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Zu hohe Rechnung (Buchhaltung und Einnahmen-Überschuss-Rechnung - Freiberufler) ?

| 16.02.2015 19:22 |
Preis: ***,00 € |

Steuerrecht


Beantwortet von


Hallo,

Ich habe in 2014 meine freiberufliche Beratertätigkeit angefangen.
Da ich in 2013 vorweggenommene Ausgaben hatte (Laptop, Handy, Fortbildungen sowie andere kleine Spesen), habe ich meinen Steuerberater beauftragt, meine Einnahmen–Überschuss Rechnung für 2013 zu fertigen. Ich habe den Eindruck dass er dafür zu viel abgerechnet hat.

Rahmenbedingungen:
- Ausgaben ca 2640 €
- KEINE Einnahmen
- Ausgabe-Rechnungen von mir komplett ordentlich sortiert an den SB übergeben
- Übersicht Ausgaben von mir gefertigt und Kostenauflistung in Form eine Excel Tabelle an der SB abgegeben (Datum, Netto, Brutto UST, Kostenrahmen SKR3 & 4, Erklärung, Quittung ID Nr.)

Was der SB abgerechnet hat:
- Überschussrechnung 141, 25 € zzgl. MwSt. (Gegenstandwert 12500 €, Tab B, Zehntel Anzahl 25/20)
- Buchführung 292,80€ zzgl. MwSt. (Gegenstandwert 2640€, Tab C, Zehntel Anzahl 4/10)
- Pauschalauslagen gem. § 16: 2x20 € (1 für jede Posten oben). Diese würden zusätzlich zu 2 x 20 € Pauschalauslagen für die Lohnsteuer abgerechnet (es handelt sich um die gleiche Steuererklärung, d.h. insgesamt 80 € für 1 Erklärung)

Meine Fragen:
- Darf der SB eine Buchführung in diese Höhe berechnen, obwohl ich die Auflistung selber gemacht habe?
- Ist die Höhe der Überschussrechnung in Ordnung (Ich hatte KEINE EINNAHMEN)?
- Darf der SB 80 € für eine einzige Steuererklärung berechnen (Er darf für jede Posten 20 € abrechnen, aber sollte das nicht angemessen an seine Porto/Kopien Ausgaben sein?)
- Da ich nur die Rechnung für die Lohsteuer bisher bezahlt habe (und nicht für die Firmensteuer), weigert sich der SB die Steuererklärung zu erstellen. Ich kann aber keine anderen SB beauftragen, da die Erklärung zusammen mit meinem (getrennten) Mann erfolgen soll. Muss ich die ganze Rechnung in Vorhaus bezahlen und wenn nicht, wie kann ich vorgehen?
- Ich habe gerade erfahren, dass ich eine Strafe von Finanzamt bezahlen muss, da die Steuererklärung zu spät abgegeben wird. Meine SB hat mich nicht davon gewarnt. Wer ist jetzt verantwortlich für die Strafe?

Vielen Dank für die Antwort



Einsatz editiert am 16.02.2015 19:50:23

17.02.2015 | 16:01

Antwort

von


(615)
Charlottenstr. 14
52070 Aachen
Tel: 0241 - 53809948
Web: http://www.rechtsanwalt-andreaswehle.de
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Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage, welche ich anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts im Rahmen einer ersten rechtlichen Einschätzung wie folgt beantworte:

- Darf der SB eine Buchführung in diese Höhe berechnen, obwohl ich die Auflistung selber gemacht habe?

