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Zugriff auf fremden Mailaccount - löschen eines Accounts

23.03.2009 15:24 |
Preis: ***,00 € |

Strafrecht


Beantwortet von

Rechtsanwalt Holger J. Haberbosch


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor kurzem habe ich mir - wegen Verdacht auf Fremdegehen - bei meinem Freund Zugriff auf sein Mailpostfach verschafft. Das Passwort selber brauchte ich nicht einmal zu hacken o.ä. Dieses war mir im Vorfeld durch sehr konkrete Andeutungen und Beschreibungen des Postfachbesitzers dadurch mehr oder weniger bekannt.
Missbraucht hatte ich dieses Wissen jedoch vorher niemals.
Als sich bei mir der Verdacht des Fremdgehens entwickelte, habe ich jedoch dieses Wissen gegen meinen Freund eingesetzt. Mein Verdacht wurde bei Durchsicht der Mails bestätigt. Aus Wut habe ich unter dem Namen meines Freundes aus seinem Postfach heraus eine Mail versendet, um eine best. Reaktion o.ä. zu provozieren.
Als ich ein paar Std. später mit demselben Passwort auch mal in seinen Account (ein soziales Freundenetzwerk der Generation 2.0) reingesehen habe, habe ich dann auch noch das passende Bild zum Thema Fremdgehen finden können. Noch einmal wütend... habe ich innerhalb dieses Accounts auf 'löschen' geklickt. Wonach lt. Betreiber die Daten des Accounts umgehend gelöscht werden.

Kurz darauf wurde mir bewusst, dass ich hier einen deutlichen Schritt über eine rechtliche Grenze hinaus getätigt habe.
Bei Anfragen seitens Postfachbesitzers, ob ich etwas damit zu tun haben könnte, habe ich mich dumm gestellt.

Der Postfachinhaber hat mittlerweile eine 'Strafanzeige gegen Unbekannt' getätigt.
Persönlich ist die Situation so verfahren, dass eine Darlegung des Hergangs unter vier Augen auf keinen Fall möglich ist - somit sicherlich auch das Zurückziehen der Strafanzeige.

Momentan befinde ich mich also in der Senke und warte darauf, ob die Behörden den Vorgang evtl. wegen Geringfügigkeit einstellen, oder ob (und davon ist auszugehen) in dem Ermittlungsverfahren die IP an meine Haustür führt.
Eigentlich bin ich vom Fach - habe aber in der Wut und ohne Plan keine elektronischen Spuren verwischt... eine IP würde das sehr wahrscheinlich erfolgreich für die Ermittler aussehen lassen.

Ich weiss also, dass das was ich getan habe nicht rechtens ist - aber was mache ich am Tag X, wenn ich eine Vorladung oder Besuch bekomme, um trotzdem meine Anklage so gering wie möglich zu halten?
Mit welcher Art von Bestrafung ist etwa zu rechnen?
Welche Gesetze habe ich gebrochen?
Sollte ich mir für den Fall der Fälle im Vorfeld einen Anwalt suchen?
Bekomme ich über Sie Empfehlungen für inhalts-taugliche Anwälte?
Oder besser eine Selbstanzeige?

Vielen Dank schon jetzt für Ihre Antwort!

Sehr geehrter Fragesteller,

anhand Ihrer Angaben und des von Ihnen bestimmten Einsatzes möchte ich Ihre Fragen wie folgt beantworten:

1. Tatsächlich ist Ihre Situation relativ verfahren. Zunächst einmal eher aus menschlicher Sicht. Verständlich ist, dass Sie einen erheblichen Vertrauensbruch befürchten, sofern Ihr Freund erfährt, dass Sie diese Daten gelöscht und seinen privaten Account eingesehen haben. Dennoch sollten Sie versuchen, die Angelegenheit auf persönlicher Basis zu klären, insbesondere da Sie sich nach Ihren Angaben strafbar gemacht haben und durch die Nachverfolgung der IP-Adresse auch eine hohe Entdeckungswahrscheinlichkeit vorliegt. Hierzu im Folgenden mehr.

2. Sie haben sich zum einen gem. §303a StGB strafbar gemacht, indem Sie Daten eines anderen, die gesondert gesichert waren gelöscht haben. Die Strafe hierfür beträgt Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren, welche genaue Strafe hier zu erwarten ist kann ohne vorherige Akteneinsicht aber nicht vorhergesagt werden.

3. Des Weiteren haben Sie sich gem. § 202a StGB strafbar gemacht, indem Sie die persönlichen und gesicherten Daten Ihres Freundes auf dem Account sowie Mailserver eingesehen haben. Auch hier beträgt der Strafrahmen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren.

4. Möglicherweise, besteht noch eine weitere Strafbarkeit durch das Versenden der E-Mail, dies müsste aber anhand des Inhalts der Email geprüft werden.


Die Taten 2.und 3. sind nur auf Antrag verfolgbar, weshalb, eine Eingung mit Ihrem Freund vorausgesetzt, es sinnvoll wäre, wenn dieser die Anzeige zurückzieht.

Anderenfalls wird es eine Frage der Zeit sein, bis über die IP Ihr Anschluss ermittelt wird.

Eine vorsorgliche Einschaltung eines Anwalts macht meiner Meinung nach keinen Sinn, jedoch sollten Sie sobald man Sie als Beschuldigten vernehmen will, einen Rechtsanwalt beauftragen.
In diesem Fall würde ich Ihnen auch zur Verfügung stehen, ein unverbindliches Angebot würde ich IHnen bei einer Anfrage in diesem Fall zukommen lassen.

Nachfrage vom Fragesteller 24.03.2009 | 11:33

Verstehe ich dann die Prozedur bzw. Ablauf richtig?
(habe hier keine Erfahrung bisher)

Zuerst wird aufgrund der Strafanzeige gegen Unbekannt die Person ermittelt. Danach besteht die Option für den Geschädigten - mit dem Wissen um die Person - einen Antrag auf Strafverfolgung zu erlassen?
Oder wandelt sich nach Kenntnis der Person die Anzeige autom. in einen Antrag?
Anders: werde ich nur bestraft, wenn der Antrag gestellt wird, oder kommen auch schon Strafzahlungen o.ä. auf mich zu, wenn ich ermittelt werden sollte?

Ich werde mich übrigens dazu durchringen, dem Geschädigten die auslösenden Momente zu erklären - das ist keine Entschuldigung für meine ''Bauchaktionen'', aber bringt ihm sicherlich Licht in die Angelegenheit.
Ob das was in Sachen ''zurückziehen der Anzeige'' bringt bleibt abzuwarten...

Vielen Dank für Ihre Nachantwort

Antwort auf die Nachfrage vom Anwalt 24.03.2009 | 12:47

Sehr geehrter Fragesteller,

der Strafantrag ist bereits das Stellen der Strafanzeige gegen unbekannt. Sollten Sie als verantwortliche Person ermittelt werden läuft das Ermittlungsverfahren automatisch gegen Sie.

Ich hoffe Ihre Nachfrage ausreichend beantwortet zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Haberbosch
Rechtsanwalt

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