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| 18.03.2007 19:56 |
Preis: ***,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von


in unter 2 Stunden

Ich bin Berufsmusikerin in Südwestdeutschen Raum (Symphonie und Theaterorchester).
Ich bin Stimmführerin der zweiten Violinen, seit 27 Jahren.
Ich war immer für meine gute Arbeit angesehen, sowohl von Kollegen wie von allen
Dirigenten die vorher den Chefposten hatten.
Nichts hat sich in der Qualität meiner Arbeit verändert.
Ich war immer und bin sehr gewissenhaft, engagiert, sehr erfahren und seriös.

Das Orchester hat seit einem Jahr einen neuen Chef (Alter: 26 Jahren).
Dieser Chef will mich aus meiner Führungsposition wegdrängen, obwohl ich und das
Orchester es nicht wollen.
Im November 2006 hat er ohne mein Wissen und in meiner Abwesenheit meine Gruppe
informiert von seinem Willen mich zurück zu versetzen.
Ohne mein Einverständnis, hat er diese Sache vor den Ganzen Orchester Während einer
Versammlung vorgetragen.
Jetzt sogar, verlangt er von mir dass ich nach jeder Probe eine Viertel Stunde nachsitze,
mit ihm allein, obwohl dies nicht in meinem vertrag steht, und in Orchestern nicht üblich ist.
Kritiken müssen während den Proben stattfinden, in angemessenen Ton, nicht beleidigend,
und nicht persönlich.
Ich leide seit dieser Krieg angefangen hat an Existenzängsten, Schlaflosigkeit, Depression.
Ich werde ärztlich betreut.

Hier meine Fragen?

1 - Welche sind meine Rechte, wie kann ich mich Wehren?
2 - Hat der Chef das Recht mich gegen mein und des Orchesters Willen zurückzuversetzen?
3 - Darf er hinter meinem Rücken meine Gruppe von seinem Willen informieren
(ohne vorher mit mir darüber gesprochen zu haben)?
4 - Darf er ohne mein Einverständnis das Thema vor dem Orchester vortragen?
5 – Bin ich verpflichtet nach jede Probe eine viertel Stunde mit ihm nachzusitzen?
18.03.2007 | 21:08

Antwort

von


344 Bewertungen
Austr. 9 1/2
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel: 09071/2658
Web: www.rechthilfreich.de
E-Mail:
Sehr geehrte Ratsuchende,

vielen Dank für Ihre Anfrage(n), die ich summarisch wie folgt beantworte:

( 1 ) Sofern Sie sich von dem neuen Vorgesetzten "gemobt" fühlen, so empfiehlt es sich zunächst Hilfe beim Betriebsrat zu suchen.

Sollte ein solcher nicht existieren, so empfiehlt es sich die einzelne Vorfälle, die Sie offensichtlich als äusserst unangenehm empfinden, zumindest in einem " Mobbingtagebuch" festhalten, damit im Extremfall, nämlich einer streitigen Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht, die einzelnen arbeitsrechtlichen Verstöße des Arbeitgebers so konkret wie möglich belegt werden könnten
( Datum u. Uhrzeit des jeweiligen Vorfalles, Kollegen als Zeugen, Ihre Empfindungen auf das Mobbing - gesundheitliche Folgen... ).

( 2 ) Zunächst kommt es stets auf die Vorgaben des
Arbeitsvertrages an.

Aus der Natur des Arbeitsverhältnisses folgt jedoch auch das Recht des Arbeitgebers, Leistungs - und Verhaltenspflichten, die im Arbeitsvertrag nur rahmenmäßig umschrieben sind, im einzelnen festzulegen.

Im Arbeitsrecht gibt es also so etwas, wie ein
" Weisungsrecht " des Arbeitgebers.

In welcher Form dieses ausgeübt wird spielt grundsätzlich keine Rolle: Das Kommando " Hauruck " des Vorarbeiters auf einer Baustelle kann ebenso wie das Dirigieren des Orchesters eine sozialadäquate Form zur Ausübung des Weisungsrechts sein.

Die konkrete Streitfrage ist also, ob Sie im Rahmen des Weisungsrechts aus der Position als Stimmführerin der zweiten Violinen enthoben werden könnten oder ob hierfür ggf. eine Änderungskündigung erforderlich wäre.

Gegen eine Änderungskündigung könnten Sie sich unter Umständen vor dem Arbeitsgericht erfolgreich zur Wehr setzen.

Ohne Einsicht in den Arbeitsvertrag kann zu dieser schwierigen Frage keine seriöse Beurteilung abgegeben werden.

( 3 ) Ich meine: Nein

Sollte der neue Dirigent bereits hinter Ihrem Rücken gegen Sie vor dem Orchester intrigiert haben, so wäre dieses Vorgehen wohl schlicht als Mobbing zu bezeichnen.

Ich persönlich glaube allerdings kaum, dass ein 26 - jähriger Berufsanfänger sich eine solche Verhaltensweise gegenüber dem Orchester anmaßen würde.