Nach § 33 Abs. 1 Steuerberatervergütungsverordnung beträgt die Monatsgebühr 2/10 bis 12/10 einer vollen Gebühr nach Tabelle C (Anlage 3) für die Buchführung oder das Führen steuerlicher Aufzeichnungen.
Nach Ihrer Darstellung berechnete der StB für die Buchführung 292,80€ zzgl. MwSt. (Gegenstandwert 2640€, Tab C, Zehntel Anzahl 4/10). Die hier zugrundeliegende Berechnung lautet 61 Euro (10/10) / 10 * 4 * 12 = 292,80 Euro (netto). Der BGH hat in einer vergleichbaren Sache in Bezug auf die frühere gleichlautende Steuerberatergebührenverordnung mit Urteil vom 6. Juli 2000 • Az. IX ZR 210/99 https://openjur.de/u/65030.html entschieden, dass es auf den Auftrag ankommt. Insoweit waren in dem dem Urteil zugrundeliegenden Sachverhalt die monatlichen Ansätze bei einer nachträglich zusammenfassenden Buchführung für nicht rechtens angesehen. Hier war nach Auffassung des BGH nur eine Gebühr entsprechend nach Aufwand und der zusammenfassender Arbeitsersparnis anzusetzen.
Insoweit würde ich hier von einer wesentlich zu hoch angesetzten Gebühr ausgehen.

- Überschussrechnung 141, 25 € zzgl. MwSt. (Gegenstandwert 12500 €, Tab B, Zehntel Anzahl 25/20)

Maßgebliche Vorschrift hierfür ist § 25 Abs. 1 StBVV, hiernach beträgt der Gebührenrahmen 5/10 bis 20/10 nach Tabelle B mindestens jedoch einen Gegenstandswert von 12.500 Euro. Wie Ihr StB hier auf eine 20tel Teilung kommt ist indes nicht nachvollziehbar, aber noch im Rahmen. Die hier genau mittig angesetzte Gebühr steht leider im freien Ermessen des StB und muss sich nur einer völlig vom Aufwand abweichenden Beurteilung stellen. In wie weit hier das der Fall ist oder diese überhaupt angesichts Ihrer durchaus ggf. ausreichenden Aufzeichnungen beauftragt wurde, kann von mir indes nicht eingeschätzt werden. Eine sog. EÜR ist indes nur die Gegenüberstellung von Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen unter Angabe von Zeit und Grund.

- Darf der SB 80 € für eine einzige Steuererklärung berechnen (Er darf für jede Posten 20 € abrechnen, aber sollte das nicht angemessen an seine Porto/Kopien Ausgaben sein?)

Nach der o.g. BGH Entscheidung ist die in § 16 S. 2 StBVV genannte "dieselbe Angelegenheit", jene Angelegenheit in diesem Sinne ist, die durch einen einheitlichen Lebenssachverhalt abgesteckt Rahmen sei, indem der Berater für seinen Auftraggeber tätig werden soll. Grundsätzlich sei die Tätigkeit eines Steuerberaters, für welche die StBGebV eine selbstständige Gebühr ausweist, eine Angelegenheit, die sich auf mehrere, gebührenrechtlich unbeachtliche Einzeltätigkeiten erstrecken könne. Grundsätzlich steht es dem StB oder auch Anwalt bei entsprechender Vorschrift frei, den Pauschalbetrag oder aber die tatsächlich entstandenen Kosten abzurechnen.

Für mein dafürhalten also eine Postpauschale für eine gefertigte steuerliche Erklärung in Ihrem Fall, da Sie sicherlich die Fertigung Ihrer Steuererklärung beauftragt haben, nicht jedoch die Fertigung einzelner Bestandteile dieser.

- Da ich nur die Rechnung für die Lohsteuer bisher bezahlt habe (und nicht für die Firmensteuer), weigert sich der SB die Steuererklärung zu erstellen. Ich kann aber keine anderen SB beauftragen, da die Erklärung zusammen mit meinem (getrennten) Mann erfolgen soll. Muss ich die ganze Rechnung in Vorhaus bezahlen und wenn nicht, wie kann ich vorgehen?

Hier werden Sie nicht umhinkommen und die gestellte Rechnung unter Vorbehalt und den Hinweisen der Unrichtigkeit, ggf. auch unter Zuhilfenahme der Steuerberaterkammer als Schlichter, zu begleichen, damit die Erklärung erstellt wird.

- Ich habe gerade erfahren, dass ich eine Strafe von Finanzamt bezahlen muss, da die Steuererklärung zu spät abgegeben wird. Meine SB hat mich nicht davon gewarnt. Wer ist jetzt verantwortlich für die Strafe?

