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Zulässige Größe Büro / Folgen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

28.08.2018 22:36 |
Preis: 60,00 € |

Arbeitsrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Krim.-Dir. a.D. Willy Burgmer


Zusammenfassung: Es geht um "Raumabmessungen und Bewegungsflächen" nach der Arbeitsstättenverordnung und die Richtlinien ASR A1.2. Wie viel Raum und Fläche steht den Arbeitnehmern in einem (Großraum)Büro nach dem Gesetz zu?

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ca. 9 Monaten hat mein Arbeitgeber im Rahmen verschiedener Umorganisationen (Zusammenlegung von Unternehmensteilen / Standorten, Vergrößerung der Mitarbeiterzahl am aktuellen Standort etc.) auch die Büros neu zugeteilt.

Wir sind die Abteilung technischer Vertrieb mit 2 Teamleitern, 6 Projektingenieuren / Key-Accountmanagern und 4 Assistentinnen.

Wir sitzen jetzt mit diesen 12 Personen in einem ca. 75m² großen Büro, ca. 7m² sind dabei von zwei großen Schränken entlang der zwei Wände eingenommen; außerdem steht ein Kopierer im Raum. Effektiv haben wir also vermutlich ca. 70m² Platz für 12 Personen, d.h. 6m² pro Person. Wenn man zu einzelnen Kollegen will, müssen die davor sitzenden Kollegen ganz nah an den Tisch rücken ("Kannst Du bitte mal vor rutschen!"), da man sonst fast nicht vorbei kommt. Geräuschdämmende Maßnahmen gibt es nicht; abgesehen von ein paar kleinen nicht mal hüfthohen Regalen stehen einfach nur Schreibtisch an Schreibtisch.

Unserer Ansicht nach - und auch nach unserer Internetrecherche, die 6-8m² pro Person nur für Büros bis 3 Personen zulässt - ist das Büro deutlich zu klein für so viele Mitarbeiter: Man erwartet von uns exakt kalkulierte Angebote, anspruchsvolle Kundentelefonate und differenzierte Analysen/Statistiken. Diese Arbeit ist unserer Ansicht nach in diesen Räumlichkeiten nicht machbar. Von durchgängigen und ausreichend breiten Fluchtwegen mal ganz zu schweigen.

Einzelne Kollegen haben bereits deutliche Anzeichen von erhöhtem Stress / beginnende psychische Probleme aufgrund der deutlichen Lärmbelastung (nicht die Lautstärke, aber der dauernde und sich ständig ändernde Geräuschpegel und "Bewegung" im Büro). Wie sehen Sie hier die Lage? Der Arbeitgeber ist der Ansicht, "sie haben doch ein schönes Büro!".

Folgende Fragen:
1. Ist diese Belegung gesetzlich zulässig?
a) Wie viele Personen dürften maximal in dieses Büro - bzw. wie groß müsste das Büro für 12 Personen sein?
b) Wir haben 10-12m² pro Person für Büros mit 4-20 Personen recherchiert. Ist dies ein Richtwert oder eine gesetzlich zulässige Maximalgrenze? Ist dies der korrekte / aktuelle Wert? Wo finden wir diesen in einer "offiziellen" Quelle?

2. Falls die Größenvorgaben gesetzliche Maximalwerte sind, welche sind die Folgen für den Arbeitgeber? Von der Berufsgenossenschaft / Staatsanwaltschaft / oder …, wenn er die erforderliche Mindestgröße pro Person nicht einhält bzw. das Büro überbelegt?

3. Welche Ansprüche haben die Kollegen? …besonders diejenigen, die bereits persönlich gesundheitliche Probleme durch die Situation bekommen? Schadensersatz? Eine Kollegin hat bereits gekündigt und einen anderen, etwas schlechter bezahlten Job angenommen, weil ihr die Belastung bei uns zu groß wurde. Sie war in den letzten Monaten mehrfach einige Tage krankgeschrieben.

….der Betriebsrat ist in unserem Unternehmen leider auch keine große Hilfe.

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Gerne zu Ihren Fragen:

Maßgeblich ist die technische Regel für Arbeitsstätten ASR A1.2 "Raumabmessungen und Bewegungsflächen". Dort sind Richtwerte für die Bürofläche pro Mitarbeiter benannt.

Gesetzliche Grundlage für dies Richtlinien ist die Arbeitsstättenverordnung. Diese enthält – dies zu Ihrer Frage 2 - sogar Tatbestände von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, vgl. § 9 ArbStättV.

Hält der Arbeitgeber (AG) diese Technischen Regeln ein, kann er davon ausgehen, dass die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung erfüllt sind. Im Rechtssinne quasi eine Regelvermutung, die allerdings durch konkret Arbeitsplatz bezogene Fakten auch widerlegt werden kann. Es handelt sich also um Richtlinien, nicht konkretes Gesetzesmaterial.


Demnach ist es so, dass zunächst Stellflächen für Schränke und/oder Bürocontainer in Abzug gebracht werden müssen. Ferner müssen Türen und Schubladen frei geöffnet werden können.

Damit komm man für ein Einzelbüro auf einen Richtwert von 8–10 qm sowie unter 50 qm Fläche zu einer Raumhöhe von 2,50 m.

Für Ihren Fall in Großraumbüros wäre der Richtwert pro Arbeitsplatz 12–15 qm und bei mehr als 100 qm Fläche beträgt die Raumhöhe 3 m.

Ihrer Schilderung nach ist ferner zu beachten, dass Tiefe und Breite am Bildschirmarbeitsplatz mindestens 1 Meter betragen muss, wobei eine Bewegungsfläche von mindesten 1,50 qm gefordert ist, ohne dass diese sich etwa überlagern! Explizit nicht mit Flächen für Verkehrs- und Sicherheitswegen.

Fluchtwege für maximal 5 Personen von mindestens 0,775 cm in der Breite sind vorzuhalten und Verkehrswege, also der Gang zu einem Fenster oder einem Heizkörper muss 0,5 Meter breit sein.

Auch wenn Ihr Betriebsrat „leider keine große Hilfe" sein sollte, wäre der doch als erste Anlaufstation in die gesetzliche (!) Pflicht zu nehmen, denn nach § 80 BetrVG Absatz 1 hat „der Betriebsrat folgende allgemeine Aufgaben:
1. darüber zu wachen, dass die zu Gunsten der Arbeitnehmer geltenden Gesetze, Verordnungen,
Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen durchgeführt werden;
2. Maßnahmen, die dem Betrieb und der Belegschaft dienen, beim Arbeitgeber zu beantragen (gekürzt).
Also die gesetzliche Pflicht, Ihre Rechte nach der ArbeitsstättenV nebst den ASR A1.2 Geltung zu verschaffen.

Da der konkrete Inhalt der ASR A1.2 umfangreich ist und hier nur skizziert beleuchtet werden kann, stelle ich Ihnen gerne den Volltext zur eigenen Auswertung zur Verfügung: Hier mangels Uploadmöglichkeit der entsprechender Link: https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR-A1-2.html der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Was die von ihnen angesprochenen Haftungsfragen angeht, lässt sich dies im vorgegebenen Rahmen dieser Plattform nur summarisch so beantworten, dass stets eine adäquate Kausalität für einen konkreten bzw. bezifferbaren Schaden gegeben sein muss. Hier wäre dann ggf ein arbeitsmedizinisches Sachverständigengutachten herbei zuführen.

Ich hoffe, Ihre Frage verständlich beantwortet zu haben und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen. Bei Unklarheiten können Sie die kostenlose Nachfragefunktion benutzen.

Mit freundlichen Grüßen

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