Zusätzliche Frage 'Zugewinn vs. Schulden'

25.06.2018 15:33 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht


Beantwortet von

Notarin und Rechtsanwältin Anja Holzapfel


Ich habe heute schon eine Frage dazu gestellt, doch es ergeben sich weitere Fragen.

Nochmal die Situation: Ich habe zwei Immobilien gekauft (eine 2000, eine 2018), welche noch hoch belastet sind. Die ältere Immobilie wurde mit einer Kapital LV abgeschlossen und nur mit geringer Tilgung abbezahlt. Läuft noch 10 Jahre. Die neue Immobilie wird mit höherer Tilgung abbezahlt, jedoch ohne EK Einsatz. Weiteres Kapital nicht vorhanden. Allerdings zwei weitere Kredite, laufen seit 2 und 3 Jahren: 75.000€.

Wenn ich jetzt heirate und die Ehe in -sagen wir mal 5 Jahren- zerbricht, muss ich durch die Neuregelung meiner Frau "Zugewinnausgleich" zahlen. Wie ich bereits informiert wurde, gelten meine Schulden, die ich in der Ehezeit abzahle als Zugewinn.

1. Zählen auch die gezahlten Zinsen bzw. die zu zahlenden als Zugewinn? Oder nur die reine Tilgung?
2. Ich habe weitere Kreditverträge laufen, welche erst 2024/2025 abläuft. Es gibt dafür keinen vorhandenen Gegenwert (waren Kosten für Inventar, Möbel, Küche) - aber im Falle einer Scheidung wären die noch abzuzahlenden Raten tatsächlich ein Zugewinn, welche ich meiner Frau anteilig zahlen müsste? (das kann doch nicht sein, die Dinge waren schon vor Jahren angeschafft)

Zugewinn nach 5 Jahren. Durch das abzahlen der Raten sind dann durchaus mehrere 10tausend Euro. Da die Immobilien allerdings dann noch gar nicht abgezahlt sind und ich voraussichtlich kein Vermögen aufbaue, stellt sich mir die Frage, wie der Zugewinnausgleich beglichen werden soll...? Ich zahle langfristig Schulden ab, schon jahrelang und bei Scheidung werde ich gezwungen... ja, was zu tun?

Bitte ein Beispiel: Anfangsvermögen Mann durch Schulden: ca. 40.000€. Frau : 0 Euro. Ich zahle in den nächsten 5 Jahren € 100.000 Schulden ab (Kredit und Hypothek), dann Scheidung. Auf den Häusern lasten noch jede Menge Schulden (werden erst in 10 und 20 Jahren abbezahlt). Nun läge der Zugewinn durch getilgte Schulden plus evtl. Wertsteigerung der Immobilien bei, sagen wir mal 70.000€. Weder ich noch meine Frau hätten weiteres Vermögen.

Nun würde meiner Frau also einen Zugewinn von ca. 35.000€ zugesprochen. Für Immobilien, welche ich schon vor der Ehe angeschafft habe und deren Schuldzinsen und Tilgungsraten ich jahrelang vor der Ehe begann abzuzahlen?

3. Wie soll ich denn dann 35.000€ zahlen, wenn keine liquiden Mittel vorhanden sind? Muss dann während der Zinsbindungsfrist die Immobilie verkauft werden?

Irgendwie verstehe ich das Ganze nicht ganz. Verständlich ist, dass man zum Zeitpunkt der Ehe Anschaffungen gemeinschaftlich vertritt.

4. Aber ist es tatsächlich so, dass ich die Dinge, welche ich vor meiner Ehe gekauft habe, allerdings über Ehe und dann Scheidung hinaus finanziere - dann als Zugewinn anteilig an meine Frau auszahlen muss? Das wäre ja doch eine Benachteiligung - denn hätte ich damals bar bezahlt oder mir privat das Geld geliehen, wäre es keine Zugewinn sondern mit mir in die Ehe gebracht worden. Richtig?

5. Hätte meine Frau nach 5 Jahren nur anteiligen Anspruch auf den Zugewinn oder wäre das schon der volle Anspruch? Wie wird das berechnet und ab wann wäre ein voller Anspruch vorhanden?

Ich bitte um Beantwortung der 5 Fragen.

Sehr geehrter Fragesteller,



Ihre Anfrage möchte ich Ihnen auf Grundlage der angegebenen Informationen wie folgt beantworten:


1. Zählen auch die gezahlten Zinsen bzw. die zu zahlenden als Zugewinn? Oder nur die reine Tilgung?

Nur die Tilgung. Das ergibt sich daraus, dass jetzt der aktuelle Schuldsaldo der Darlehn beim Anfangsvermögen und später der dann aktuelle Saldo beim Endvermögen berücksichtigt wird.


