Hilfe & Kontakt
Schnell einen Anwalt fragen:
 Antworten,  Anwaltsbewertungen
480.463
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang

1
 
Frage Stellen
an unsere erfahrenen Anwälte.
Jetzt auch vertraulich
Frage Stellen
einem erfahrenen Anwalt
Jetzt auch vertraulich
2
 
Preis festlegen
Sie bestimmen, wieviel Ihnen die Antwort wert ist.
Preis festlegen
Sie bestimmen die Höhe selbst
3
Antwort in 1 Stunde
Sie erhalten eine rechtssichere
Antwort vom Anwalt.
Antwort in 1 Stunde
Rechtssicher vom Anwalt
Jetzt eine Frage stellen

Zugewinnausgleich Unterhaltszahlung


08.02.2006 20:59 |
Preis: ***,00 € |

Familienrecht



Guten Tag,

FF Sachverhalt:

Vor der Eheschließung in 1990 schlossen die zukünftigen Ehegatten einen Kaufvertrag
über ein Ausbauhaus ab. Preis 200.000 Euro.
Der Kaufvertrag ist von beiden Ehegatten unterschrieben.

An Eigenkapital war vor der Eheschließung vorhanden:
Ehemann: Grundstück mit einem Wert nach Grundstückspreisen von 1990 200.000 Euro, Barmittel 30.000 Euro.
Ehefrau: Barmittel 50.000 Euro

Im Grundbuch steht der Ehemann bis heute als Alleineigentümer.

Es wurde vor der Eheschließung ein gemeinsames Darlehen über 150.000 Euro aufgenommen.

Zum Zeitpunkt der Eheschließung war der Kaufvertrag des Ausbauhauses erfüllt. D.h. der erweiterte Rohbau des Hauses stand auf dem Grundstück des Ehemannes.
Das Darlehen über 150.000 Euro war zum Zeitpunkt der Eheschließung komplett ausgezahlt.

Nach der Eheschließung wurde das Haus in Eigenleistung des Ehemannes fertiggestellt.
Während der Ehe nahm die Ehefrau ein Arbeitnehmerdarlehen über 20.000 Euro für weiter Baumaßnahmen am Haus auf. Dieses wurde während der Ehe von beiden Ehepartnern komplett getilgt.
Im übrigen wurden die Zins- und Tilgungsleistungen hauptsächlich vom Einkommen des Ehemanns bestritten.

Zum Zeitpunkt der Scheidung bestehen noch Schulden aus dem ersten Darlehen von 75.000 Euro.
Das Haus hat einen geschätzten Wert von 500.000 Euro. An Barmitteln sind 50.000 Euro auf diversen Konten, die auf beide Ehegatten laufen, vorhanden.

Ich kann mir jetzt 2 Varianten des Zugewinnausgleichs vorstellen:


A)

Anfangsvermögen Ehefrau: 50.000 Euro (Barmittel) abzüglich die Hälfte der Darlehensschulden von 75.000 Euro ergibt 0 (Weil ja negatives Anfangsvermögen nicht zählt)

Anfangsvermögen Ehemann: 30.000 Euro (Barmittel) + 200.000 Euro (Grundstück) + 200.000 (Wert des Ausbauauses zum Zeitpunkt der Eheschließung; Ehemann steht als Alleineigentümer im Grundbuch) abzüglich die Hälfte der Darlehensschulden von 75.000 Euro ergibt 355.000. Das noch indexiert mit z.B. 1,25 ergibt ca. 443.000 Euro.

Endvermögen Ehefrau: Die Hälfte der Barmittel; ergibt 25.000 Euro
Damit Zugewinn Ehefrau: 25.000 - 0 = 25.000 Euro.

Endvermögen Ehemann: Haus 500.000 Euro + Hälfte der Barmittel 25.000 Euro abzüglich Restschuld 75.000 Euro; ergibt 450.000 Euro.
Damit Zugewinn Ehemann: 450.000 - 443.000 = 7.000 Euro

Danach müsste die Ehefrau dem Ehemann 9.000 Euro Ausgleich zahlen.