( 4 ) Die Fairness gegenüber dem gesamten Orchester gebietet es einfach, zu grundlegenden Fragestellungen die jeweils Betroffenen frühzeitig miteinzubeziehen.

( 5 ) "Nachsitzen" verbietet sich wohl ohnehin unter Berufsmusikern.

Eine andere Frage dürfte allerdings sein, inwieweit sonstige Aufgaben des Orchesterleiters ausserhalb der allgemeinen Proben mit einzelnen Mitarbeitern wahrgenommen werden können.

Hier stossen wir an die schwer zu beantwortende Frage, der Grenzen des Weisungsrechts.

Diese ergeben sich in der Regel aus höherrangigen Rechtsquellen, aus den Beteiligungsrechten des Betriebsrats, aus dem Arbeitsvertrag als Rechtsgrundlage des Arbeitsverhältnisses und aus dem Gebot, das Weisungsrecht nach billigem Ermessen auszuüben - § 315 Abs. 1 BGB.

Sollte es im Orchester bislang absolut unüblich sein, dass einzelne Mitarbeiter mit dem Orchesterleiter außerhalb der allgemeinen Probezeiten musikalische Angelegenheiten besprechen, so meine ich schon, dass Sie sich gegen das " Nachsitzen " entschieden zur Wehr setzen sollten. Dies gilt um so mehr, wenn Sie auf Grund Ihrer langjährigen Berufserfahrung Gespräche außerhalb der allgemeinen Orchesterzeiten für nicht erforderlich erachten.

Sie sollten allerdings auch beachten, dass der junge Kollege über wesentlich weniger Berufserfahrungen als Sie verfügt und unter Umständen auf Ihre Hilfe - auch außerhalb der allemeinen Zeiten - einfach angewiesen sein könnte. Ich hoffe, Ihnen eine erste hilfreiche Orientierung ermöglicht zu haben, weise auf die kostenfreie Nachfragefunktion hin und verbleibe

mit freundlchen Grüßen

Dipl.- Jur. M. Kohberger
Rechtsanwalt



















Rechtsanwalt Michael Kohberger

Nachfrage vom Fragesteller 19.03.2007 | 22:37

Ich habe mich an die Mobbing Beratungsstelle der Stadt (mein Arbeitgeber) Gewandt.
Ich habe mir Schutz und Hilfe erhofft.
Die Person die mich „beraten“ hat war Überhaupt nicht neutral.
Über das Thema „Nachsitzen“ hat sie mir geantwortet sie sehe keine Mobbing in dieser Situation: der Chef hätte das Recht mich zu „fordern“, wenn er mit meiner Leistung nicht zufrieden ist.
Sie hat sich als Fürwörter des Chefs Verhalten.
Das Fehlverhalten vom Chef hat Sie „übersehen“.

Meine Frage:
Was halten sie von dieser Mobbing Beratungsstelle?

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 20.03.2007 | 07:52

Vielen Dank für die Nachfrage, die ich wie folgt beantworte:

Der Mobbingberatungsstelle kann nur inwoweit zugestimmt werden, dass im Rahmen des bereits erwähnten Weisungsrechts schon bestimmte fachliche und auch zeitliche Vorgaben vom Orchesterleiter gemacht werden können.

Wenn es jedoch so weit geht, dass Sie das regelmäßige Gespräch mit dem Dirigenten sogar als " Nachsitzen " empfinden, so sollten Sie sich an meinen Ratschlag halten und idealerweise ein Mobbingtagebuch führen. Zugleich sollte soweit erforderlich ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Die Angelegenheit verkompliziert sich etwas, da Ihr Arbeitsverhältnis im Rahmen der musikalischen Leitung durch den neuen Vorgesetzten freilich konkretisiert werden kann. Künstlerische Freiheiten können so für Sie stark eingeschränkt werden.

Die ganze Angelegenheit sollten Sie jedoch trotz allem auch gelassen sehen.

Ich meine, dass ein neuer Orchesterleiter meist dazu neigen wird, Änderungen vorzunehmen, umso mehr, wenn er sich noch in einem
" jugendlichen Alter " befindet. Da die Stimmführung der zweiten Violinen auch vom Kollegenkreis geschätzt wird, sollten Sie dies in einem persönlichen Gespräch mit dem " Neuen " ansprechen und darauf hinweisen, dass aus Ihrer Warte die bislang geführten
" Zweiergespräche" wenig konstruktiv sind und im Orchester auch absolut unüblich.

Ich würde nicht so weit gehen, die Mobbing Beratungsstelle als für den Chef parteiisch zu bezeichnen. Freilich kann das
" Nachsitzen", sollte es gar auch im Kollegenkreis als solches wahrgenommen werden, Sie als Stimmführerin kompromitieren. Die Beratungsstelle hat sich insofern unsensibel ausgedrückt, was jedoch an der Problematik als solcher nichts ändert.

Ich hoffe, Ihre Frage(n) zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dipl.-Jur.M. Kohberger
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