2. Ich habe weitere Kreditverträge laufen, welche erst 2024/2025 abläuft. Es gibt dafür keinen vorhandenen Gegenwert (waren Kosten für Inventar, Möbel, Küche) - aber im Falle einer Scheidung wären die noch abzuzahlenden Raten tatsächlich ein Zugewinn, welche ich meiner Frau anteilig zahlen müsste? (das kann doch nicht sein, die Dinge waren schon vor Jahren angeschafft)

Die Schulden mindern heute Ihr Anfangsvermögen. Wenn sie abgezahlt werden, ist im Endvermögen nur der dann aktuelle Schuldsaldo abzugsfähig. Aber: Sie können die angeschafften Gegenstände mit ihrem aktuellen Wert als Anfangsvermögen mit aufnehmen. Der Aktuelle Wert erhöht dann das Anfangsvermögen und mindert entsprechend den Zugewinn. Ggf. ist es sinnvoll, bei der Heirat ein entsprechendes Verzeichnis über das vorhandene Vermögen (gemeinsam) zu erstellen, damit es später keine Beweisprobleme gibt.


Zugewinn nach 5 Jahren. Durch das abzahlen der Raten sind dann durchaus mehrere 10tausend Euro. Da die Immobilien allerdings dann noch gar nicht abgezahlt sind und ich voraussichtlich kein Vermögen aufbaue, stellt sich mir die Frage, wie der Zugewinnausgleich beglichen werden soll...? Ich zahle langfristig Schulden ab, schon jahrelang und bei Scheidung werde ich gezwungen... ja, was zu tun?

Bitte ein Beispiel: Anfangsvermögen Mann durch Schulden: ca. 40.000€. Frau : 0 Euro. Ich zahle in den nächsten 5 Jahren € 100.000 Schulden ab (Kredit und Hypothek), dann Scheidung. Auf den Häusern lasten noch jede Menge Schulden (werden erst in 10 und 20 Jahren abbezahlt). Nun läge der Zugewinn durch getilgte Schulden plus evtl. Wertsteigerung der Immobilien bei, sagen wir mal 70.000€. Weder ich noch meine Frau hätten weiteres Vermögen.

Nun würde meiner Frau also einen Zugewinn von ca. 35.000€ zugesprochen. Für Immobilien, welche ich schon vor der Ehe angeschafft habe und deren Schuldzinsen und Tilgungsraten ich jahrelang vor der Ehe begann abzuzahlen?

3. Wie soll ich denn dann 35.000€ zahlen, wenn keine liquiden Mittel vorhanden sind? Muss dann während der Zinsbindungsfrist die Immobilie verkauft werden?

Indem Sie ggf. nachfinanzieren. Wenn das nicht möglich ist, kann die Ausgleichszahlung u. U. auch gestundet werden. Schlimmstenfalls: Ja, dann muss eine Immobilie verkauft werden, wenn sich keine andere Lösung findet.


Irgendwie verstehe ich das Ganze nicht ganz. Verständlich ist, dass man zum Zeitpunkt der Ehe Anschaffungen gemeinschaftlich vertritt.

4. Aber ist es tatsächlich so, dass ich die Dinge, welche ich vor meiner Ehe gekauft habe, allerdings über Ehe und dann Scheidung hinaus finanziere - dann als Zugewinn anteilig an meine Frau auszahlen muss? Das wäre ja doch eine Benachteiligung - denn hätte ich damals bar bezahlt oder mir privat das Geld geliehen, wäre es keine Zugewinn sondern mit mir in die Ehe gebracht worden. Richtig?

Hätten Sie aus vorhandenem Vermögen gezahlt, dann wäre das richtig. Allerdings hätten Sie dann im Anfangsvermögen eben auch keine Schulden, die berücksichtigt werden könnten. Bei Privatkrediten wäre die Abzugsfähigkeit im Anfangsvermögen und im Endvermögen genau so wie bei Bankschulden.

Aus meiner Sicht vermischen Sie Vermögenszuwachs und Liquidität. Das Vermögen ist jeweils Aktiva minus Passiva. Eine Immobilie im Wert von 500.000 € ohne Schulden ist ein Wert von 500.000 €. Sind noch 300.000 € Schulden da, ergibt sich eben nur ein Saldo von 200.000 €.


5. Hätte meine Frau nach 5 Jahren nur anteiligen Anspruch auf den Zugewinn oder wäre das schon der volle Anspruch? Wie wird das berechnet und ab wann wäre ein voller Anspruch vorhanden?

Es gibt keinen anteiligen oder vollen Anspruch: Berechnet wird der Zugewinn zwischen Heirat und Zustellung des Scheidungsantrags. Das kann in 3, 5 oder 20 Jahren sein. Maßgeblich ist jeweils die "Wertentwicklung" Ihres Vermögens zwischen diesen beiden Stichtagen.

Da bei längerer Ehezeit (vermutlich) die Abzahlung höher ist und damit auch der Vermögenszuwachs, ist bei längerer Ehezeit mit einem höheren Zugewinn zu rechnen.


Wenn Sie diese "Rechnerei" im Scheidungsfall vermeiden wollen, müssen Sie eine notarielle Regelung treffen. Allerdings wird Ihre Frau vermutlich nicht damit einverstanden sein, dass sie von diesem Vermögenszuwachs ohne eine Kompensation komplett ausgeschlossen wird. Hier ist dann nach einer vermittelnden Lösung zu suchen, die beiden Gerecht wird.



Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen.


Mit freundlichen Grüßen

Anja Holzapfel
-Rechtsanwältin-
-Fachanwältin für Familienrecht-

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