B)

Anfangsvermögen Ehefrau: 50.000 Euro (Barmittel) + die Hälfte des Wertes des Ausbauhauses zum Zeitpunkt der Eheschließung 100.000 Euro (Ehefrau steht im Kaufvertrag des Ausbauhauses) abzüglich der Hälfte der Darlehensschulden von 75.000 Euro ergibt 75.000 Euro.
Das indexiert mit z.B. 1,25 ergibt ca. 94.000 Euro

Anfangsvermögen Ehemann: 30.000 Euro (Barmittel) + 200.000 Euro (Grundstück) + 100.000 (Halber Wert des Ausbauauses zum Zeitpunkt der Eheschließung; Ehemann steht als Alleineigentümer im Grundbuch) abzüglich der Hälfte der Darlehensschulden von 75.000 Euro ergibt 255.000 Euro.
Das indexiert mit z.B. 1,25 ergibt ca. 319.000 Euro.

Endvermögen Ehefrau: Die Hälfte der Barmittel; ergibt 25.000 Euro
Damit Zugewinn Ehefrau: 25.000 - 94.000 = -69.000 Euro.
Die Ehefrau hat also einen negativen Zugewinn.

Endvermögen Ehemann: Haus 500.000 Euro + Hälfte der Barmittel 25.000 Euro abzüglich Restschuld 75.000 Euro; ergibt 450.000 Euro.
Damit Zugewinn Ehemann: 450.000 - 319.000 = 131.000 Euro

Danach müsste der Ehemann der Ehefrau 100.000 Euro Ausgleich zahlen.


Variante A ist sicher angenehm für den Ehemann. Das erscheint mir aber auch irgendwie unbillig.
Immerhin bringt die Ehefrau 50.000 Euro zu Beginn der Ehe für den Hausbau ein. Und sie soll jetzt bei
der Vermögensauseinandersetzung nur 25.000 - 9.000 Euro = 16.000 Euro erhalten.



Meine Fragen:

1. Welche der beiden Varianten A) oder B) ist zutreffend?

2. Ist ein negativer Zugewinn überhaupt möglich?

3. Wenn keine der beiden Varianten richtig ist, wie berechnet sich der Zugewinnausgleich dann?

4. Werden bei der Berechnung des Kinds- Trennungs- und des nachehelichen Unterhalts die Zins- und Tilgungszahlungen
für die Restschuld von 75.000 von dem Einkommen des Ehemannes abgezogen, wenn diese Restschuld bereits beim
Endvermögen des Ehemanns berücksichtigt wurde?

5. Der Ehemann will das Haus behalten.
Werden die Zins- und Tilgungszahlungen des Ehemannes gegenüber dem Vorteil des mietfreien Wohnens
bei der Berechnung des Kinds- Trennungs- und des nachehelichen Unterhalts verrechnet?

6. Wie berechnet sich das fiktive Zusatzeinkommen wegen des Vorteils des mietfreien Wohnens während der Trennungsphase?

Notfall?

Jetzt vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Feedback noch heute.

Kostenlose Einschätzung starten
Sehr geehrte Ratsuchende,

zu 1.:
Die Ermittlung des Zugewinnausgleichs muss hier im Gesamtzusammenhang mit dem Gesamtschuldnerausgleich in Bezug auf die gemeinsam gekaufte und finanzierte Immobilie erfolgen.

Steht das Familienheim – wie hier – im Alleineigentum eines der Ehegatten, so hat dieser bei der Scheidung im Innenverhältnis die Finanzierung auch alleine zu tragen (BGH FamRZ 1997, 487).

Es ist also gemäß Ihrem Beispiel folgendermaßen zu rechnen:

Anfangsvermögen F:
€ 50.000 (Barmittel) ergibt nach Indexierung (hier x 1,25) also € 62.500.