Die Pflicht zur Erklärung Ihrer Einkünfte gegenüber dem Finanzamt obliegt leider Ihnen persönlich, so dass entsprechende Verzögerungen des rechtzeitig beauftragten StB bei bspw. unbezahlter Rechnung nicht zu dessen Lasten gehen und hier ggf. einen Ersatzanspruch begründen. Andererseits hat Ihr StB Sie darauf aufmerksam zu machen, dass es bei einer Verspätung durchaus zu Säumniszuschlägen kommen kann. Tut er das nicht könnte hierin eine haftungsbegründende Fehlberatung vorliegen. Hinweis- und Beratungspflichten eines StB sind jedoch abgestuft zu sehen. Bei langfristigen Mandanten obliegen dem StB weit mehr solcher Pflichten als bei einmaligen Mandanten, die nur für eine Erklärung ohne weiteren Beratungsbedarf erscheinen. Hier kommt es also unmittelbar auf Ihren erteilten Auftrag an, den Sie womöglich auch nachweisen können, um eine Pflichtverletzung des StB nachweisen zu können und damit eine Chance zu haben, Ersatz fordern zu können.

Bedenken Sie bitte, dass jede Ergänzung des Sachverhalts zu einer veränderten rechtlichen Beurteilung führen kann.


Mit freundlichen Grüßen

Rechtsanwalt
Andreas Wehle




Rechtsanwalt Andreas Wehle

Rückfrage vom Fragesteller 19.02.2015 | 11:52

Vielen Dank herr Wehle für ihre ausfürliche Antwort.

Mir nicht klar wie ich vorgehen soll, da Sie sagen dass meine SB warscheinlich zu viel für die Buchführung/Pauschalkosten berechnet hat, aber gleichzeizig dass ich die Rechnung 'unter Vorbehalt und den Hinweisen der Unrichtigkeit, ggf. auch unter Zuhilfenahme der Steuerberaterkammer als Schlichter' bezahlen soll, 'damit die Erklärung erstellt wird'

Soll ich die Rechnung dann trotz zu höhe Kosten ausgleichen, oder eine Erklärung erst fordern, oder wie bezahle ich 'unter Vorbehalt und den Hinweisen der Unrichtigkeit, ggf. auch unter Zuhilfenahme der Steuerberaterkammer als Schlichter'?

Vielen Dank

Antwort auf die Rückfrage vom Anwalt 19.02.2015 | 13:52

Sehr geehrte Ratsuchende,

gern beantworte ich Ihre Nachfragen.

Eine gekürzte Rechnung allein wird Ihr StB wohl nicht akzeptieren.
Daher sollten Sie diesem Ihr Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit schriftlich mitteilen (achten Sie darauf, dass der StB dieses auch tatsächlich erhält; ein Einwurfeinschreiben empfiehlt sich hier) und eine Zahlung der gestellten Rechnung insoweit nur unter Vorbehalt leisten werden, damit die beauftragten Tätigkeiten ausgeführt werden und nicht noch weiterer Schaden für die Verzögerung durch den StB entsteht. Weisen Sie hier darauf hin, dass soweit Ihnen ein weiterer Schaden durch die Verzögerung seitens des StB entsteht, dieser gegenüber den StB als Schadensersatz geltend gemacht werden wird.

Darüber hinaus empfiehlt es sich auch die StB-Kammer bei der Frage der Richtigkeit der Rechnung anzurufen. Als Aufsichtsorgan über die Tätigkeit ihrer Mitglieder ist diese zwar nicht zur Rechtsberatung berechtigt, kann aber dennoch als Schlichter in der Sache selbst fungieren. Zudem ist die Tätigkeit der Kammer im Gegensatz zu einem Rechtsanwalt Ihrer Wahl in aller Regel kostenfrei.

Ich wünsche dabei viel Erfolg und würde mich auch über eine Rückmeldung zu dem Ausgang der Angelegenheit freuen.
Mit freundlichen Grüßen
RA A. Wehle

Bewertung des Fragestellers 19.02.2015 | 11:54

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