Endvermögen F:
€ 25.000 (Hälfte der Barmittel).

Zugewinn F: 0

Anfangsvermögen M:
€ 30.000 Euro (Barmittel) + € 200.000 (Grundstück) + € 200.000 (Wert des Ausbauhauses zum Zeitpunkt der Eheschließung) abzüglich der gesamten Darlehensschulden von € 150.000 ergibt € 280.000, nach Indexierung (hier x 1,25) also € 350.000.

Endvermögen M:
€ 500.000 (bebautes Grundstück) + € 25.000 (Hälfte der Barmittel) abzüglich Restschuld € 75.000 ergibt € 450.000.

Zugewinn M: € 100.000 (€ 450.000 - € 350.000).

Ausgleichsanspruch F gegen M: € 50.000.

An dem vorliegenden Rechenbeispiel wird deutlich, dass F nur in etwa den eigenen Finanzierungsanteil zurückerhält. Eine Teilhabe an der Wertsteigerung der Immobilie ist nur deshalb nicht gegeben, weil diese nach Ihrer Vorgabe (vereinfachte Indexierung x 1,25) exakt dem Ausgleich des Kaufkraftschwundes entspricht.

zu 2.:
Ein negativer Zugewinn ist ebenso wie ein negatives Anfangsvermögen nach der Regelung der §§ 1373, 1374 Abs. 1 HS. 2 BGB ausgeschlossen. Verluste eines Ehegatten sind demzufolge nicht auszugleichen.

zu 3.:
siehe bereits Punkt 1.

zu 4.:
Die Berechnung des Zugewinns und des Unterhalts erfolgen unabhängig voneinander. Soweit die Tilgungsraten berücksichtigungsfähige Schulden darstellen, wären diese also durchaus auch bei der Ermittlung der Leistungsfähigkeit heranzuziehen.

zu 5.:
Insoweit findet auch eine Verrechnung mit dem Wohnvorteil statt. Ob und in welcher Höhe allerdings die Tilgungsraten berücksichtigungsfähig sind, kann nur auf der Grundlage aller Umstände des Einzelfalles ermittelt werden.
In der Regel werden bei Alleineigentum des in der Wohnung verbleibenden Unterhaltsverpflichteten nicht nur die Zinsen, sondern auch die Abzahlungen zu berücksichtigen sein, soweit der Wohnwert die ehelichen Lebensverhältnisse geprägt hat und die Abzahlungen der Höhe nach wirtschaftlich vernünftig sind (vgl. BGH NJW 1998, 2821).

zu 6.:
Der Wert mietfreien Wohnens bestimmt sich nach den ersparten Mietaufwendungen. Diese orientieren sich nach der ortsüblichen Vergleichsmiete, hier allerdings bezogen auf eine nach dem Auszug des anderen Ehegatten entsprechend den ehelichen Lebensverhältnissen angemessenen kleineren Wohnung (BGH NJW 2000, 284).


Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Auskünften behilflich sein, wenngleich diese naturgemäß im Rahmen einer Online-Beratung etwas unscharf bleiben. Für detailliertere Informationen sollten Sie einen Anwalt Ihres Vertrauens persönlich zu Rate ziehen.

Zunächst haben Sie aber die Möglichkeit, im Rahmen der kostenlosen Nachfragefunktion Rückfragen zum inhaltlichen Verständnis meiner Antwort zu stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfram Geyer
Rechtsanwalt
FRAGESTELLER 30.12.1899 /5.0
Durchschnittliche Anwaltsbewertungen:
4,6 von 5 Sternen
(basierend auf 60176 Bewertungen)
Aktuelle Bewertungen
5,0/5,0
Kompetent und verständlich besten Dank ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Besten Dank!!! ...
FRAGESTELLER
5,0/5,0
Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Frage! ...
FRAGESTELLER